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Was fliesst denn da? 26/01

Birsig – der kleine Internationale

10. Januar 2026
Dieter Imboden
Klus bei Burg im Leimental
In der Klus bei Burg im Leimental, im Hintergrund der 837 Meter hohe Remel. Der Birsig entspringt an dessen Ostflanke und fliesst als kleiner Wiesenbach (rechts im Bild) durch die Klus talwärts.

Der Birsig, kleiner Bruder der Birs, der am Remel an der Grenze zu Frankreich entspringt, viermal die Landesgrenze quert und drei Kantone berührt, hat die Topografie von Basel geprägt, auch wenn er heute in der Stadt am Rheinknie kaum mehr sichtbar ist. 

Gemsberg, Heuberg, Nadelberg, Steinenberg … man wähnt sich beim Lesen dieser Namen in einem Bergdorf, wechselt unwillkürlich in den bedächtigen Berglerschritt und ärgert sich, nicht die schweren Schuhe eingepackt zu haben. Es hört nicht mehr auf mit den Bergen: Kohlenberg, Leonhardsberg, Klosterberg, Auberg und Spalenberg – letzterer Name tönt vertraut, weniger alpin, mehr nach Trommeln und Pfeifen oder nach einem Theater namens Fauteuil. 

Wie kamen all die Berge nach «z’Basel a mym Rhy», in die wegen ihrer besonderen Lage am Rheinknie, ihrer humanistischen Tradition und ihrer 1460 gegründeten Universität bis weit ins 19. Jahrhundert grösste und wichtigste Stadt der Schweiz? Nein, ihre Berge verdankt sie nicht dem Rhein, sondern einem im schweizerisch-französischen Grenzgebiet des Jura entspringenden, rund zwanzig Kilometer langen Flüsschen namens Birsig.

Zwar ist es der Hügel zwischen Birsig und Rhein, welcher der Stadt sein edles Gepräge gibt. In Anlehnung an den Palatin, den höchsten Hügel Roms, nennt er sich selbstbewusst «Pfalz». Entlang des Rheins gibt es mehrere mit diesem Namen. Auf der Basler Pfalz thronen das Münster, der einstige Bischofssitz und die Herrschaftshäuser der alten Basler Familien. Aber der eigentliche Motor der Stadt, das gewerbliche Zentrum und die Häuser des arbeitsamen Volkes, entstanden entlang des Birsig. All die eingangs erwähnten Berge waren einst Gassen, welche vom Plateau der Rheinebene ins enge Tal hinunterführten, das sich der Birsig auf seinem letzten Wegstück zum Rhein gegraben hatte.

Karte Basel 1640
Karte der Basler Altstadt von Matthias Merian dem Älteren um 1640, blau markiert der offene Verlauf des Birsig. A: Steinentor, B: Barfüsserplatz, C: Marktplatz, D: Mündung bei der heutigen Schifflände. (Bild: Roger Jean Rebmann, in: altbasel.ch)

Von diesem emsigen Graber ist heute in der Stadt kaum mehr etwas sichtbar. Doch wenn man den Stadtplan genauer studiert, wird sein Werk plötzlich wieder lebendig. Beginnen wir also die Erkundung dieses geheimnisvollen «Bergbaches» nicht an der Quelle, sondern an dessen Mündung. Es ist ein massiv gemauerter Tunnel bei der heutigen Schifflände unmittelbar neben dem berühmten Hotel «Drei König», versteckt durch den Landungssteg der Basler Personenschifffahrt und vom Rhein aus kaum sichtbar. Eine Karte um 1640 zeigt, dass der Birsig vom damaligen Steinentor (bei der heutigen Heuwaage) weitgehend offen durch die Stadt floss. Nur der Barfüsser- und der Marktplatz waren überdeckt. Bei Hochwasser wurden die Plätze immer wieder überflutet, wie entsprechende Markierungen am Basler Rathaus aus dem Hochwasserjahr 1529/30 zeigen. Wer wissen möchte, wie damals der Verlauf des Birsig ausgesehen hat, findet in einem Blog des Basler Staatsarchivs von Daniel Hagmann eine Sammlung alter Fotografien.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich wenig. Im Jahre 1876 entschieden sich die Basler Stimmbürger in einem Referendum – im Kanton Basel-Stadt wurde dieses neue politische Instrument der direkten Demokratie 1875 eingeführt – noch gegen die Überdeckung des Birsig, obschon dieser damals eine stinkende Kloake und eine Quelle von Seuchen war. Unter anderem wehrten sich die Anwohner gegen die Entfernung der Latrinen, welche entlang des Flusses direkt an die Häuser angebaut waren und eine bequeme Möglichkeit der Abwasserentsorgung darstellten. 

