Zweifelhaftes E-Voting

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Zweifelhaftes E-Voting

Von Urs Meier, 19.09.2013

Ab 2015 sollen wir nach dem Plan des Bundesrats online wählen können. Aber sollen wir das wirklich wollen?

Das in Genf getestete E-Voting-System hat Sicherheitslücken. Trotzdem will der Bundesrat an seinem ehrgeizigen Zeitplan festhalten, um bei den Wahlen 2015 zur Stimmabgabe im Web bereit zu sein, vor allem zugunsten der Auslandschweizer. Vier junge Parlamentsmitglieder aus verschiedenen Parteien verlangen nun einen Marschhalt, bis die technischen Mängel überzeugend behoben sind. Ob hier ein sicheres System praktikabel und ein praktikables sicher sein kann? Beim Einsatz für die überschaubare Gruppe der Stimmbürger im Ausland ist die Gewähr vermutlich eher zu leisten als bei einer Ausdehnung auf das ganze Volk. Es bleiben Fragen: Sind Manipulationen ausgeschlossen? Kann man darauf vertrauen, dass Daten geschützt bleiben? Nach allen Skandalen um Spionage und Datendiebstähle ist Skepsis geboten. Darüber hinaus geht es um das Erlebnis des Abstimmens und Wählens. Am Computer oder auf dem Smartphone etwas anzuklicken ist weniger verbindlich als das eigenhändige Ausfüllen und Unterschreiben von Unterlagen und erst recht als der Gang zum Abstimmungslokal. Dort trifft man Menschen. Zum Dienst aufgebotene Mitbürger nehmen im Schulhaus die Stimm- und Wahlzettel entgegen. Sie werden diese nachher gewissenhaft zählen. Und im Vorraum stehen die obligaten Gruppen, Unterschriften sammelnd für dieses und jenes, mit denen man ins Gespräch kommt. Das ist Demokratie live. Zusätzliche elektronische Bequemlichkeit wird ihr nicht gut tun.

Ich würde als Digital Native E-Voting sehr begrüssen. Ich kam vor einigen Jahren im Kreis zwei in Zürich selbst in Genuss des Pilot Projektes und fand es sehr angenehm online abstimmen zu können.

Diese Massnahme kommt vielleicht Auslandschweizern entgegen, vor allem jedoch den jungen Stimmbürgern. Schon zu oft musst ich mir in der Nacht auf Sonntag anhören: "Oh nein, morgen ist die Abstimmung?! Vielleicht schaffe ich es, bis 12 Uhr aufzustehen, um an die Urne zu gehen." In der Regel geschah dies natürlich nicht.

Zum Thema Sicherheit ist wohl zu sagen, dass kein elektronisches System sicher ist. Aber trauen Sie einem aus Blech gefertigten Briefkasten mehr, als einem System, welches etliche Sicherheitsstandards erfüllen muss? Wahlen sind so oder so einem möglichen Betrug exponiert. Ob wir nun im Web gehackt werden oder jemand eine Kiste mit Stimmen verschwinden lässt. Unsere Biometrischen Daten wurden bisher, zumindest so viel wir wissen, auch noch nicht geklaut und das wären wohl die deutlich interessanteren Daten für Kriminelle.

Das Nostalgische kann ich verstehen. Es geht aber primär darum, dass so viele Bürger wie möglich ihre Meinung äussern können. Und das wird mit E-Voting garantiert verbessert.

Als vor zwanzig Jahren die briefliche Stimmabgabe eingeführt wurde, wurde Skepsis laut, ganz ähnlich wie wir es auch jetzt wieder hören. Ich frage mich, Herr Meier, was Sie in zwanzig Jahren über's e-voting denken.

