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Demokratie am Ende?

Die nächste Weltordnung

8. März 2026
Christoph Zollinger
Christoph Zollinger
Hegseth, Vance, Trump
Verteidigungsminister Pete Hegseth, Vizepräsident JD Vance und Donald Trump nehmen auf der Dover Air Base Särge mit in Kuweit gefallenen amerikanischen Soldaten entgegen. (Keystone/AP/Martk Schiefelbein)

Der amerikanische Präsident Donald Trump, sein Vize JD Vance, dessen Förderer, der Milliardär Peter Thiel: Sie alle wollen die Welt retten. 

Damit meinen die drei: Die liberale Demokratie hat versagt, nun braucht es eine postliberale Ordnung. Was sie darunter tatsächlich verstehen – lesen Sie weiter.

Das «Trio Grande»

Ein Blick hinter die Kulissen der sichtbaren Weltpolitik offenbart «Be-Denkliches»*: Angefangen bei Peter Thiel, weltbekannter Milliardär (Vermögen: zwischen 19,6 Milliarden gemäss Forbes und 27,2 Milliarden Dollar gemäss Bloomberg), der das Christentum und die Bibel als visionäre Alternative zur dekadenten liberalen Demokratie sieht und sich als religiöser Denker aktiv an einer neuen, amerikanisch geprägten Weltsicht beteiligt. Thiel hat sein Vermögen u. a. mit PayPal, Palantir, Facebook gemacht.

*«Be-Denkliches» = gibt zu denken.

James David Vance (*1984), Amerikas Vize-Präsident – vormals Trumps Kritiker – wurde mithilfe von Thiels Millionen zum Senator, später Vize-Präsident. Heute plädiert Vance für eine amerikanische politische Religion. Dessen Freund und Vertrauter Curtin Yarvin (*1973) meint, Vance eigne sich in besonderem Masse als Kandidat für diese neue Ordnung, basierend auf Autorität und Erlösung anstelle von Gleichheit und Diskussion.

Schliesslich Donald Trump, Präsident der USA: In einem Interview mit der New York Times sagte er im Januar 2026, nichts könne ihn aufhalten ausser er selbst. Auf die Frage, ob es irgendwelche Grenzen für seine globale Macht gebe, antwortete er unverhohlen: «Ja, es gibt eine Sache: meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.»

Dieses «Trio Grande» will also die Welt retten.

Trumps Maga-Fans 

Offensichtlich gibt es in den Staaten eine wachsende Gruppe von «Maga-Mantra»-Fans («Make America great again») – Anhängern, die Trumps grossmundige Versprechungen als heilsgeschichtliche Botschaft verstehen. Wenn sich aber Heilsglaube als nationale Gesundungstheorie durchsetzt, «dann wird daraus leicht eine militante Weltreligion» (NZZ). Dieser Trend ist gefährlich. Die «Trumpismus-Fans» sind offensichtlich für irrationale Errungenschaften sehr empfänglich. Wenn sie in den USA immer stärker an Einfluss gewinnen, wird es ungemütlich, denn diese evangelikalisch orientierten Menschen «glauben» an ein Paradigma, das sich auf demokratiefeindliche und wissenschaftsignorante Theorien abstützt.

Dass sich dieser Trend immer stärker verbreitet, hängt sehr direkt mit jenem «Missionar» zusammen, der mit Millionen Dollar an Vorträgen landauf, landab das Publikum aufmuntert, sich zur Gruppe der «wahren» Amerikaner («von Gott ausgewählt») zu bekennen; Peter Thiel höchstpersönlich. Für seine Anhänger garantiert nur Trump eine gegenteilige Entwicklung zu jener der Europäischen Union, «einer untergehenden Zivilisation» (NZZ).