Doch schliesslich wurde die hygienische Situation unhaltbar. Im Jahr 1900 wurde das Stück zwischen Barfüsser- und Marktplatz überdeckt. Das Basler Tram, das seit 1897 durch die Gerbergasse fuhr, wurde in die neu entstandene Falknerstrasse verlegt (benannt nach dem Vorsteher des Baudepartementes, Rudolf Falkner). Die neue Linienführung bedingte bei der Hauptpost für die Tramgleise eine seltsame, bis heute bestehenden S-Kurve, über die ich mich schon als Schüler immer gewundert hatte und die mir damals niemand erklären konnte.

Offener Birsig Basel
Noch offener Birsig zwischen Barfüsserplatz und Heuwaage, um 1914. Hier entstand 1948/50 der Birsig Parkplatz und die Autodrehscheibe (siehe nächstes Bild). (Bild aus: Daniel M. Cassaday, Von der Parkplatz-Drehscheibe zum Birsig-Garten)

Es dauerte nochmals fünfzig Jahre, bis 1948/50 auch zwischen Barfüsserplatz und Heuwaage der offene und oft stinkende Flusslauf zugedeckt wurde. Die entstandene Fläche (eine zwischen Steinentorstrasse und Steinenvorstadt verlaufene neue Strasse) nutzte man als Parkplatz und gab ihr nicht einmal einen Namen. Bis heute heisst sie auf dem Stadtplan einfach «Birsig-Parkplatz». Der zusätzliche Platz war höchstwillkommen, denn in den 1950er Jahren war in Basel das Autofieber ausgebrochen – nicht nur hier. Die Automobilverbände plädierten für die Abschaffung des Trams, wollten die engen Strassen autogerecht machen und brachten es fertig, dass der nördliche Teil der Aeschenvorstadt – mit ihm die Wirtschaft «Sternen» mit ihren wertvollen Malereien – dem Abbruchhammer zum Opfer fiel. Zum Glück wurde der Sternen im St. Alban-Tal wieder aufgebaut.

Autodrehscheibe
Autodrehscheibe auf dem Birsig Parkplatz um 1950. (Bild: Hans Bertolf, aus dem Buch «Foto Bertolf – Typisch Basel». Friedrich Reinhardt Verlag, zitiert aus Daniel M. Cassaday, Von der Parkplatz-Drehscheibe zum Birsig-Garten)

Das war auch die Zeit, als ich mit dem Velo Basel und seine Umgebung zu erkunden begann und dabei beim Birsig-Parkplatz auf eine für die Schweiz einzigartige Einrichtung stiess: Die Autodrehscheibe. Um den damals noch wenig manövrierbaren Autos das Wenden am Ende des Birsig-Parkplatzes zu erleichtern, nahm man dort 1949 eine Drehscheibe für Autos in Betrieb, welche durch eine Kontaktschwelle ausgelöst wurde, die man mit etwas Geschick auch zu Fuss oder mit dem Velo aktivieren konnte, was ich, so meine Erinnerung, an freien Schulnachmittagen ausgiebig tat. – Die Drehscheibe blieb übrigens bis 2005 in Betrieb. Nochmals zwanzig Jahre später soll der Birsig-Parkplatz nun endlich ein freundlicheres Gesicht und die versteckte Strasse sogar einen eigenen Namen («Am Birsigbogen») erhalten, wie das Präsidialdepartement im Februar 2025 mitteilte.

