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Kommentar 21

Genug ist genug

15. Juni 2017
Christoph Kuhn
Donald Trumps Tweets, Angela Merkels Schwammigkeit und Theresa Mays Leerformeln geben vage Signale statt klare Aussagen.

Hört man den ranghöchsten Politikern und Politikerinnen der Welt zu, dann kann es einen schon wundern, was die an interpretationsbedürftigem Gemauschel oder barem Unsinn von sich geben. Inspiriert sie der Kurzsatz-Schwadroneur im Weissen Haus, der mal mit kalkuliertem Risiko, mal rein emotional und fahrlässig formuliert?

Kryptische Rhetorik brachte Freund und Feind ins Rätseln, als die deutsche Kanzlerin in einem bayrischen Bierzelt orakelte: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei.“

Gemeint als Zeitveränderer war natürlich Trump. Aber auf welche „anderen“ konnte man sich denn früher „völlig verlassen“? Vielleicht auf Obamas Nachrichtendienste, die es für vertrauensfördernd hielten, das Handy der befreundeten Kanzlerin auszuspionieren? Und wie geht das, dass Zeiten „ein Stück vorbei“ sein sollen?

Von allen guten Geistern verlassen muss, wenige Tage nach Merkel, die britische Premierministerin Theresa May gewesen sein. Nach dem Terroranschlag in London trat sie ans Stehpültchen vor dem Eingang von Downing Street 10 und schmetterte ins Mikrophon: „Enough is enough!“

Eine Leerformel, in der gegebenen Situation vollständig unangebracht. Denn erstens dürften potentielle Terroristen die Letzten sein, die sich von einer Massregelung oder Drohung im Schulmeisterton beindrucken lassen. Und zweitens kann man in Zusammenhang mit Terroranschlägen keinesfalls das Wort „genug“ benutzen. Jeder Anschlag ist doch einer zu viel! Wer will denn da bestimmen, wann es genug, noch nicht genug, mehr als genug ist?

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