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Kommentar21

Flüchtlinge und Krieg

23. April 2015
Stephan Wehowsky
Wann beginnt ein Krieg und woran erkennt man ihn?

Heute beginnen Konflikte ohne markanten Auftakt, und die Kriegführung ist verdeckt. Selbst Soldaten sind als solche kaum noch kenntlich. Die Kriegsfolgen aber sind die gleichen wie eh und je. Dazu gehören Flüchtlingsströme.

Diejenigen, die derzeit über das Mittelmeer nach Europa strömen, sind keine Migranten, denen es irgendwann eingefallen wäre, dass es sich in Europa schöner lebt als in ihren Heimatländern. Vielmehr handelt es sich um Menschen, die direkt und indirekt durch Kriege in die Flucht geschlagen werden.

Wir Europäer haben es also mit Kriegsfolgen zu tun. Zusätzlich bedrohen uns terroristische Anschläge, und keiner weiss, was noch aus den Scharmützeln um die Ukraine entstehen kann. Es wird Zeit, dass wir uns auch mental auf Krieg einstellen. Für Zivilisten wie uns bedeutet das die Überprüfung liebgewordener Gewohnheiten und Denkmuster. Früher sprach man pathetisch von Opferbereitschaft. Heute müssen wir lernen, in den Flüchtlingen unsere Aufgabe in einer kriegerischen Welt zu sehen. Das ist keine Aufgabe, die man vertagen oder gleich ganz liegenlassen kann.

Navid Kermani, Iraner und Deutscher, ist ein vielbeachteter Orientalist und Schriftsteller. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat er an prominenter Stelle einen Beitrag unter dem Titel, „Warum Europa uns jetzt braucht“, veröffentlicht. Darin kommt er zu dem Schluss, dass in den letzten Jahren Toleranz und Hilfsbereitschaft trotz gegenteiliger Tendenzen gewachsen seien. Es gehe darum, mit den Flüchtlingen „die europäische Idee zu retten“. Das erfordert Opfer, mentale und materielle. Aber sie sind dem Ernst der Lage angemessen.

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