(Keystone/AP/Allison Robbert)
Dienstag, 3. November 2026: Über dem Kapitol in Washington geht die Sonne auf. Der Tag wird in die Geschichte eingehen. Die Meinungsumfragen versprechen Donald Trump nichts Gutes.
Ein Wahllokal in Detroit, Michigan. Fast immer muss die Partei, die an der Regierung ist, bei den Midterm-Wahlen arg Federn lassen. Und jetzt? Wie stark werden die regierenden Republikaner einbrechen? Fünf Themen dominierten den Wahlkampf: Der Krieg im Nahen Osten, die Lebenshaltungskosten, Trumps Selbstbereicherung und Korruption sowie die Rechenzentren der Tech-Milliardäre. Auch die ICE-Abschiebungspraxis ging vielen Amerikanern und Amerikanerinnen zu weit. (Keystone/EPA/Sarah Yensel)
TEXAS
Der Sieg von James Talarico kündigt einen landesweiten blauen Tsunami an. Doch ebenso wichtig wie der Erfolg von James Talarico ist der Sieg von Gina Hinojosa, der Kandidatin für den texanischen Gouverneursposten. Sie hat den Oligarchen und Tech-Milliardären den Kampf angesagt. Elon Musk war ihr Hauptgegner. «Wir holen uns Texas zurück», erklärte sie immer wieder. Für Musk steht nun viel auf dem Spiel. Er zog 2020 von Kalifornien nach Texas, verlegte die Zentralen von Tesla und SpaceX hierher und baute grosse Produktionsstätten. Seine Unternehmen profitieren unter anderem von Steuernachlässen und Millionenzuschüssen. (Keystone/AP/Ashley Landis)
Zum letzten Mal hatte 1990 eine Demokratin in Texas die Gouverneurswahlen gewonnen. Und jetzt also Gina Hinojosa. Sie fordert einen Baustopp für Rechenzentren. Texas ist der zweitgrösste Bundesstaat der USA und hat sich zu einer weltweit führenden Region für Rechenzentren entwickelt. In der Bevölkerung wächst der Widerstand wegen des hohen Strom- und Wasserverbrauchs sowie möglicher Umweltschäden. «Wem gehört Texas», ruft sie, «dem Volk oder den Milliardären? Gehört Texas Elon Musk?» (Keystone/AP/Eric Gay)
MICHIGAN
Und es geht weiter. In Michigan gewinnt Abdul El-Sayed, ein Mediziner, die höchst umstrittenen Senatswahlen klar. El-Sayed, hier mit seiner Frau Sarah Jakuku, während seiner Siegesrede in Detroit, ist damit der erste muslimische Senator. Er gehört dem linken Flügel der Demokraten an und ist ein offener Israel-Kritiker. Trump verunglimpfte ihn als Jihadisten und Kommunisten. Erfolglos. (Keystone/AP/Julia Demaree Nikhinson)
HÄME IN IRAN
TRUMPS NEUER HAUPTGEGNER
An ihm werden sich Trump und die Republikaner die Zähne ausbeissen. Der 56-jährige Hakeem Jeffries, der im Januar vermutlich der erste afroamerikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses und damit der drittmächtigste Mann im Staat wird, gehört zu den aggressiven Trump-Gegnern und nimmt kein Blatt vor den Mund. Er, ein Moderater, hat nun die Aufgabe, die ideologisch völlig verschiedenen Strömungen in der demokratischen Partei zusammenzuführen. Das wird nicht einfach sein. (Keystone/EPA/Emily Curiel)
Chuck Schumer, der frühere demokratische Senatspräsidentent könnte dieses Amt nun wieder übernehmen. Mit 52 Sitzen haben die Demokraten wieder die Mehrheit im Senat errungen. «Die Zeiten, in denen der Senat Trump die Stiefel leckte, sind vorbei», sagt Schumer. Ihm wird vorgeworfen, als Minderheitsführer ab und zu mit den Republikanern paktiert zu haben. (Keystone/AP/Allison Robbert)
Je mehr Ergebnisse bekannt werden, desto mehr wird deutlich, dass die Republikaner und vor allem Trump eine saftige Klatsche erlitten haben. Grund sind nicht nur der Iran-Krieg und die steigenden Lebenshaltungskoten, sondern auch die Arroganz und der Grössenwahn eines irrlichternden egomanischen Präsidenten. Die Amerikaner und Amerikanerinnen wollen keinen Kaiser Nero, der sich über Recht und Gesetz hinwegsetzt. Es ist, als ob in dieser Wahlnacht die Wut und der Frust über ihren zügellosen, sich selbst bereichernden Präsidenten aufbrechen und sich in einen Freudentaumel verwandeln. (Keystone/EPA/Jim Lo Scalzo)
KANSAS
MINNESOTA
SOUTH CAROLINA
OHIO
LOS ANGELES
MAINE
TENNESSEE
GEORGIA
IOWA
ALASKA
DER TAG DANACH
Und wie reagiert der grosse Verlierer? Donald Trump besucht am Tag nach der Wahl die Baustelle des neuen Ballrooms im Weissen Haus und signiert Schutzhelme der Arbeiter. Zuvor sagte er, er werde mit den Demokraten zusammenarbeiten. Vor der Wahl hatte er noch erklärt, bei einer Niederlage werde er alles, was die Demokraten vorhätten, mit einem Veto blockieren. (Keystone/AP/Alex Brandon)
Trump am 5. November im Oval Office: müde, ausgelaugt. Der Lack ist ab. Der Trump-Kult neigt sich dem Ende zu. Doch es ist nicht anzunehmen, dass der Abgestrafte die Lektion dieser Wahlen verstanden hat. Als «lame duck» sieht er sich nicht. Er wird wohl weiterhin provozieren und die Welt in Atem halten. Vielleicht werde das verletzte Tier jetzt erst recht wie ein Wahnsinniger um sich schlagen, fürchtet ein Fernsehkommentator. (Keystone/Alex Brandon)
NICHTS GELERNT
Zwei Tage nach seiner Niederlage ernennt Trump den 41-jährigen Stephen Miller zum neuen Stabschef. Miller ist ein rabiater Ideologe und radikaler Xenophobe. Das Bild zeigt ihn (links) mit Marco Rubio am Freitag vor dem Weissen Haus in Washington. Mit der Ernennung Millers zeigt Trump, dass er seinen bisherigen brachialen Kurs fortsetzen will. Die Demokraten bezeichnen Miller als «Hassschürer». Chuck Schumer, der voraussichtlich Senatsmehrheitsführer werden wird, sagte, Trump habe «nichts aus seiner historischen Niederlage gelernt» und hätte «keine schlechtere Wahl treffen können», als Miller zu befördern. (Keystone/EPA/Aaron Schwartz)
Nach geschlagener Schlacht: Das Kapitol, Sitz des Senats und des Repräsentantenhauses. Werden die verschiedenen Flügel der demokratischen Partei sich jetzt zusammenraufen? Wird es ihnen gelingen, gemeinsam ein Rezept gegen den vom Sockel gestossenen Kaiser zu finden? Wie weit können die Demokraten Trump jetzt bremsen, zähmen und züchtigen? (Keystone/AP)