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Venezuela

Die USA nehmen Maduro im Schlafzimmer gefangen

3. Januar 2026
Heiner Hug
Maduro
Mit verbundenen Augen: Maduro auf der USS Iwo Jima (Foto: Trump/Truth Social)

Die USA haben den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro gefangengenommen und ausser Landes gebracht. Dies erklärt Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social. Er spricht von einer «brillanten Operation». Trump sagte an einer Medienkonferenz: «We are going to run the country.»

Maduro und sein Frau Cilia Flores wurden laut CNN während einer Razzia von US-Eliteeinheiten aus ihrem Schlafzimmer herausgezerrt und festgenommen. Trump sagte in einem Interview mit Fox News, einige Amerikaner seien verletzt worden, als ein Helikopter während der Operation getroffen wurde. Die Aktion sei seit Dezember «sorgfältig geplant» worden. Der Aufenthaltsort Maduros sei in den letzten Tagen genau überwacht worden, erklärten Quellen, die über die Operation informiert waren, gegenüber der New York Times. Offenbar verfügte die CIA über eine Quelle innerhalb der venezolanischen Regierung. Trump erkklärte, die USA hätten Maduro töten können.

Gemäss Trump befinden sich Maduro und seine Frau an Bord der USS Iwo Jima auf dem Weg nach New York. Dort würde sich der Festgenommene vor einem Bundesgericht in Manhattan wegen Drogen- und Waffenhandels verantworten müssen. 

Venezuelas Aussenminister erklärte inzwischen, Maduro bleibe weiterhin Staatschef. 

Das Oberste Gerich in Venezuela ordnete an, dass Vizepräsidentin Delcy Rodríguez die Führung des Landes interimistisch übernimmt. 

Delcy Rodríguez
Vizepräsidentin Delcy Rodríguez (Keystone/AP/Ariana Cubillos)

Was geschieht jetzt?

Trump sagte an einer Medienkonferenz am Samstagabend (MEZ), die USA würden jetzt auf unbestimmte Zeit «das Land Venezuela» regieren. Dies geschehe so lange, bis «ein angemessener und vernünftiger Übergang» stattfinde. Weitere Details gab er nicht bekannt. 

Machado will Edmundo González

Die venezolanische Oppositionsführerin und Nobelpreisträgerin María Corina Machado fordert, dass Edmundo González Urrutia als Präsident eingesetzt wird. Er war von Machado bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Juli 2024 als Oppositionskandidat aufgestellt worden und hatte nach verlässlichen Informationen die Wahl gegen Maduro klar gewonnen. Maduro jedoch bog das Ergebnis zu seinen Gunsten um. Machado hätte bei den Präsidentschaftswahlen nicht kandidieren dürfen und schob deshalb ihren Gesinnungsgenossen Edmundo González vor.
 

Edmundo González Urrutia
Edmundo González Urrutia mit der Oppositionspolitikerin Maria Corina Machado während des Wahlkampfs 2024 (Keystone/ AP/Matias Delacroix)

Anklageschrift veröffentlicht

Inzwischen hat das amerikanische Justizministerium eine neue Anklageschrift gegen den inzwischen gestürzten venezolanischen Machthaber, seine Frau und deren Sohn veröffentlicht. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Maduro und seine Verbündeten hätten venezolanische Institutionen «zu einer Brutstätte für Korruption» gemacht, erklärte das Justizministerium. Diese Korruption «füllt die Taschen venezolanischer Beamter und ihrer Familien und kommt gleichzeitig gewalttätigen Drogenterroristen zugute, die ungestraft auf venezolanischem Boden operieren und dabei helfen, Tonnen von Kokain zu produzieren, zu schützen und in die Vereinigten Staaten zu transportieren», heisst es in der Anklageschrift.

Drogen als Vorwand?

Analysten erklären, Trump gehe es primär nicht um die Bekämpfung der Drogenkartelle, sondern um einen Zugriff auf das venezolanische Öl und Erdgas. Der Kampf gegen Drogen sei nur ein Vorwand. Das «Cartel de los Soles», dem Maduro  angehört haben soll, gebe es gar nicht. Zudem, so sind Lateinamerika-Spezialisten überzeugt, wolle Trump Mittel-, Südamerika und die Karibik (inklusive Kuba) wieder fest in den US-amerikanischen Machtbereich einbinden und den chinesischen und teilweise russischen Einfluss zurückdrängen. 

Explosionen in Caracas und anderswo

In der Nacht zum Samstag hatten die USA die Militärbasis Fort Tiuna in der Hauptstadt Caracas angegriffen. Videos zeigen eine enorme Explosion. Weitere Angriffe erfolgten in den Bundesstaaten Miranda, Aragua und La Guaira. Präsident Nicolás Maduro hatte daraufhin den Ausnahmezustand ausgerufen.

Caracas
Explosion in Caracas (Screenshot Journal 21/X)

Bei den amerikanischen Angriffen seien Beamte, Militärangehörige und Zivilisten im ganzen Land ums Leben gekommen, sagte Delcy Rodríguez, die venezolanische Vizepräsidentin. 

In den USA vor Gericht

Maduro werde sich in den USA vor Gericht verantworten müssen, zitiert CNN einen amerikanischen Senator, der mit Aussenminister Marco Rubio gesprochen hat. Rubio «teilte mir mit», sagte Senator Mike Lee aus Utah, «dass Nicolás Maduro von US-Beamten festgenommen wurde, um sich in den Vereinigten Staaten wegen strafrechtlicher Vorwürfe vor Gericht zu verantworten …» 

Am frühen Samstagmorgen hatte Lee noch Bedenken zur Festnahme geäussert. «Ich bin gespannt darauf zu erfahren, was diese Massnahme ohne Kriegserklärung oder Genehmigung zum Einsatz militärischer Gewalt verfassungsrechtlich rechtfertigen könnte.»