Und damit sind wir nun an der Heuwaage angekommen. Dort hatte früher die Birsigtalbahn, eine «multinationale» Vorortsbahn, welche durch zwei Länder (CH, F) und drei Kantone (BS, BL, SO) fährt, ihren Endbahnhof. Im Jahr 1986 wurde sie auf Trambetrieb umgestellt und mit der ehemaligen Birseckbahn zur Linie Nummer 10 der BLT (Baselland Transport) zusammengeschlossen, einer der vielfältigsten Tramlinien der Schweiz, welche über 26 km von Dornach via Basel bis nach Rodersdorf führt. Die Fahrt dauert etwas mehr als eine Stunde. Ein idealer Ort für eine transnationale und transkantonale Meditation.

Die Heuwaage markiert aber auch jenen Ort, wo der Birsig erstmals zum sichtbaren Flüsschen wird. Ja, mehr als das! Das Areal entlang des ersten «natürlichen» Abschnittes des Birsig heisst «Nachtigallewäldli». Dort ertönte seit Generationen nicht nur der Gesang der Nachtigall, sondern auch derjenige der Verliebten. Gestört wurden die Liebespaare höchstens von den Zügen aus Strasbourg und Mulhouse, welche seit 1845 (zwei Jahre vor der Spanisch-Brötli-Bahn von Zürich nach Baden!) über das «Viadukt» dampften, welches das Birsigtal überspannt und anno 1900, nach der Verlegung der Elsässerbahn weiter nach Süden, zur Strassenbrücke wurde. Ob das Nachtigallewäldli in einer Zeit, wo sich viele lieber virtuell treffen, immer noch seine einstige Rolle spielt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wir verlassen die Verliebten und gehen weiter flussaufwärts. Schon nach wenigen hundert Metern, beim Eingang des Basler Zolli, verschwindet der Birsig abermals in einem Tunnel, immerhin für einen guten Zweck, könnte man sagen, denn der Zoo nutzt den gewonnenen Platz für die Schaffung einer reichhaltigen Landschaft mit vielen Teichen. Als 1875 der Basler Zoo gegründet wurde – es war der erste in der Schweiz – lag das Gelände entlang des noch offen fliessenden Birsig ausserhalb der Stadt; heute ist der Platz zwischen den Siedlungsflächen für den Zoo enorm knapp.

Nach der neuen Eisenbahnbrücke der Elsässerbahn und dem Dorenbachviadukt – benannt nach einem Seitenbach des Birsig, der südlich von Binningen entspringt und die Teiche im Zoo mit Wasser versorgt – verlaufen Birsig und Birsigtalbahn parallel. Bis Oberwil ist das Tal stark überbaut; nur die Schlösser Binningen und Bottmingen – beide ehemalige Weiherschlösser, Schloss Bottmingen ist es bis heute – wo früher die vornehmen Basler residierten und die heute für Familien- und andere Feste beliebt sind – vermitteln einen Hauch des einstigen besonderen Reizes des Tales.

Birsig
Blick auf den Birsig flussaufwärts, unmittelbar oberhalb der Grenze zu Frankreich zwischen Biel-Benken und Leymen

In Oberwil trennen sich die Wege von Bahn und Fluss. Wir folgen dem Birsig westwärts und überqueren hinter Biel-Benken erstmals die Landesgrenze. Unmittelbar hinter der Grenze, bei Weisskirch, führt ein Strässchen durch einen offenbar bei den Baslern sehr beliebten Pferdehof hinunter zu einer Brücke, wo bei einem kleinen Wehr ein Kanal abzweigt, der in Biel-Benken einst eine Mühle angetrieben haben muss, wie der Flurname «Mülimatt» vermuten lässt. Eine grenzüberschreitende Wasserkraftnutzung aus alter Zeit!

Zwischen Leymen und Liebenswiller
Strassenschild an der Brücke über den Birsig zwischen Leymen und Liebenswiller

Weiter westwärts durchqueren wir das französische Dorf Leymen. Von ihm hat das Tal seinen zweiten Namen: Leimental oder Leymental. Ob die Bezeichnung «Leima» auf dem Strassenschild ein Zeichen der Förderung des Elsässerdeutschen darstellt? Dieser besondere alemannischen Dialekt sei wieder auf dem Vormarsch, hört man sagen, nicht zuletzt weil für die vielen in Basel arbeitenden Grenzgänger Deutschkenntnisse von Vorteil seien.

