Die dritte Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran ist zu Ende – sie endete nicht mit dem befürchteten Eclat, also dem Beginn eines amerikanischen Angriffs auf Iran, sondern mit einer Einigung auf die Fortsetzung der Diplomatie auf «technischer Ebene». Das ist eine gute Nachricht im Rahmen des Möglichen.
Über den Verhandlungen und den Kriegsdrohungen zwischen den USA und Iran schwebte allerdings von Anfang an eine Wolke von Irrationalität. Da steht einerseits die Frage im Raum, weshalb denn die Vereinigten Staaten mit Iran überhaupt über das Atomprogramm verhandeln – schliesslich beharrt Donald Trump ja auf seiner «Analyse», dass alle iranischen Atomanlagen samt dem angereicherten Uran durch die Angriffe der US-Luftwaffe im Juni 2025 vernichtet worden seien. Allerdings: Wäre es so, gäbe es gar keinen Verhandlungsgegenstand.
Für die Gegenseite, also für Iran, drängt sich die Frage auf, weshalb sich das Regime derart in das Thema der Atomtechnologie verbissen hat, dass es dafür einen Krieg mit der Supermacht Amerika in Kauf nehmen würde. Einen Krieg, der nicht nur das Regime erschüttern, sondern auch Tausenden seiner Bürgerinnen und Bürger das Leben kosten würde.
Auf der Seite der USA lässt sich die Irrationalität auch noch so verordnen: Man hatte, zwischen 2015 und 2018, ein Abkommen, das genau das garantierte, was die Trump-Administration jetzt angeblich so schmerzlich vermisst: eine Verpflichtung der iranischen Führung nämlich, die Urananreicherung so zu begrenzen, dass Iran kann keine Atombombe entwickeln konnte.
Doch Donald Trump hat das Abkommen noch während seiner ersten Amtszeit zerrissen, obwohl sich die Iraner in den drei Jahren vor 2018 detailgenau an die entsprechenden Verpflichtungen gehalten hatten. Nach dem Ausstieg der USA fühlten sich die Herrscher in Teheran an keine Beschränkungen mehr gebunden. Sie begannen mit der Anreicherung von 400 Kilogramm Uran auf bis zu 60 Grad. War das nun lediglich eine Trotzreaktion, oder ein Hinweis darauf, dass Iran, allen Beteuerungen der Staatsführung zum Trotz, eben doch eine Atombombe entwickeln will?
Amerikanischer Druck auf Iran
Donald Trump begründete seine Handlungsweise damals so: Das Abkommen, ausgehandelt von Barack Obama, sei wertlos, weil es den Iranern keine Beschränkung für die Raketenrüstung auferlegte. Das war zwar zutreffend, aber im Abkommen von 2015 wurde mit keiner Silbe eine solche Forderung erhoben. In der Folgezeit investierte Iran tatsächlich viel in die Raketenaufrüstung und ebenso in die Armeen seiner nicht-staatlichen Verbündeten, also Hizbollah in Libanon, die Milizen in Irak, das syrische Militär, Hamas und die Huthi in Jemen. All diese Aktivitäten wurden aus israelischer Perspektive als Bedrohung empfunden.
Als Donald Trump vor jetzt etwas mehr als einem Jahr seine zweite Amtszeit antrat, versprach er dem israelischen Premier, dass die USA den Druck auf Iran massiv verstärken würden. Im Juni 2025 kam er mit einer Blitzaktion seiner Luftwaffe Israel in dessen 12-Tage-Krieg gegen Iran zu Hilfe und zog auch danach die Daumenschrauben immer mehr an. Im Dezember 2025 verhängte er Sanktionen gegen alle Unternehmen und Drittstaaten, die mit Iran Handelsbeziehungen unterhielten.
Der Export von iranischem Öl zum Beispiel nach China ging danach zurück, und so wurde den Iranern der Zugriff auf Devisen (vor allem auf US-Dollars) immer mehr erschwert, was einer der auslösenden Faktoren für die landesweiten Protestwellen im Januar war. Als das iranische Regime Tausende von Demonstranten und Demonstrantinnen umbringen liess, versprach Trump Hilfe: «help is under way». Davon sahen die Menschen in Iran allerdings nichts.
Anstelle von Hilfe für die Unterdrückten begann die Trump-Administration mit dem Aufbau einer militärischen Drohkulisse unter anderem mit zwei Flugzeugträgern und stellte das Regime Teherans vor ein Ultimatum: Deal oder Krieg. Mit Deal war gemeint: ein neues Atom-Abkommen. Das ist zwar eigentlich unlogisch, denn Trump beharrt ja, wie erwähnt, darauf, dass das ganze Atomarsenal Irans durch den US-amerikanischen Blitz-Angriff vom Juni 2025 vernichtet worden sei. Also: wenn es all das nicht mehr gibt, weshalb und worüber soll dann ein Deal gemacht werden?
Dilemmas auf beiden Seiten
Bei der jüngsten Verhandlungsrunde musste die amerikanische Delegation zwei sehr unterschiedliche Interessensphären berücksichtigen: US-Präsident Trump ist ja nicht nur gegenüber Israel verpflichtet, sondern aufgrund finanzieller und wirtschaftlicher Verflechtungen auch gegenüber den reichen arabischen Staaten, konkret: gegenüber Saudiarabien, Qatar und den Emiraten. Und die warnten mit Nachdruck vor einer Eskalation. Denn ein Krieg zwischen US-Truppen und Iran (dem sich sehr wahrscheinlich Israel anschliessen würde) könnte, so die einhellige Beurteilung in Riad, Doha und Abu Dhabi, die ganze Region ins Chaos stürzen. Und ausserdem: Würde das iranische Regime in eine existenzbedrohende Lage versetzt, würde es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Meeresenge von Hormuz blockieren und damit die Lebensader aller Länder um den Persischen Golf abschnüren.
Im Dilemma befinden sich aber nicht nur die USA aufgrund ihrer Verpflichtungen gegenüber Israel einerseits und den arabischen Golfanrainern anderseits. Im Dilemma stecken auch die Iraner. Nüchtern betrachtet, könnten sie problemlos auf den grössten Teil ihres Atomprogramms verzichten. Das für die Forschung und für medizinische Zwecke notwendige Uran könnten sie aus dem Ausland erwerben. Auf die Frage, wofür sie die ominösen 400 Kilogramm auf 60 Grad, also auf fast waffenfähiges Konzentrat, angereichertes Uran wirklich benötigen, haben sie nie eine schlüssige Antwort gegeben. Was natürlich den Verdacht nährt, dass sie eben doch, allen Beteuerungen vonseiten Ayatollah Khameneis zum Trotz, die Entwicklung einer Atombombe anstreben.
Doch Verdächtigungen hin oder her, die USA wollen nun mit Iran die indirekten Verhandlungen um mindestens eine Runde weiterführen. Fazit: Die Hoffnung stirbt zuletzt.