Nach der Tötung des Revolutionsführers Ali Khamenei blieb – trotz Ernennung seines Sohnes zum Nachfolger – bisher unklar, wer wirklich die oberste Machtposition innehat. Nun kommt der Name eines berüchtigten Radikalen ins Spiel: Mohammad Bagher Zolghadr.
Die Stelle selbst ist wie ein politischer Seismograph. Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats personifizierte immer das, was zu erwarten ist, Härte oder Geschmeidigkeit, Radikalität oder Pragmatismus. Im Inneren wie nach aussen. Ali Khamenei besetzte diesen Posten stets mit einem seiner engsten Vertrauten. Und man ahnte dann, woher der Wind weht.
Seit dem Tod Ali Larijanis bei einem israelischen Angriff stellte sich daher die Frage, wer dem Chefstrategen folgen und wer ihn bestimmen werde. Viele Quellen sagen, Mojtaba sei kaum handlungsfähig. Donald Trump bezweifelt sogar, dass er am Leben sei. In den letzten Tagen tauchten unterschiedliche Namen und Vermutungen auf, bis dann am Dienstagmittag ein Tweet des Regierungssprechers den Namen Mohammad Bagher Zolghadr bekanntgab. Wer ihn ernannt hat, blieb im Ungewissen. In Koordination mit dem «geehrten Führer», heisst es dort vielsagend.
Dieser Mann, der kaum in der Öffentlichkeit auftritt, verkörperte immer Unnachgiebigkeit in der Innen-.wie der Aussenpolitik. Der 71-Jährige gehörte zu den Gründern der Revolutionsgarden und deren Auslandsbataillon Qods, war seit Entstehung dieser «Republik» ausschliesslich für Sicherheitsfragen zuständig und achtete stets darauf, dass die Garden ihren Einfluss beibehielten oder sogar ausdehnten. Der Machtanstieg der Revolutionsgarde ist zwar ein stetiger, jahrzehntelanger Prozess, doch der laufende Krieg hat diesen Trend zweifellos verstärkt und die Kontrolle der Garden über das ganze Land beschleunigt.
Der Niederschlagung der Proteste im vergangenen Januar mit Tausenden von Todesopfern ging eine Entscheidung des nationalen Sicherheitsrats voraus, gestand Präsident Peseschkian. Bei allen Grossdemonstrationen, die in den letzten vier Dekaden blutig endeten, spielte Zolqadr eine Schlüsselrolle. Nach dem achtjährigen Krieg mit dem Irak war er acht Jahre lang Chef des Gemeinsamen Generalstabs der Revolutionsgarden und der klassischen Armee.
Während der Amtszeit des Reformpräsidenten Mohammad Khatami war er Oberbefehlshabers der Revolutionsgarden und gehörte zu jenen 24 Offizieren der Garde, die gemeinsam in einem offenen, scharf formulierten Brief dem Präsidenten drohten, seinen Kurs militärisch zu beenden, falls die Reformen weitergingen.
2006 gab Zolghadr ein Buch mit dem Titel «Der Untergang Israels» heraus, das er Ali Khamenei mit folgenden Worten widmete: «Mögen Sie jener tapfere Anführer der ‚Träger der Banner der östlichen Armee‘ sein, der uns (…) auf das Schlachtfeld des ‚grossen Epos‘ in Richtung Jerusalem führt, damit wir nach dem Tod von Israel ein Dankgebet mit Ihnen, Imam der Liebe, verrichten können. Friede sei mit Ihnen.»
Die Ironie der Geschichte besteht darin, dass Autor dieser Zeilen nun als bestimmender Mann im Nationalen Sicherheitsrat einer Beendigung des Kriegs mit Israel und den USA zustimmen muss, wenn seine «Republik» dem Krieg überstehen will.
Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass er auf Israels Todesliste steht.