Wie auch immer, das Dorf verdankt seinen Namen den Lehmgruben und Ziegeleien, welche im sogenannten Sundgau häufig sind. Die sanfte Hügellandschaft, welche sich vom Elsass nach Osten bis zum schweizerischen Ettingen und zum Schlatthof bei Reinach erstreckt, entstand während der Kaltzeiten der letzten fünf Millionen Jahre, als die Vegetation auf den nicht vergletscherten Gebieten karg war und der Wind aus den trockenen Schotterbetten des Rheins feines Material (Löss und Lösslehm) heranwehte und am Rande des Juras ablagerte.

Grenzgebiet bei Rodersdorf
Karte des schweizerisch-französischen Grenzgebiets bei Rodersdorf. An der Grenze westlich von Rodersdorf teilt sich der Birsig in einen nördlichen Ast mit dem Namen Boersegraben und einen südlichen Ast, der am Remel entspringt. Auf lokalen Karten wird er als «Biederthalbach» bezeichnet.

Im Süden von Leymen ragt der Landskronberg steil in den Himmel. An dessen Flanke führen die Geleise der erwähnten BLT Tramlinie 10 Richtung Rodersdorf. Leymen besitzt sogar eine eigene Tramhaltestelle hoch über dem Dorf. Wir fahren weiter westwärts und überqueren zum zweiten Mal die Landesgrenze, diesmal von Frankreich zurück in die Schweiz, allerdings nicht zurück in den Kanton Baselland, sondern in den Kanton Solothurn. In Rodersdorf, dem einstigen Endpunkt der Birsigtalbahn, endet die Tramlinie 10. Von hier kann man also, zwei Länder und drei Kantone durchquerend, in einer guten Halben Stunde ins Stadtzentrum von Basel fahren. 

Südwestlich von Rodersdorf überqueren wir zum dritten Mal die Landesgrenze. Genau an der Grenze verzweigt sich der Birsig in zwei Äste. Der nördliche Ast, der auf der Karte als «Boersegraben» bezeichnet ist, entspringt in der Nähe des französischen Wolschwiler, der südliche kommt vom schweizerischen Burg im Leimental und durchfliesst das französische Dorf Biederthal. Interessanterweise schweigt sich die Schweizer Landeskarte darüber aus, wie dieser Ast heisst; auf lokalen Karten findet sich manchmal die Bezeichnung «Biederthalbach». Lange war man sich in der Region nicht einig, welcher Ast als eigentliche Quelle des Birsig zu bezeichnen ist.

Zwischen Biederthal und Burg
Der meist trockene Minicanyon zwischen Biederthal und Burg an der nordwestlichen Flanke des Geissberg (siehe Karte) weist darauf hin, dass einst viel Wasser von der Hochebene von Metzerlen ins Biederthal floss.

Lassen wir diesen Streit und folgen dem südlichen Ast, denn er ist – politisch und geografisch – weit interessanter als der nördliche. Zwischen Biederthal und Burg, kurz vor dem vierten Grenzübertritt, wurde der Birsig zum Strassengraben degradiert, so dass man meinen könnte, nun gehe es mit ihm definitv zu Ende. Doch weit gefehlt, es gibt noch Überraschungen. Doch vorher werfen wir einen Blick in eine topographische Nische, welche für den Jura typisch ist. Im steilen Abhang des Geissberg nordwestlich des schmalen Strässchens zum Grenzübergang nach Burg öffnet sich ein kleiner, meist trockener Canyon. Hier muss ein vom 100 bis 150 Meter höheren Metzerlen Hochplateau herunterfliessender Bach als eine Art von Landschaftsarchitekt am Werk gewesen sein. Vielleicht befand sich der eigentliche Ursprung des Birsig einst oberhalb dieses Canyons.