Was dahintersteckt     

In einem Interview erklärt Otto Kernberg (*1928), der international bekannte Psychoanalytiker, dass sich narzisstische Persönlichkeiten durch ein Gefühl der eigenen Grossartigkeit auszeichnen: «Vor allem in der Politik findet man bösartige Narzissten oder Personen mit Zügen davon: Wladimir Putin, aber auch Donald Trump …» (NZZ). Diese «Führer» halten sich offensichtlich für die Besten, Schönsten und Intelligentesten und sie wollen dafür auch bewundert werden. Kernberg, der am Strassenrand stand, als Hitler in Wien einmarschierte …

Heute ist auch in Westeuropa ein Trend zu verstärktem Nationalismus und zum Hang nach massenwahnartigen, paranoiden mythischen Politikern festzustellen. Dies ist ein schlechtes Omen für die inzwischen 80-jährige Nachkriegsfriedensordnung, der wir so viel zu verdanken haben. Auch gilt es die verklärten «harmlosen» Anfänge nationaler Überdehnung nicht zu übersehen: «Milch, natürlich aus der Schweiz», «Schweizer Fleisch», «mit Schweizer Alpenkräutern», suggerierend wohl, dass diese Artikel besser als ausländische seien?

Der Dealmaker und sein Basar, die Welt

Nicht erst seit eine Schweizer Delegation von Wirtschaftsbossen im Oval Office dem Dealmaker Geschenke zuhauf überbracht und dadurch prompt eine Reduktion des erst zuvor eingeführten Zollsatzes für die Schweiz von 39 auf 15 Prozent erwirkt hatte, stellen wir fest, dass hier offensichtlich neu das Gesetz «pay for access» eingeführt wurde. 

Diese Entwicklung – ermöglicht durch die Dominanz der Republikaner im Senat und im Repräsentantenhaus – ist wohl eine Nebenwirkung des oben erwähnten grenzenlosen Machtanspruchs Trumps bei der Etablierung seiner neuen Weltreligion. Reiner, brutaler Imperialismus.

Dazu gehört der amerikanische Coup in Caracas, wo dessen Diktator Nicolás Maduro gekidnappt und in den USA vorerst hinter Gitter gesteckt wurde. Auch wenn es gute Gründe dafür gibt: Was Maduro hier erfahren musste, das Vorgehen auf Geheiss von Trump, ist reine Machtpolitik – das Völkerrecht wurde ausgehebelt. Und jetzt warten wir gespannt darauf, wo auf der Welt der Präsident sich gemüssigt fühlen wird, korrigierend einzugreifen: Grönland, Kuba oder …? Doch Trumps reine Interessenpolitik ist undurchschaubar und die Folgen sind unberechenbar. Auch am Beispiel Venezuela lässt sich zur Stunde nicht absehen, wann die USA mit gutem Gewissen am Weissen Haus die Tafel montieren können: «Mission accomplished.» Denn alle wissen, dass es Trump nicht um demokratische Ideen in Caracas geht, sondern um den Zugang zum riesigen Erdölreichtum.

Und Europa, die Schweiz, wie weiter?

Dass der Imperialismus weltweit ein Comeback feiert, wissen wir spätestens auch seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Und dass die EU sich selbst in diesen bedrohlichen Zeiten nicht zusammenraufen und adäquate Reaktionen in die Wege leiten kann, sehen wir und bedauern das sehr. Denn auch die erklärten Ziele der Nato lösen sich im Nebel auf, wenn ein Trump – USA ist Mitglied der Nato – damit droht, die Insel mit Gewalt zu nehmen, Grönland, das zum Einheitsstaat Königreich Dänemark gehört, einem Nato-Mitglied …

Was braucht es noch, um die EU-Staaten aus dem Tiefschlaf zu wecken? Und die Schweiz? Was würde uns helfen bei einem Angriff auf unsere Souveränität – unsere «Neutralität», unsere Unabhängigkeit, unsere Armee? Es ist höchste Zeit, die emotional überhöhte SVP-Neutralitätsillusion zu entsorgen.

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler – seit vielen Jahren eine bewährte Stimme im globalen Politchaos – rät im Übrigen der Schweiz, «sich enger an einen einflussreichen Partner zu binden» (Tages-Anzeiger). Damit meint er dezidiert die EU.

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