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Crans-Montana

Genau nach Drehbuch

18. Januar 2026
Alex Bänninger
Beatrice Pilloud
Beatrice Pilloud (Keystone/Jean-Christophe Bott)

Was sich die Walliser Staatsanwaltschaft nach dem Inferno in Crans-Montana an wahrhaftig aschgrauen Versäumnissen vorwerfen lassen muss, beruht auf einem Drehbuch. Keine Alarmglocke schrillte.

Als die jetzige, 2023 gewählte Generalstaatsanwältin, Beatrice Pilloud, ihr Amt antrat, erachtete es die Kantonsregierung als zwingend, die arg durchgeschüttelte und heftig attackierte Staatsanwaltschaft strukturell zu erneuern, die internen Befugnisse zu klären und personell schrittweise zu stärken. Ziel war es, die Verfolgung von Verbrechen und Vergehen als Kernaufgabe zu priorisieren und eine einheitliche Verbrechensbekämpfung zu gewährleisten. Der eiserne Besen, mit dem die Regierung aufräumen wollte, zeigt das Ausmass der staatsanwaltlichen Misswirtschaft. Ihr Ende ist fern. 

Lob der Brillanz

Aufschlussreich ist ein Interview, das Beatrice Pilloud im März 2024 der Newsletter-Redaktion der Walliser Kantonspolizei gewährte, als PR-Aktion in eigener Sache nutzte und die regierungsrätliche Lagebeurteilung forsch relativierend. Die Generalstaatsanwältin beklagte bitterlich den Imageverlust ihrer Behörde, obwohl diese eine «hervorragende Arbeit» leiste, was «nicht genug hervorgehoben» werde. Das Augenmerk richte sich auf wenige Pannen und nicht auf die überwiegend brillante Tätigkeit. Selbstverständlich sei «das «Vertrauen wieder herzustellen», was «nur über Kommunikation» gelinge, «die im Zeichen der Untersuchung» stehe. «Das ist eine Verpflichtung.» 

Sicher. Aber die Willensbekundung für eine zeitgerechte, umfassende und transparente Information klingt anders. Schwurbelig formuliert ist ebenfalls das Ziel, «der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln». Falsch. Auf die Garantie der Sicherheit kommt es an, nicht auf den Glauben. Er herrschte fatalerweise vor und ersetzte die strengen Brandschutz-Kontrollen. 

In den Wind geschlagen

Die Staatsanwaltschaft habe, so deren Chefin weiter, «das Gesetz» zu beachten, «während die Polizei den Sachverhalt ermitteln muss, indem sie alle objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale prüft. Danach ist es unsere Pflicht, diese anzuwenden». Und vorher würde die Pflicht gelten, die polizeilichen Ermittlungen zu überwachen und bei Mängeln sofort zu intervenieren.

Als primäre Herausforderung nannte Beatrice Pilloud, «das Image der Staatsanwaltschaft wiederherzustellen». Ja, jedoch mit Taten und nicht mit Schönfärberei. Auf die Frage nach einem inspirierenden Zitat lautete die Antwort: «Eine eiserne Faust in einem Samthandschuh». Das veranschauliche «die Kombination aus Festigkeit und Sanftheit, eine Solidität, die nicht auf Freundlichkeit und Respekt verzichtet».

Nach dem verheerenden Neujahrstag in Crans-Montana wissen wir aufs Himmeltraurigste, was Image-Politur, Freundlichkeit, Respekt und Samthandschuhe anrichten: Ein rechtsstaatlich inakzeptables Chaos zu Lasten der Opfer und ihrer Angehörigen. Genau nach Drehbuch. Es war als Warnung öffentlich einsehbar und wurde in den Wind geschlagen. 

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