Biederthalbach
Blick auf den noch jungen Birsig (Biederthalbach) zwischen Biederthal und Burg im Leimental. Die Aufnahme wurde vom französischen Territorium aus gemacht; das sonnenbeschienene Schneefeld liegt grösstenteils jenseits der Grenze in der Schweiz.

Kaum 300 Meter weiter südlich überqueren wir letztmals die Landesgrenze und stehen unvermittelt am Ausgang einer engen Klus. – Wer ausserhalb der Region Basel kennt das Dorf Burg im Leimental, wer das Schloss Biederthal, das auf einem schmalen Felsgrat über dem Dorf thront und dessen älteste Teile auf das 13. Jahrhundert zurückgehen? Und wer weiss noch, dass bis zum 1.1.1994, als das Laufenthal zum Kanton Baslland wechselte, Burg zum Kanton Bern gehörte und somit damals der Birsig im Kanton Bern entsprang, viermal die Landesgrenze überquerte und durch vier Kantone (BE, SO, BL, BS) floss? – Ich kenne in Europa kaum eine politisch verwinkeltere Gegend als diese wenigen Quadratkilometer zwischen Leymen und Burg. Speziell auch, dass das heutige basellandschaftliche Burg mit dem Rest seines Kantons nur über zwei Strassen erreichbar ist, welche entweder durchs Leimental via Frankreich oder über das Plateau von Metzerlen via den Kanton Solothurn führen.

Schloss Biederthal
Das Schloss Burg (auch Schloss Biederthal) thront auf einem schmalen Felsgrat über dem Dorf Burg. Hinter dem Burggrat liegt die Klus, durch welche der noch junge Birsig vom Remel hinunter zu Tal fliesst.

Auf einem schmale Strässchen fahren wir nun durch die enge Klus ins letzte Teilstück des Birsigtals. Strasse und Bach teilen sich den engen Platz zwischen den Felsen. Nun befinden wir uns hinter dem Schloss. Das kleine Tal wird im Hintergrund durch den 837 Meter hohen Remelspitz abgeschlossen, der auf der Grenze zu Frankreich liegt. Irgendwo an dessen östlicher Flanke entspringt der Birsig, der später die Topografie der Stadt Basel prägen wird.

Klus bei Burg im Leimental
In der Klus bei Burg im Leimental, Blick talaufwärts. Der Birsig wurde durch das schmale Strässchen an den Rand der engen Schlucht verdrängt.

Für den Rückweg aus dem geografischen Irrgarten wählen wir die Strasse über Metzerlen, wo wir im Gasthaus Kreuz unverhofft auf einen kulinarischen Hotspot treffen. An einem ganz gewöhnlichen Werktag finden wir alle Tische besetzt und sind froh, wenigstens am Stammtisch noch zwei freie Stühle ergattern zu können. Später machen wir einen Halt in der Wallfahrtskirche Mariastein. Das Benediktinerkloster wurde 1874 im Rahmen des Schweizer Kulturkampfes aufgelöst. Der grosse Parkplatz ausserhalb der Anlage erinnert mich daran, dass ich wohl seit 60 Jahren nicht mehr hier gewesen bin. 

Damals fuhr man mit dem Auto bis fast vor die Kirche, und der Platz davor war vollgestellt mit unzähligen Verkaufsbuden, wo all jene Dinge zu haben waren, welche zu einer richtigen Pilgerfahrt gehören. Und dann gedachte ich meines Vaters, welcher mit seinem Gutachten wesentlich beigetragen hatte, dass trotz des Klosterartikels der Schweizer Bundesverfassung (Art. 52), der erst 1973 abgeschafft worden war, die Benediktiner schon 1971 ihr Kloster wieder eröffnen durften. Die Begründung des protestantischen Staatsrechtlers bestand damals darin, dass in Tat und Wahrheit das Kloster nie wirklich geschlossen worden sei, so dass man auch nicht von einer Klosterneugründung sprechen könne und damit kein Widerspruch mit der Bundesverfassung entstünde!

Das alles kann man auf einer Reise entlang des zwanzig Kilometer langen Birsig erleben.

Bilder (wo nicht anders vermerkt): Dieter Imboden

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