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Wallis

Brandkatastrophe in Crans-Montana

2. Januar 2026 , aktualisiert
Crans-Montana
(Keystone/Alessandro Della Valle)

Mehr als 40 Tote hat die Brandkatastrophe am frühen Neujahrsmorgen in Crans-Montana gefordert. Dies bestätigte Mathias Reynard, der Präsident der Walliser Kantonsregierung am Freitagnachmittag an einer Medienkonferenz in Sion. Diese Zahl könnte sich laut Angaben der Behörden noch erhöhen, weil viele der 119 teils Schwerverletzten um ihr Leben kämpfen. 

Es handelt sich um eine der grössten Brandkatastrophen in der Schweiz. In der Bar, in der das Feuer am Neujahrsmorgen um 01.30 Uhr ausbrach, hatten sich etwa 200 Menschen befunden.

Die Verletzten wurden in verschiedene Spitäler gebracht. Allein im Wallis werden 60 Patienten und Patientinnen behandelt. Dutzende Brandopfer wurden in die Univerisätsspitäler nach Zürich (USZ) und Lausanne (CHUV) geflogen. Diese beiden Spitäler verfügen über spezialisierte Zentren zur Behandlung von Brandopfern. 

Viele der Verletzten, die Verbrennungen dritten Grades erlitten, würden um ihr Leben kämpfen, sagte am Freitag der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer. Die «schreckliche Bilanz» von 40 Todesopfern könne sich also noch verschlimmern. Bei Verbrennungen dritten Grades, bei denen über 15 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, bestehe ein erhöhrtes Riskio, Stunden nach dem Unfall zu sterben.

Im Lausanner Universitätsspital CHUV werden 22 Opfer mit schweren Verbrennungen behandelt. Bei vielen sind 60 Prozent des gesamten Körpers verbrannt, unter anderem auch der Kopf. «Als schwerwiegende Verbrennungen gelten bereits solche, die 10 Prozent der Körperoberfläche betreffen», sagte Wassim Raffoul, Chefarzt am Spital in Morges, gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS.

Alle Patienten in Lausanne konnten identifiziert werden, erklärt Claire Charmet, die Direktorin des Spitals. Die Prognosen für alle 22 seien kritisch. Verbrennungsopfer brauchen eine sehr lange Betreuung.

119 Verletzte, 113 identifiziert

Der Walliser Polizeikommandant Fréderic Gisler erklärt an der Medienkonferenz am Freitagnachmittag, dass 119 Personen verletzt worden seien, 113 davon hätten identifiziert werden können. Sechs verletzte Personen konnten noch nicht identifiziert werden. 

Die Staatsangehörigkeit der Verletzten

  • 71 Personen aus der Schweiz
  • 14 aus Frankreich
  • 11 aus Italien
  • 4 aus Serbien
  • 1 aus Bosnien
  • 1 aus Luxemburg
  • 1 aus Polen
  • 1 aus Belgien
  • 1 aus Portugal
  • Die Nationalität von 14 Personen ist noch unbekannt.

Verlegung ins Ausland

Bis Sonntag sollen 50 Schwerverletzte ins Ausland verlegt werden, vor allem die Nachbarländer, Frankreich, Italien, Belgien und Deutschland hätten Kapazitäten angeboten, sagte Fredy-Michel Roten, Direktor der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO). Drei der Schwerverletzten werden bereits in süddeutschen Spitälern behandelt. Belgien bot an, sieben Brandopfer aufzunehmen. Mehrere Verletzte befinden sich auf dem Weg nach Italien und Frankreich.

Schwierige Identifikation 

Die Identifikation der Toten ist schwierig, weil viele von ihnen verkohlt sind. Die Dokumente, die sie auf sich trugen sind verbrannt. Zudem stammen offenbar viele der Opfer aus dem Ausland, was die Rechtsmediziner vor weitere Probleme stellt. Wegen der laufenden Ermittlungen gaben die Behörden noch keine Details zur Nationalität der Todesopfer bekannt. Crans-Montana ist ein beliebter Ski-Ort für Franzosen, Italiener und Nordamerikaner.

Warten

Viele Familien wissen noch immer nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen ist: Sind sie tot oder verletzt? 

Tajani in Crans-Montana

Der italienische Aussenminister Antonio Tajani ist am Mittag in Crans-Montana eingetroffen. Gegenüber dem Corriere della sera erklärte er, die Staatsanwaltschaft habe ihm gesagt, dass sie «bereits Dutzende Personen vernommen haben, um die Verantwortung für den Brand zu klären. Die Ermittlungen sind in vollem Gange». 

13-Jährige in der Bar

Laut italienischen Medien befanden sich auch 13-Jährige in der Bar. Eingangskontrollen habe es nicht gegeben; niemand habe die Gäste nach dem Alter gefragt. Dem widerspricht Staatsrat Stéphane Ganzer. «Wir gehen davon aus, dass Kontrollen durchgeführt wurden», sagt er. Die Gemeinde Crans-Montana sei zuständig gewesen, dass Kontrollen stattfinden. 

