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Iran/Trump/Papst

Habemus papam

19. April 2026
Heiner Hug
Leo
Leo XIV. (Keytone/EPA/Luca Zennaro)

Endlich haben wir einen Papst, der Klartext spricht. Mit überraschend scharfen Worten rügt Leo XIV. den Herrscher im Weissen Haus. Dieser wurde auf dem falschen Fuss erwischt und reagiert unbeholfen. Der in Chicago geborene Robert Francis Prevost war im Mai des vergangenen Jahres zum Papst gewählt worden.

 Als Leo XIV. wirkte er zunächst farblos und agierte im Hintergrund. «Er arbeitet sich ein», hiess es im Vatikan. «Er hört zu.»
Jetzt hat er genug zugehört.

Es ist nicht üblich, dass sich hohe katholische Würdenträger in die Politik einmischen. «Sie sind nicht für das Tagesgeschäft da, sie sind für die Ewigkeit da», heisst es spöttisch in Rom. Und tatsächlich: Viele zitieren lieber die Bibel, plädieren mit abgedroschenen, repetitiven, aufgesetzten Worten für Frieden und Gerechtigkeit – und sind sehr zurückhaltend, wenn es um die Verurteilung von Gewaltverbrechern geht. Namen werden fast nie genannt.

«Nur nicht bei den Mächtigen anstossen» 

Natürlich sind die Kurienvertreter und das untergeordnete Personal keine Politiker und schon gar keine Tagespolitiker. Sie sollen sich auch nicht überall einmischen. Wenn aber die Menschenrechte aufs Schwerste verletzt werden, wenn Diktatoren und Potentaten alle roten Linien überschreiten und das Auslöschen von Zivilisationen fordern, ist es doch christliche, moralische Pflicht, dies klipp und klar an den Pranger zu stellen. «Moral ist nicht nur Sex», sagte verkürzt der amerikanische Erzbischof von Washington, Robert Walter McElroy.

Hinter Kriegen und Gewalt stehen Menschen, die diese Kriege und diese Gewalt anrichten und sie verantworten. Doch der Vatikan ging meist schüchtern mit diesen Leuten um. «Nur nicht bei den Mächtigen anstossen» – das ist seit Jahrhunderten eine Maxime der katholischen Kirche.

Und ausgerechnet Leo

Der Augustinerorden hat den Ruf, eher still, reflektiert und zurückhaltend zu sein. Er neigt nicht zu spektakulären Aktionen oder öffentlicher Präsenz. Und ausgerechnet der bisher zurückhaltende Papst Leo XIV., der dem Augustinerorden angehört, setzt nun ein deutliches, fast spektakuläres Zeichen.

Unzweifelhaft an die Adresse von Trump, Vance und Hegseth gerichtet sagte der Papst: «Ich glaube nicht, dass die Botschaft des Evangeliums missbraucht werden sollte, wie es einige tun.» Und: «Zu viele unschuldige Leben sind verloren gegangen … Ich glaube, jemand muss aufstehen und sagen, dass es einen besseren Weg gibt.»

«Eine Handvoll Tyrannen»

Der Papst ist aufgestanden. Er hatte den Mut, einen beispiellosen Konflikt mit dem amerikanischen Präsidenten vom Zaum zu reissen. Die Militäroperation im Iran und Trumps Aussage, er werde eine ganze Zivilisation auslöschen, brachten im Vatikan das Fass zum Überlaufen. Leo entschied sich, Trump beim Namen zu nennen – etwas, das Päpste fast nie tun. Es folgte ein scharfer Angriff auf «Kriegsminister» Pete Hegseth (den er allerdings nicht beim Namen nannte). Hegseth verbrämte die US-Angriffe mit (teils falschen) Bibelsprüchen.

Beim Friedensgipfel in Kamerun wurde Leo noch deutlicher: «Die Welt wird von einer Handvoll Tyrannen verwüstet, doch sie wird von einer Vielzahl unterstützender Brüder und Schwestern zusammengehalten», sagte er. «Wehe denen, die Religion und den Namen Gottes selbst für ihren militärischen, wirtschaftlichen oder politischen Vorteil manipulieren und das, was heilig ist, in Dunkelheit und Schmutz ziehen.»

Klarer geht es nicht.

«Allmachtsfantasien»

Da Leo XIV. ein Englisch sprechender Amerikaner ist – und kein Pole (wie Johannes Paul), kein Deutscher (wie Benedikt) und kein Argentinier (wie Franziskus) –, finden seine Worte in den USA grosse Beachtung. Er ist «einer von uns», heisst es.