Das ist alles eine Frage der Technik und des Ausbaus.
Man könnte sich ja durchaus einen virtuellen Abstimmungsschalter vorstellen, bei dem ebenfalls ein paar politisch engagierte live im Vorraum stehen und dem Besucher, der Besucherin einen Clip vorspielen und eine Diskussion vom Zaune reissen. Natürlich - mit einem Click wäre die Unterhaltung beendet, aber wer hat sich nicht schon gewünscht einen aufdringlichen Mitbüger mit einem Click zum Schweigen zu bringen.
Jede Form hat ihre eigene Qualität - oder besser, kann ihre eigene Qualität haben, wenn man etwas dafür tut.

Das Misstrauen der Wahl- und Stimmvölker im ganzen Kontinent Europa in die seriöse Auswertung von Wahlergebnissen ist eh' schon massiv gestört.
Viele reden von Scheindemokratien und das sicher nicht zu unrecht.
Wer kann schon überprüfen wenn Stimmenzähler im Auftrag von Regierungen beim auszählen türken? Wie leicht wird das erst sein wen man e-voten kann?
Von daher gesehen wären die Landsgemeinden das einzig Richtige da kann man sehen wer die Hand zu welchen Fragen hebt. Leider gibt es wohl keinen Weg zurück dahin.

Sicherheit geht sicher vor, da gebe ich Ihnen recht, kann aber fachlich nicht mitreden. Aber: ich selbst habe in 22 Jahren die ich Stimmberechtigt bin erst 2 mal verpasst und dieser glückliche Umstand verdanke ich ausschliesslich der brieflichen Abgabe. Der ach so nostaligische Gang ins Stadthaus und das von Ihnen damit skizzierte aktive Demokratieerlebnis, sind mir persönlich durchaus auch schon eine Freude gewesen. Ist aber alles schlicht nicht mehr zeitgemäss und so wahnsinnig essentuell nun auch wieder nicht. Demokratie hat ja das Ziel, sich frei zu äussern. Dies fällt dem gemeinen Bürger nicht immer leicht in Anbetracht einer beschränkten Auswahl im ganzen Parteifilz. Ich glaube aber auch nicht das man diesem ehrbaren Ziel durch Landgemeindegroof näher käme. Vielleicht sogar das Gegenteil. Bei Politik geht es letztlich um eine ziemlich öde Notwenigkeit - sie ist aber letztendlich nur ein Rahmen, die Gesellschaft ist das Bild und dort müssen wir also Farbe bekennen.

Jeder der sich mit IT auskennt und das sind heutzutage nicht wenige, kann bestätigen dass E-voting der perfekte Weg für Regierungen ist die Wahl- und Abstimmungsergebnisse zu manipulieren.
Es ist kein Zufall das nach dem ganzen NSA-Skandal gerade die Jungpolitiker die noch vor kurzem unbedingt für E-voting plädierten plötzlich dagegen sind.
So was wie E-voting jetzt noch einführen zu wollen, entlarvt die Befürworter und ihre Ziele eindeutig. Man kann das, nachdem offenbar wurde wie wir bereits seit langem überwacht und manipuliert werden, nicht befürworten ohne sein Gesicht zu veriieren.
Sicher, man kann auch beim traditionellen Stimmenzählen schummeln - aber Manipulationen der Abstimmungsergebnisse über IT-Systeme sind einfacher und effizienter. (Allerdings für "Manipulatoren" aus allen Lagern!)

Nein, wir wollen nicht. Wir wollen noch sonntäglich an die Urne gehen, unseren Zettel einlegen dürfen wie in Zimbabwe, Weissrussland, Kuba, Aegpten et alii...................
Oder sollen wir gleich mit unserem elektronisch erfassten Fingerabdruck.........?

Aber klar wollen wir e-voting! Wetten, dass sobald man das zum Standard erklärt endgültig alle Abstimmungsergebnisse im Sinne der Regierung ausfallen?

Angewandte Mathematik kann auch in einem determinierten, terminierten oder sogar Florida-Algorithmus ausgeführt werden. Für IT-Outsider unkontrollierbar! Ihre Skepsis ist berechtigt….cathari

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