A Star Is Born

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A Star Is Born

Von Verena Stauffacher, 25.05.2016

Was ein waschechter Star ist, weiss jeder. Von weniger waschechten wimmelt es immer mehr, sie werden vor allem von den Medien in den Star-Status befördert,

Star Wars – die sieben Teile einer Science-Fiction-Filmserie locken Fans seit rund vier Jahrzehnten zu Millionen in die Kinos. Sie spielen in einer weit entfernten Galaxie und ihre Protagonisten haben nur entfernte Ähnlichkeit mit menschlichen Wesen. Gleichzeitig findet in unserer eigenen Welt wenn auch nicht ein Krieg der Sterne, so doch ein veritables Star-Gerangel statt, bei dem die darin involvierten Personen gewöhnlichen Menschen frappant gleichen.

Pseudostare

An Film-, Pop- und Sportstars haben wir uns schon längst gewöhnt. Nur war das Prädikat «Star» einst jenen vorbehalten, die dieses auch verdienten: Wer wollte denn etwa einer Elizabeth Taylor oder einem Clint Eastwood, einem Frank Sinatra oder einer Tina Turner, einer Steffi Graf oder einem Pélé ihren Starstatus absprechen. Das sind Namen, die nun wirklich fast jede und jeder kennt – selbst Generationen, die zu den aktiven Zeiten dieser Ausnahmekönner noch nicht einmal geboren waren. Dies aus dem einfachen Grund, weil sie aufgrund ihrer aussergewöhnlichen Leistungen zu anhaltendem Weltruhm kamen.

Nun erwächst diesen echten Weltstars aber seit einiger Zeit – den Medien und ihren Konsumenten sei Dank – massenweise Pseudokonkurrenz aus anderen Branchen. Zu Hunderten tummeln sie sich auf dem Erdball, die sogenannten Starmanager, Stararchitekten, Starpolitiker (oder auch Politstars), Staranwälte, Starbanker, Starzahnärzte und -chirurgen, Starköche, Starjournalisten und Staranalysten. Kaum eine Berufsgattung, der nicht ein «Star» vorangestellt wird.

Man merkt’s nur bei den Boni

Bloss sind die dann folgenden Namen oft Schall und Rauch. Oder kennt jemand Rolf Elgeti oder Mel Karmazin? Beide Starmanager, besagen Headlines in Wirtschaftszeitungen. Schon einmal von Michael Haizmann, Matthias Prinz oder Dominique Warluzel gehört?  Lauter Staranwälte, will man den Medien trauen. Roger Jenkins, Alexander Dibelius und Roger Studer, diese Namen sagen Ihnen nichts? Erstaunlich, reden wir doch hier von angeblichen Starbankern.

Bei den Genannten mag das «Star»-Attribut insofern nachvollziehbar sein, als ihre Saläre, Honorare und Boni astronomische Höhen erreichen. Was sie ansonsten geleistet haben, um zu Stars zu werden? Keine Ahnung. Vielleicht sind sie gescheiter, kompetenter, erfolgreicher, gerissener in ihrem Wirken als andere ihrer Zunft. Vielleicht waren sie häufiger zur richtigen Zeit am richtigen Ort als ihre Konkurrenten. Vielleicht haben sie fleissiger und kompromissloser an ihrer Karriereleiter gezimmert, sich mehr aufgeopfert. Aber macht sie das alles gleich zu Stars? Wohl kaum. Denn sonst müsste die Welt auch noch voller Starlehrer, Starhausfrauen und -mütter, Stargärtner, Starkassiererinnen, Starkrankenschwestern, Starbauern, Starmaurer sein.

Mediale Jagd nach Superlativen

Wie die Sterne entstanden sind, ist bis heute nicht restlos geklärt. Ähnlich bei den Stars: Ein kurzer medialer Urknall, dessen Ursache für Normalsterbliche oft ebenso unerklärlich ist wie jener im All, und voilà: A star is born. Auf der permanenten Jagd nach Superlativen und dem unablässigen Buhlen um Aufmerksamkeit scheint ein Star vonnöten zu sein, um das Publikum hinter dem Ofen hervorzulocken. «Anwalt verteidigt Verbrecher» ist keine süffige Affiche, die hohe Einschalt- und Leserquoten garantiert.

«Staranwalt verteidigt Starverbrecher» hingegen lässt den Puls höher schlagen und die Umsatzzahlen in die Höhe schnellen. Und wenn das nicht reicht, dann darf’s gerne auch etwas mehr sein. Im Angebot sind etwa Superstars oder Jahrhundertstars. Doch was für die Sterne gilt, ist bei ihren irdischen Pendants nicht anders: Auch sie sind oft schon verglüht, bis ihr Licht bei uns ankommt.

Weisst Du wie viel Sternlein…

Nicht zuletzt trifft dies auf die unzähligen Herrschaften Hinz und Kunz zu, die sich im Internet, in Boulevard- und Gratiszeitungen ins Rennen um die berühmten fünfzehn Minuten Ruhm (ein Ausdruck, der vom Starkünstler Andy Warhol geprägt wurde) stürzen. Kein Auftritt scheint zu dämlich oder selbstentblössend zu sein, als dass er nicht den Weg in die mediale Öffentlichkeit finden würde. Und dort sorgen Titel wie «Taxi-Daniela wird jetzt Fernsehstar» für zahllose Twitter-Kommentare und Facebook-Likes, welche den selbstgestrickten «Stars» auch noch vorgaukeln, auf einen Schlag zu Berühmtheit gelangt zu sein.

«Weisst Du wie viel Sternlein stehen an dem grossen Himmelszelt?», so wurden schon Generationen von Kindern in den Schlaf gesungen. «Weisst Du wie viel ‹Stärlein› gehen auf der grossen, weiten Welt?», wäre eine zweite Liedzeile mit aktuellem Bezug. Womöglich gewinnt Ihre Kolumnistin mit dieser Kreation die entscheidende Schlacht in dieser irdischen Star-Invasion. Die dazu passende Schlagzeile: «Starkolumnistin revolutioniert Gutenacht-Lied».

Kommentare

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Für wahres Startum braucht es m. E. auch Charisma und Grandezza und eine Aura des Bling-Bling gepaart mit Style, Class, Überlegenheit und Begehrtwerden. Aber sind wir andererseits denn nicht alle Stardust, Sternenstaub, Kinder der Sterne?
Schön klingt dazu das Schweizer Liedchen "Am Himmel stoht es Sternli z'Nacht" der alten Swiss Showstars Geschwister Schmid, dessen Verballhornung mittels autosuggestivem Imaginieren der veränderten Wortstellung "Oh Himmelsterne..." vielleicht sogar noch gegen erektile Dysfunktion therapeutisch wirksam sein könnte.

Wenn man mit dem Zusatz "Star" nicht so inflationär umgehen würde,wie könnte man soviel überflüssige Sendungen wie Dschungelcamp produzieren.Eine Katzenberger und Feldbusch sind für Ihre Darlegung treffende Beweise.

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