Neun Tage nach der Flutkatastrophe in Nepal können zwei Arbeiter lebend aus einem Tunnel gerettet werden. Nach Angaben der Behörden befanden sich die beiden in dem von Schlamm- und Geröllmassen zugeschütteten Trishuli-3A-Wasserkrafttunnel in einer Tiefe von 170 Metern. Die nepalesische Armee veröffentlichte Bilder, die zeigen, wie Sanjay Shah, ein Vorarbeiter, aus dem kleinen, dunklen Tunneleingang gezogen wird. Er war mit Schlamm bedeckt, aber bei Bewusstsein. Seine erste Frage war: «Welcher Tag ist heute?»
Das Wasserkraftprojekt Trishuli-3A befindet sich in einer der am stärksten von den Überschwemmungen der vergangenen Woche betroffenen Regionen.
Neben Sanjay Shah wurde ein weiterer Mann, der als Kabir Maharjan, ein Projektleiter, identifiziert wurde, aus dem Tunnel geborgen.
Ein ranghoher Polizeibeamter bestätigte, dass während des Rettungseinsatzes eine Leiche gefunden wurde, deren Identität bislang nicht festgestellt werden konnte. Inzwischen wurde die Suche nach Überlebenden eingestellt, da keine weiteren Lebenszeichen zu vernehmen waren.
Sanjay Shah sagte, dass er sich zum Zeitpunkt der Überschwemmung im Kontrollraum des Tunnels aufgehalten habe, zusammen mit etwa 40 bis 45 weiteren Personen.
«Da ich im Kontrollraum war, bestand meine Verantwortung darin, das Leben aller zu retten», sagte er. «Nach einem solchen Unglück konnte ich nicht einfach selbst davonlaufen. Ich musste alle retten.» Nachdem ihm klar geworden sei, dass sich ein schwerer Unfall ereignet hatte, sei er durch den Tunnel gerannt und habe den Menschen zugerufen, sie sollten fliehen und sich in Sicherheit bringen. «Dadurch habe ich Zeit verloren. Am Ende konnte ich selbst nicht mehr hinaus», sagte er.
Um in der Dunkelheit des Tunnels ruhig zu bleiben, verbrachte Shah seine Zeit damit, Mantras zu rezitieren. Während seiner Gefangenschaft habe er die Stimmen von drei oder vier weiteren Menschen gehört.
Hirashova Maharjan, die Ehefrau des zweiten Geretteten, sagte, ihr Mann sei zunächst unter Schock gestanden und habe nicht gesprochen. Inzwischen habe er jedoch «ein paar Worte» gesagt. Er habe sie zunächst nicht einmal erkannt.
Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde kamen bei den Überschwemmungen mindestens 1’287 Menschen ums Leben. Mehr als 5’000 Menschen werden weiterhin vermisst.