Leo sagte auch: «Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.» Und: «Ich glaube nicht, dass die Botschaft des Evangeliums dazu gedacht ist, so missbraucht zu werden, wie manche Menschen es tun.» Und: «Genug des Krieges! Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!» Trumps Drohung, er wolle Iran in die Steinzeit zurückbombardieren, nannte der Papst «wirklich inakzeptabel». Und dann sprach Leo in klarer Anspielung auf Trump von «Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden.»

Die ausgeschlagene Einladung

Mehr als betupft war Trump, nachdem Leo eine Einladung zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit (4. Juli) abgelehnt hatte. Vizepräsident JD Vance, der zum Katholizismus übergetreten war, war es, der dem Papst die Einladung überbracht hat. Doch Leo zieht es vor, den 4. Juli auf der Mittelmeerinsel Lampedusa zu verbringen, dort, wo noch immer täglich Dutzende Migranten eintreffen. Trump ist es nicht gewohnt, dass man seine Einladungen schnöde abschlägt.

Trump reagierte auf seine traditionelle Weise. Er nannte Leo einen «schwachen» Papst, der eine «schreckliche Aussenpolitik» führe. Er empfahl ihm, sich «zusammenzureissen» und behauptete, er sei nur wegen ihm, Trump, gewählt worden. Damit zeigte der Präsident, dass er von den plizierten Machtstrukturen des Vatikans und dem ebenso komplizierten und undurchsichtigen Auswahlverfahren beim Konklave keine Ahnung hat.

Trump hatte nicht damit gerechnet, dass er von dem stets zurückhaltenden Pontifex so angegangen und vorgeführt wird. Laut amerikanischen Medienberichten soll der Präsident getobt haben.

Trump ist «eindeutig geisteskrank»

Und dann reagierte er in seinem Zorn doch eher hilflos. Das Bild, das er von sich als Jesus verbreitete, machte ihn weltweit zum Gespött. Der ehemalige CIA-Chef John Brennan bezeichnete ihn als «eindeutig geisteskrank». Als die Kritik immer umfangreicher wurde, löschte er das Bild und sagte, er habe sich als helfenden Arzt darstellen wollen. Der Schaden war angerichtet. Die Welt lachte ihn aus. Zwei Tage später publizierte er auf seiner Truth-Social-Plattform ein weiteres Bild, das ihn neben Jesus zeigt.

Jesus, Trump
(Foto: © Donald Trump, Truth Social)

Vizepräsident JD Vance sagte, der Papst solle sich «auf moralische Fragen beschränken» und es dem «Präsidenten der Vereinigten Staaten überlassen, die öffentliche Politik zu definieren“» Und in einer weiteren Stellungnahme ging er so weit zu sagen, der Papst müsse «vorsichtig sein, wenn er über Theologie spricht».

War es klug von Trump und Vance, sich mit dem Vatikan anzulegen? War es klug, blasphemische Bilder zu publizieren? Zwanzig Prozent der US-Bevölkerung bekennen sich zum Katholizismus. Das sind etwa 70 Millionen Menschen. Etwa 45 Millionen von ihnen sind wahlberechtigt.

Ausschlaggebende Katholiken?

Trump ist nicht nur wegen des für ihn ungünstig verlaufenden Krieges im Iran angeschlagen. Es läuft zurzeit eher schlecht für ihn. Die Iraner spielen mit ihm. Im Herbst finden Midterm-Wahlen statt. Verlieren die Republikaner eines oder beide Häuser des Kongresses, wird Trumps Macht radikal eingeengt.

Meinungsumfragen sagen voraus, dass die Republikaner (Stand: heute) mindestens das Repräsentantenhaus verlieren. Da ein enges Rennen erwartet wird, könnten die Millionen katholischer Wählerinnen und Wähler ausschlaggebend sein – sie, die es nicht mögen, dass Trump auf ihrem Papst herumtrampelt.

Nachtrag

CNN meldet am Sonntag, dass Trump «diese Woche an einer öffentlichen Bibellesung» teilnehmen wird.

«Am 21. April soll Präsident Trump um 18 Uhr EST per Videobotschaft aus dem Oval Office aus der Bibel vorlesen, heisst es in einer Pressemitteilung der Organisatoren.» Die Veranstaltung trägt den Titel «America Reads The Bible».

 

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