Laut Westschweizer Medien waren die Sicherheitsmassnahmen in dem Etablissement schon seit längerem kritisiert worden. Bemängelt worden war, dass die Bar, in der bis zu 200 Menschen Platz fanden, nur einen einzigen kleinen Ausgang hatte. Erwähnt wurde auch, dass die Treppe, die zum Untergeschoss führt, wo sich die Bar befindet, sehr eng ist. Stéphane Ganzer sagt, es habe einen Notausgang gegeben. Bei einem Vollbrand sei die Flucht schwierig. Nicht alle hätten den Notausgang finden können.

Antonio Tajani
Antonio Tajani, der italienische Aussenminister und Vize-Regierungschef am Freitag in Crans-Montana (Keystone/Jean-Christophe Bott)

Wunderkerzen auf Champagnerflaschen

Béatrice Pilloud, die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis sprach an der Medienkonferenz am Freitagnachmittag über die möglichen Ursachen der Katastrophe. «Wir verfolgen mehrere Hypothesen, kein Szenario wird beiseite gelegt», sagte sie. «Wir gehen derzeit davon aus, dass das Feuer von Wunderkerzen, die auf Champagnerflaschen montiert wurden, zu nahe an die Decke kamen. So breitete sich das Feuer schnell aus. Vor Ort konnten erste Spuren gesichert werden.» Aufgrund der Aussagen von Überlebenden und der beiden Barbetreibern konnte eine erste Liste von Teilnehmenden sichergestellt werden, so Pilloud. 

Akkustikschaum

Die Decke der Bar war mit Akkustikschaum bespritzt. Geriet er in Brand und löste den Flashover aus? Die Untersuchung werde «nach bestem Wissen und Gewissen feststellen, ob dieser Schaum konform ist und ob er ordnungsgemäß installiert wurde», erklärte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud. «Angesichts der Umstände der Untersuchung kann ich derzeit nicht mit Sicherheit sagen, ob er den Vorschriften entspricht oder nicht, ob er mit oder ohne Genehmigung installiert wurde», fügte sie hinzu. «Ich kann ihnen nicht sagen, wann die letzte Kontrolle der Bar stattgefunden hat», sagte sie.

Strafrechtliche Verfolgung?

Das forensische Institut von Zürich sei an der Arbeit, erklärte Pilloud. Es würden Massnahmen ergriffen während den Ermittlungen, um festzustellen, ob es eine strafrechtliche Verfolgung gewisser Personen geben kann. Mehr als 30 Personen seien an der Untersuchung beschäftigt, damit die Angehörigen informiert werden könnten.

Crans-Montana
Vor dem Unglücksort warteten am Donnerstagabend Hunderte Trauernde und hofften auf Informationen über das Schicksal ihrer Angehörigen. (Keystone/Alessandro Della Valle)
Crans-Montana
Trauer (Keystone/Alessandro Della Valle)
Crans-Montana
(Keystone/Alessandro Della Valle)
Crans
(Keystone/Jean-Christophe Bott)
Crans-Montana
Gedenkmesse in der katholischen Kirche von Crans-Montana (Keystone/Alessandro Della Valle)
Crans-Montana
Mit Tüchern abgeschirmt: Der Ort des Dramas nach dem Brand (Keystone/Jean-Christophe Bott)

Laut Augenzeugenberichten schlugen die Flammen bis zur Decke hoch. Es habe eine totale Panik geherrscht. Menschen hätten geschrien und versucht, die Fenster einzuschlagen. Andere stolperten über Tote und Verletzte, die am Boden lagen. 

Frédéric Gisler, der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, sagte an der Medienkonferenz am Donnerstagabend, dass gegen 01.30 Uhr eine Person den Brand gemeldet habe. «Sofort wurde ein roter Alarm ausgerufen.» Um 01:32 Uhr seien erste Polizeikräfte vor Ort gewesen. Die Feuerwehr habe den Brand rasch unter Kontrolle bringen können. Gegen fünf Uhr seien sämtliche Verletzte erstversorgt worden.

«Das ist ein ganz furchtbarer Moment», erklärte Staatsratspräsident Mathias Reynard.

Am MDonnerstagmittag begab sich der schweizerische Bundespräsident Guy Parmelin an den Ort der Katastrophe. Dies sei eine der schlimmsten Tragödien in der Geschichte der Schweiz, sagte er.

Guy Parmelin
Guy Parmelin, Mitte, links der Walliser Regierungsratspräsident Mathias Reynard (Keystone/Alessandro Della Valle)

13 Helikopter und 40 Ambulanzfahrzeuge standen im Einsatz. 150 Helferinnen und Helfer wurden aufgeboten. 35 Personen hatten sich selbständig ins Spital begeben.

Crans-Montana
Crans-Montana am Freitagmorgen (Keystone/Jean-Christophe Bott)
Crans-Montana
«Ruht in Frieden bei den Sternen» (Keystone/Jean-Christophe Bott)
Bern
Auf dem Bundeshaus in Bern wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Bundespräsident Parmelin verfügte, dass auch auf allen Schweizer Botschaften rund um die Welt die Fahnen auf halbmast gesetzt werdebn. Auch der Europarat in Strassburg und die Waadtländer Kantonsregierung setzen die Flaggen auf halbmast. (Keystone/Anthony Anex)

(Journal 21)

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