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Debatte zu dritt

Abhängig vom Dollar

5. November 2026
Tim Guldimann
Tim Guldimann
Debatte zu dritt

Das Vertrauen in den Dollar schwindet und die KI-Blase könnte platzen. Führt das zu einer Finanzkrise? Und können wir uns aus der Abhängigkeit vom Dollar lösen? – Tim Guldimann diskutiert mit Laura von Daniels und Harald Bänsch.

Bisher galt: Gerät das Finanzsystem ins Wanken, stellen die USA Liquidität bereit, und das Geld fliesst zurück in den Dollar. Ob das noch gilt und was eine Finanzkrise für den Euro bedeutet, diskutiert Tim Guldimann in der neuen Folge von Debatte zu Dritt mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Laura von Daniels von der Stiftung für Wissenschaft und Politik und mit Harald Bänsch, Leiter Treasury der N26-Bank.

Laura von Daniels sieht immer mehr Zeichen für einen Vertrauensverlust in die Institutionen der USA: «Wir sind jetzt an so einem Punkt, wo man die Warnsignale sieht. Aber es ist sicherlich noch zu früh zu sagen, da entsteht jetzt unmittelbar eine Krise.» Harald Bänsch scheut sich ebenfalls, von einer Dollarkrise zu sprechen. Bei den US-Staatsanleihen aber sieht er einen Vertrauensverlust: Internationale Anleger sind skeptischer geworden, China hat mehrere hundert Milliarden abgebaut.

Dazu kommt die KI. Nicht nur die Hyperscaler (Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta etc.) haben riesige Kredite aufgenommen für den Kauf von Chips zu horrenden Preisen. Harald Bänsch ist skeptisch: «Und ob das jemals zurückfliesst, das ist die grosse Frage.» Generell hat sich der KI-Sektor in den USA in einem immensen Ausmass verschuldet in Erwartung riesiger Gewinne. Der Erfolg ist unsicher, auch wegen chinesischer Konkurrenz. Darin liegen die Gefahren einer KI-Blase, die aus einem Börsencrash zu einer Kredit- und Finanzkrise eskalieren können.

Kommt beides zusammen, der Vertrauensverlust in den Dollar und eine platzende KI-Blase, droht nach Laura von Daniels eine Liquiditätskrise, ein «Perfect-Storm-Szenario». Und dann stellt sich für sie die Frage: «Wie viel Interesse hat dann so ein US-Präsident wie Donald Trump noch daran, den Rest der Welt zu retten?»

Für Europa heisst das: Was zu tun wäre, ist bekannt: Bankenunion, Kapitalmarktunion, ein Euro mit mehr Gewicht und vielleicht einmal eine Euro-Leitwährung als Alternative zum Dollar. Dafür braucht es nach Harald Bänsch aber deutlich mehr: «Europa müsste es schaffen, mit einer Stimme zu sprechen.»

Und das hat seinen Preis. Laura von Daniels erinnert an die Verteilungswirkungen eines stärkeren Euro, gerade für Deutschland als Exportnation. In früheren Krisen ist Europa zudem nicht zusammengerückt. Harald Bänsch: «In dem Moment, wo Krise ist, muss man zusammenstehen. Aber genau das Gegenteil ist doch passiert.» Es bräuchte einen Solidarpakt, damit Europa endlich lernt, «aus fünf Fingern eine Faust zu machen». Dass Europa politisch nicht geeint ist und die USA das ausnützen, ist für ihn «die Wurzel allen Übels».

Laura von Daniels sieht durchaus Vorbereitungen: Zentralbanker spielen Szenarien durch, in Ministerien und in der EZB wird darüber nachgedacht, wie sich im Krisenfall Liquidität bereitstellen lässt, aber «was fehlt aus meiner Sicht, ist der politische Wille oder die Führungsstärke.»

Wird also erst eine Krise der Motor sein, der Europa zum Aufwachen bringt? Harald Bänsch bleibt optimistisch: «Ich glaube, dass die Lernfähigkeit eben genau damit kommen wird, dass man realisiert, dass das eine Welt ohne Weltordnung ist und dass es den grossen Sheriff nicht geben wird.»

Guldimann
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Journal 21 publiziert diesen Beitrag in Zusammenarbeit mit dem Podcast-Projekt «Debatte zu dritt» von Tim Guldimann.

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