Nächtliches Gespräch mit Trump

Tyler Pager, ein Journalist der New York Times, rief Trump nach seiner Bekanntgabe der Festnahme von Maduro an. Hier Pagers Bericht:

«Präsident Trump klang müde. Es war kurz nach 4:30 Uhr am Samstagmorgen und 10 Minuten, nachdem er (Trump) in den sozialen Medien bekannt gegeben hatte, dass die Vereinigten Staaten Nicolás Maduro, den Führer Venezuelas, gefangen genommen hatten. Ich hatte den Präsidenten angerufen, um besser zu verstehen, was passiert war und wie es weitergehen würde. Nach drei Klingelzeichen nahm er ab und beantwortete einige Fragen.

Trump feierte zunächst den Erfolg der Mission. 

‹Viel gute Planung und viele grossartige, grossartige Soldaten und grossartige Menschen›, sagte er mir. ‹Es war tatsächlich eine brillante Operation.›

Ich fragte ihn dann, ob er die Zustimmung des Kongresses eingeholt habe, bevor das US-Militär zusammen mit Strafverfolgungsbeamten einen ‹gross angelegten Schlag› durchgeführt habe, wie er es in den sozialen Medien formulierte. 

‹Wir werden darüber sprechen›, sagte er. ‹Wir werden eine Pressekonferenz abhalten.›

Ich versuchte zu fragen, wie er sich die Zukunft Venezuelas vorstellt und warum die risikoreiche Mission es wert war.

‹Sie werden um 11 Uhr alles darüber erfahren›, sagte er, bevor er auflegte.

Das Gespräch hatte 50 Sekunden gedauert.»

«Die grösste Schande»

Venezuela «lehnt die militärische Aggression der USA ab, verurteilt sie und prangert sie an», hatte es in einer venezolanischen Regierungserklärung geheissen. «Alle sozialen und politischen Kräfte des Landes werden aufgefordert, Mobilisierungspläne zu aktivieren und diesen imperialistischen Angriff zu verurteilen.»

Ohne auf die Gefangennahme Maduros einzugehen, erklärte der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, dass der Angriff der USA am Samstag mit Raketen durchgeführt wurde. Gleichzeitig seien von Kampfhelikoptern Schüsse abgegeben worden. Ziel seien städtische Gebiete gewesen. Venezuela sammle nun Informationen über die Zahl der Toten und Verletzten. Weiter bestätigte er, dass die Militärbasis Fort Tiuna in Caracas angegriffen worden sei. Venezuela werde sich gegen die Präsenz ausländischer Truppen wehren. «Diese Invasion ist die grösste Schande, die das Land je erlebt hat», fügte er hinzu.

Maduro
Maduro mit seiner Frau Cilia Flores am Arm am 10. Dezember 2025 in Caracas (Keystone/AP/Christian Hernandez)

«Schäbiger Diktator»

Führende Berater Trumps drängten darauf, Maduro, einen erklärten Sozialisten, der Venezuela seit 2013 regiert, zu stürzen. US-Beamte bezeichnen ihn als illegitimen Führer und werfen ihm vor, Wahlen gefälscht zu haben und illegal an der Macht zu sein. Er stehe in Verbindungen zum Drogengeschäft.

Dass der jetzt festgenommene Maduro ein «schäbiger Diktator» war, der das Land ins Elend und acht Millionen Menschen in die Flucht getrieben hat, bestreiten nur wenige. Doch ob er der Anführer der Drogenkartelle war, wie die amerikanische Regierung behauptet, wird angezweifelt. 

Truppenkonzentration in der Karibik

Seit Ende August hat das Pentagon Truppen, Flugzeuge und Kriegsschiffe in der Karibik zusammengezogen, unter anderem den grössten Flugzeugträger der Welt, die USS Gerald R. Ford. Das US-Militär hatte zahlreiche kleine Schiffe angegriffen, von denen US-Beamte behaupteten, sie würden Drogen schmuggeln. Dabei sind mindestens 115 Menschen ums Leben gekommen. Ende Dezember führte die CIA einen Drohnenangriff auf eine Hafenanlage in Venezuela durch, von der aus Drogen verschifft würden.

Mehrere Analysten bezeichnen die Angriffe auf kleine Boote in der Karibik als «aussergerichtliche Tötungen», was mit dem Völkerrecht nicht vereinbar sei. Trump jedoch behauptet, die USA stünden im Krieg mit den Drogenkartellen, deshalb sei die Anwendung von Gewalt mit dem Kriegsrecht vereinbar.

Letzte Woche beschlagnahmten die USA drei venezolanische Tanker, die venezolanisches Rohöl nach Asien transportieren wollten. Der Export von Rohöl ist noch die einzige wichtige Einnahmequelle der am Boden liegenden venezolanischen Wirtschaft. 

Jubel

In Spanien und zahlreichen lateinamerikanischen Ländern, wo Hunderttausende venezolanische Flüchtlinge Zuflucht fanden, wurde der Sturz Maduros mit Freudenkundgebungen gefeiert.

Peru
Freude in Peru (Keystone)

(Mit Material von AP, CNN, New York Times)

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