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Oper

«Giulio Cesare» in Zurigo

15. März 2026
Annette Freitag
Giulio Cesare
Giulio Cesare in Egitto, Oper von Georg Friedrich Händel. Die Inszenierung am Opernhaus Zürich von Davide Livermore wurde bei der Premiere stürmisch gefeiert.

Jubel und viel Applaus bei der Premiere – und ebenso gute Laune beim Ensemble auf der Bühne: Händels Barockoper «Giulio Cesare in Egitto» gibt einen Vorgeschmack auf das neue Barock-Festival des Zürcher Opernhauses, das künftig jedes Jahr vor Ostern stattfinden soll.

In der Barockmusik kennt er sich aus, und in Georg Friedrich Händels Oper «Giulio Cesare in Egitto» natürlich auch. Die Rede ist von Max Emanuel Cenčić, einem der besten Countertenöre auf den Opern- und Konzertbühnen. Und jetzt ist er auch in Zürich dabei, in der Rolle des Tolomeo. Und an der Seite von Cecilia Bartoli.

Relativ neu ist hingegen für ihn die Bühne des Zürcher Opernhauses. «Es ist tatsächlich meine erste Opernproduktion hier», sagt er. «Ich hatte aber einmal ein Solokonzert hier», fügt er gleich bei, «das ist aber schon acht Jahre her.»

Und nun: Riesenjubel bei der Premiere von «Giulio Cesare in Egitto» in Zürich. Man befindet sich auf einem Nildampfer, Palmen und das Flussufer ziehen gemächlich am Schiff vorüber, aber an Bord geht es hoch her zwischen Cäsar und Cleopatra, verkörpert von Cecilia Bartoli. 

In verschiedenen Rollen zuhause

Max Emanuel Cenčić kennt das Werk aus verschiedenen Blickwinkeln. «Den Tolomeo habe ich schon in Genua und verschiedenen anderen Produktionen gesungen. Aber auch den Sesto, und zwar in Lausanne.» Hat er da vielleicht eine Vorliebe für die eine oder die andere Rolle, fragt man sich. «Ich bin wertfrei», sagt er sofort. «Ich konzentriere mich auf die jeweilige Rolle. Es sind ja auch immer ganz unterschiedliche Regiekonzepte und die gleiche Rolle kann in verschiedenen Inszenierungen völlig anders ausfallen.»

Max Emanuel Cenčić
Der Countertenor Max Emanuel Cenčić in der Rolle des Tolomeo (Foto: Laura Chapman)

In der Inszenierung, die nun in Zürich aufgeführt wird, ist Cenčić sozusagen zuhause. «Wir haben das ja eigentlich für Monte Carlo gemacht und als Ko-Produktion auch an der Wiener Staatsoper. Dieser ‚Giulio Cesare‘ läuft schon seit zwei Jahren und ich war immer dabei. Aber jede Bühne hat andere Dimensionen und Distanzen, da muss man auch das Regie-Konzept anpassen.»

Auch die Zusammenarbeit mit Cecilia Bartoli in einer Opernproduktion ist für Cenčić eine Premiere. «Aber wir haben natürlich schon zusammen Konzerte gegeben. Und Cecilia hat mich auch immer wieder nach Salzburg eingeladen, wo sie ja die Pfingstfestspiele leitet. So hat sich dann die Zusammenarbeit für ‚Giulio Cesare‘ ergeben. Es ist immer eine Ehre, mit ihr zusammen auf der Bühne zu stehen», sagt er und strahlt.

Karrierestart mit sechs Jahren

Als Sohn eines Zagreber Dirigenten und einer Opernsängerin ist Cenčić bereits sehr früh mit Musik in Kontakt gekommen. Schon mit sechs Jahren schmetterte er die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte in einer Fernsehshow. Später war er Mitglied und Solist bei den Wiener Sängerknaben. Es folgten Auftritte auf internationalen Bühnen und viele Auszeichnungen.

Seit 2020 ist Cenčić auch selbst Leiter eines Festspiels und es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass er das schönste aller Opernhäuser bespielen darf: das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, eine der besterhaltenen Theaterbauten und inzwischen Unesco-Weltkulturerbe, über das er auch gern spricht.

«Innerlich sucht man als Künstler immer so eine Art geistige Heimat, ein Podium, auf dem man seine Ideen verwirklichen kann», sagt er. Dass er dann aber dieses Prachtstheater gefunden hat, war ein ausgesprochener Glücksfall. Für ihn – aber auch für das Theater, das seither seine barocke Pracht auch akustisch wieder voll entfalten kann. 

«Das Markgräfliche Theater war zehn Jahre geschlossen», erzählt er. «Bei der Wiedereröffnung 2018 wollte man eine Oper von Johann Adolph Hasse zeigen, denn damals bei der Einweihung 1750, hatte man ebenfalls ein Werk von Hasse gespielt.»  Aber es gab niemanden, der sich in neuerer Zeit mit Hasse beschäftigt hatte. Ausser Max Emanual Cenčić! «Ich hatte die Oper ‚Siroe‘ in meinem Repertoire, eine Produktion die sehr erfolgreich auf Tournee war. So hat man mich gebeten, nach Bayreuth zu kommen und ‚Siroe‘ zur Eröffnung szenisch aufzuführen.»

Konkurrenz durch Wagner?

Das war natürlich ein absolutes Kontrastprogramm zu Richard Wagner, der ebenfalls in Bayreuth auf dem grünen Hügel sein Festspielhaus erstellt hatte und seither fast schon zum Synonym für Bayreuth geworden ist. Seit der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses leitet Cenčić nun im Sommer sehr erfolgreich ein Barockfestival. «Es ist eigentlich mehr als ein Festival», meint er, «es ist eine Entdeckungsreise, wir haben ein unbekanntes Barockopern-Repertoire, das man sonst nirgends sieht und hört.» Eine Konkurrenz ist Wagner allerdings nicht. Im Gegenteil. «Wir profitieren davon, denn Bayreuth ist durch Wagner eine Marke geworden.»

Cenčić’ Beziehung zu Wagner ist ansonsten begrenzt. «Als Kind habe ich ein paarmal im ‚Parsifal‘ mitgesungen, mehr gibt’s nicht. Ich bin im Barock zuhause. Mein Repertoire liegt zwischen 1650 und 1750. Rossini habe ich mal gesungen und in Lausanne auch inszeniert, ansonsten konzentriere ich mich total auf Barock.»

Seine Stimmlage als Counter-Tenor könnte aber doch auch für zeitgenössische Musik interessant sein? Cenčić winkt ab. «Das mag ich nicht so. Ich bin ein schlechter Notenleser», sagt er lachend. «Ich brauche die Melodie und Musik, ich bin nicht jemand der singt und zählt, und bei zeitgenössischer Musik muss man so viel zählen.»

Und was macht er in Zürich, wenn er nicht gerade mit Cecilia Bartoli auf der Bühne steht und als ‚Tolemeo‘ Händels wunderschöne Arien singt? «Auftritte auf der Bühne kosten viel Energie. Wenn ich einen freien Tag habe, versuche ich, überhaupt nichts zu tun.»

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