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Musik des Tages 2026-8

Brahms «Schicksalslied»

15. Februar 2026
Iso Camartin
Brahms
Johannes Brahms (Bild: PD)

Selbst Komponisten wie Brahms erfahren, dass gewisse ihrer Werke in der Nachwelt ein Schattendasein führen und eher selten auf den Programmen der Konzerthäuser stehen. Zu diesen gehört sein «Schicksalslied op. 54» aus dem Jahr 1871. Der Verfasser des Textes war Friedrich Hölderlin, dessen Gedicht «Hyperions Schicksalslied» heisst.

Brahms war von der Lektüre dieses Textes so beeindruckt, dass die Komposition ihn über längere Zeit beschäftigte. Die Uraufführung war am 19. Oktober 1871 in Karlsruhe, Brahms dirigierte selbst. 

Geschrieben ist es für 4-stimmigen Chor und Orchester. Es beginnt mit einem Orchestervorspiel in Es-Dur. Ab Takt 29 setzt der Chor ein, zuerst mit den Alt-Stimmen auf den Text «Ihr wandelt oben im Licht auf weichem Boden, selige Genien». Zum Schluss der 1. Strophe hören wir die Worte «Glänzende Götterlüfte / Rühren euch leicht, / Wie die Finger der Künstlerin / Heilige Saiten.»

Die 2. Strophe lautet: «Schicksallos, wie der schlafende / Säugling, atmen die Himmlischen; / Keusch bewahrt / in bescheidener Knospe, / Blühet ewig / Ihnen der Geist, / Und die seligen Augen / Blicken in stiller / Ewiger Klarheit.»

Diese Strophe vergeht im Pianissimo. Die folgende 3. Strophe, nun in c-moll, ist geprägt  durch aufwühlende Streicherfiguren, harte Akzente und dissonante Töne. Der Text lautet: «Doch uns ist gegeben, / Auf keiner Stätte zu ruhn, / Es schwinden, es fallen / Die leidenden Menschen / Blindlings von einer / Stunde zur anderen, / Wie Wasser von Klippe / Zu Klippe geworden, / Jahr lang ins Ungewisse hinab.»

Es folgt ein kurzes orchestrales Nachspiel. Wir hören noch – jetzt in C-Dur - eine Soloflöte, «legato e molto espressivo», die thematisch den Anfang des Werkes wieder aufnimmt. Auch wenn die Musik harmonisch und versöhnlich endet. Ein Werk, das uns nachdenklich zurück lässt über das Schicksal des menschlichen Daseins. Ein Gegensatz zu Brahms «Ein Deutsches Requiem» ist es doch.

Ich empfehle die Aufnahme von Bruno Walter aus den Jahr 1961  mit dem Occidental College Concert Choir und dem Columbia Symphony Orchestra.

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