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John Dowland

Schöner leiden

27. September 2026
John Dowland

Wer konnte schon so schön traurig klingen wie er? Wer schafft es auch nach 400 Jahren noch, die Seele derer zu berühren, die seine Lieder hören, wie er? Da gibt es nur einen: John Dowland, der englische Singer-Songwriter des elisabethanischen Zeitalters, an dessen 400. Todestag dieses Jahr erinnert wird. Auch in Zürich, wo zum Abschluss des «Festivals Alte Musik» John Dowland auf dem Programm stand.

So präsentierte die «lautten compagney Berlin», eines der renommiertesten Ensembles für Alte Musik Hits und Evergreens von John Dowland, dem ersten Pop-Star Englands. Damals, zu John Dowlands Zeit, war die Melancholie das, was man heute Zeitgeist nennen könnte. Königin Elisabeth, die Erste, herrschte damals, und John Dowland verstand die Zeichen der Zeit, griff in die Laute und komponierte Songs über Liebe und Leid, die noch heute wie damals berühren. Er war ein Pop-Star und reiste durch Europa. Und er wusste schon damals, wie man sich gut vermarktet. Er liess seine Noten in mehreren Auflagen drucken und innert kürzester Zeit wurden seine Lieder in ganz Europa von Dänemark über Frankreich bis nach Italien gesungen. Es war Musik fürs Volk, die aber auch von der Aristokratie geliebt wurde.

Ohrwürmer aus der Renaissance

Dowland war Komponist und Arrangeur und er komponierte eingängige Melodien, richtige Ohrwürmer zu seiner Zeit. Er arrangierte die Stücke auch mit mehreren Stimmen für ein «Consort», wie man in der Renaissance ein Musik-Ensemble bezeichnete. Dowland war wohl einer der ersten Musiker, die Songwriting auf hohem Niveau betrieben haben.

«Für mich persönlich gehört Dowland zur DNA des Musikerseins», sagt Wolfgang Katschner, der Leiter der lautten compagney.  «Ich habe Dowlands Musik schon als Student kennengelernt. Ich habe ursprünglich klassische Gitarre studiert, und da wurde immer Dowland gespielt. Das hat mich schon vor vierzig Jahren motiviert, zur Laute zu wechseln.»  Und was macht für ihn den Reiz an dieser alten Musik aus? Da muss er nicht lang überlegen. «Zum einen ist es die pure Schönheit.  Die Musik von Dowland wirkt auf uns sehr schön, sehr meditativ, sehr beruhigend, gleichzeitig ist sie aber auch sehr heutig, denn die Texte sind so modern, so zeitlos, dass man denkt, sie könnten auch gerade jetzt entstanden sein. Ausserdem spricht uns  die Musik  sehr direkt an: sie ist manchmal sehr rhythmisch, sehr groovy, manchmal klingt es wie Popmusik, dann ist es wieder so schön traurig.» 

Von Pop-Star zu Pop-Star

Es ist also Musik, die einen nicht unberührt lässt. Diese Erfahrung hat vor ein paar Jahren auch der englische Rockmusiker Sting gemacht, als er seine Rock-Band «The Police» links liegen liess, um sich mit den Wurzeln der englischen Musik zu befassen. «Wenn man Dowland singt, ist man wie nackt, man kann sich nicht verstecken.» Statt mit Rock ist Sting damals mit Dowland-Songs ins Studio und auf Tournee gegangen. «Es war eine melancholisch geprägte Zeit damals» so Sting, «und Dowland schrieb ein paar der wunderbarsten Songs. Er war der erste englische Pop-Star mit internationaler Ausstrahlung.»

So wie Musiker im 21. Jahrhundert noch von Dowland schwärmen, so ist es im 16. Jahrhundert auch Shakespeare schon ergangen. «Du gibst dich Dowlands Melodien hin von ihres Wohlklangs Zauber eingehüllet», dichtete er damals. Das ist heute nicht anders. Dowlands schwermütige, suggestive Melodien sind zeitlos und verzaubern noch immer.

Das beweisen auch die bemerkenswert vielen Interessierten an den Konzerten am «Festival Alte Musik». Und Wolfgang Katschner, der Leiter der lautten compagney Berlin“schwärmt geradezu nach dem Konzert in der Helferei in Zürich, wenn er sagt: «Das Publikum ist ja immer verschieden: manchmal sofort dabei und manchmal merkt man, das Publikum muss sich erst an das Klangbild gewöhnen. Aber hier in Zürich hat man schon gemerkt, dass es ein erfahrenes Publikum ist, das viel Musik hört. Es war toll!»

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