Montag, 23. März, 24. Tag des von den USA und Israel gegen Iran entfachten Kriegs: Die globale Wirtschaft schien kurz vor einem beispiellosen Absturz. Donald Trump hatte den iranischen Revolutionswächtern ein Ultimatum gesetzt: Entweder ihr öffnet die Meerenge von Hormuz für die internationale Schifffahrt vollumfänglich, oder wir bombardieren eure ganze Energie-Infrastruktur in Grund und Boden. Weltweit stürzten die Börsen ab, überall schnellten im Gegenzug die Preise für Öl, Gas und Düngemittel rasant in die Höhe. Eine weltweite Krise und Rezession schien in greifbarer Nähe.
Kurz nach Mittag kam die Wende: Trump verkündete sozusagen aus dem Nichts heraus, die Führungen beider Länder hätten miteinander «sehr gute» Gespräche über ein Ende der Feindseligkeiten geführt und er, Trump, habe zugesagt, während fünf Tagen keine Angriffe gegen Iran mehr zu führen.
Die iranischen Revolutionswächter reagierten eher konsterniert als positiv überrascht. Niemand aus der gegenwärtigen Führung habe mit der US-Regierung irgendwelche Kontakte gehabt, erklärte das Aussenministerium gemäss der Agentur Fars. Und liess somit offen, ob Iran seinerseits nun auf Angriffe gegen Ziele in Israel oder in der arabischen Nachbarschaft verzichten werde. Auch aus Israel gab es vorerst keine offizielle Reaktion. Was zur Frage führt, ob Netanjahu den Krieg gegen Iran ohne US-Schützenhilfe weiterführen will oder nicht.
Atempause
Trumps abrupte Kehrtwende hat zumindest allen Beteiligten eine Atempause verschafft. Wie es weitergeht, bleibt Gegenstand von Spekulation: Werden die Iraner nun die Meerenge von Hormuz für den Schiffsverkehr wieder vollumfänglich öffnen oder nicht? Wird nach fünf Tagen die Drohung einer grossen Eskalation des Kriegs wieder neu im Raum stehen?
Im besten Fall werden sich beide Seiten, also die USA und die Führung Irans, als Sieger darstellen. Der US-Präsident wird erklären, seine Streitkräfte hätten alle Kriegsziele erreicht, vor allem die Zerstörung der iranischen Raketen-Rüstung und die Vernichtung des Atompotentials Irans. Und, fern jeglicher Realität, die USA hätten die Voraussetzungen geschaffen, dass die Zivilgesellschaft Irans ihre Geschicke in die eigenen Hände nehmen könne. Israels Premier Netanjahu kann sich «rühmen», die oberste Führungsriege der islamischen Republik eliminiert zu haben – aber er wird wohl auch schon zur Kenntnis genommen haben, dass dieses System nicht davon abhängt, ob einzelne seiner Repräsentanten noch am Leben sind oder nicht. Wird ein Spitzenvertreter umgebracht, findet sich ein Stellvertreter, und allenfalls eben ein Stellvertreter des Stellvertreters.
Grundlos entfachter Krieg
Die iranischen Revolutionswächter werden erklären, sie hätten die amerikanischen und die «zionistischen» Feinde in die Schranken gewiesen – und sie können darauf hinweisen, dass das System Irans, die Islamische Republik, den Konflikt überstanden habe.
Aber nichts kann darüber hinwegtäuschen, dass das ein sinnloser und grundlos entfachter Krieg war oder weiterhin ist. In Iran starben mindestens 1500 Menschen, mehrere tausend wurden verletzt, zehntausende haben ihre Behausung verloren. Und im parallel dazu entfachten Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hizballah kamen weitere tausend Menschen ums Leben und hunderttausende wurden zu Flüchtlingen. Die Todesopfer in Israel werden zur Zeit mit rund 30 beziffert, jene der Verletzten mit mehr als 200. Die USA verpulverten täglich mehr als eine Milliarde (vielleicht sogar zwei Milliarden) Dollar in diesem Konflikt, die materiellen Kosten für Israel und für Iran dürften sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen.
Kein vernünftig denkender Beobachter kann erklären, dass sich das alles für irgendeine Seite gelohnt hätte.