Wann wird die Palästinenserführung erwachsen?

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Wann wird die Palästinenserführung erwachsen?

Von Reinhard Meier, 05.07.2012

Nun soll also Arafats Leiche exhumiert werden, um seinen Tod vor acht Jahren zu klären. Selbst wenn das gelingen sollte, wird das dem palästinensischen Volk nichts nützen. Nötig wäre vielmehr eine reife und weniger zerstrittene Führung.

Drei Jahre vor seinem Tod im Jahre 2010 veröffentlichte der britisch-jüdische Historiker Tony Judt in der Zeitung „Haaretz“ einen fulminanten Artikel über die israelische Politik unter dem Titel „Ein Land, das nicht erwachsen werden will“. Es war eine scharfe, aber fundierte Kritik an der fortgesetzten Besatzung und Besiedlung palästinensischer Gebiete und dem mangelnden Willen Israels, sich für eine faire und haltbare Lösung der Palästinenserfrage einzusetzen. Eine Folge davon sei nicht zuletzt der Zerfall von Israels Goodwill rund um den Globus. Diese Vorwürfe sind gegenüber der Regierung Netanyahu aktueller denn je.

Leere Versöhnungsrituale

Ähnliche Anschuldigungen sind aber auch gegenüber der palästinensischen Führungsriege am Platz. Wie soll man den Führungsleuten der rund dreieinhalb Millionen Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen die Schaffung eines gemeinsamen Staates zutrauen, wenn dieses Chef-Personal völlig zerstritten ist? Das gilt nicht nur für das Verhältnis zwischen den beiden grossen politischen Machtblöcken – der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas und der im Westjordanland dominierenden Fatah -, sondern auch innerhalb dieser Machtgruppen.

Nicht zum ersten Mal haben sich der nominelle Fatah-Führer Mahmoud Abbas und der im Ausland lebende Hamas-Chef Khaled Meshal vor einigen Wochen in Doha darauf verständigt, endlich eine einheitliche palästinensische Übergangsregierung zu bilden. Diese sollte dann gesamtpalästinensische Wahlen durchführen, die eigentlich schon seit zweieinhalb Jahren fällig wären. Verwirklicht ist von diesen feierlich verkündeten Vorhaben bisher gar nichts. Salam Fayyad, der in Ramallah noch amtierende Ministerpräsident für das Westjordanland, der wegen seiner kompetenten wirtschaftlichen Aufbauarbeit vor allem von den Geldgebern im Westen und am Golf geschätzt wird, hat unlängst in einem Interview mit der „Washington Post“ erklärt, seiner Meinung nach sei vor allem die Hamas-Führung nicht ernsthaft an Neuwahlen unter den Palästinensern interessiert.

Unproduktive Verschwörungsgeschichten

An dieser Unfähigkeit der palästinensischen Führung, angesichts eines so übermächtigen Gegenspielers wie Israel zumindest bis zur Durchsetzung eines eigenen Staatswesens am gleichen Strick zu ziehen, wird auch die Exhumierung von Arafats Leiche in Ramallah und die Prüfung des Verdachts auf eine mögliche Vergiftung durch radioaktiven Stoff gar nichts ändern. Denn selbst wenn sich der Verdacht auf eine solche Todesursache einwandfrei belegen liesse, wäre damit noch längst nicht geklärt, wer für den Einsatz eines solchen Giftstoffes die Verantwortung trägt.

Natürlich würden die Palästinenser sofort auf Israel zeigen. Doch damit wäre noch nichts bewiesen. Immerhin ist bekannt, dass die palästinensischen Machtclans schon zu Lebzeiten Arafats zum Teil tödlich miteinander im Streit lagen. Ausserdem hat Arafats dubiose Gattin Suha - der viele Palästinenser vorwerfen, mit illegalen Geldern aus Arafats Geheimkonten ein Luxusleben im Westen zu führen - noch kurz vor dem Tod ihres Mannes finsterste Verschwörungsgeschichten gegen die Fatah-Führung verbreitet. Dass in diesem nahöstlichen Dickicht von gegenseitigen Beschuldigungen, Intrigen, Legenden und disparaten Fakten je eine eindeutige Wahrheit über die Ursachen von Arafats Tod herausgefiltert werden kann, ist höchst unwahrscheinlich.

Warten auf einen de Gaulle

Viel wichtiger und dringlicher für die wahren Interessen des palästinensischen Volkes wäre es jedenfalls, wenn deren zerstrittene Führer sich den Rat des Historikers Tony Judt an die Israeli zu Herzen nehmen würden: Endlich erwachsen zu werden, am gleichen Strick zu ziehen, über den Schatten falscher Mythen zu springen (Hamas klammert sich noch immer an das weltfremde Dogma, das Israel als Staat verschwinden müsse und das gesamte ehemalige britische Mandatsgebiet den Palästinensern gehöre). Ausserdem wäre es sehr viel klüger, die Weltmeinung nicht durch kontraproduktive Gewalt (wie die Raketenangriffe aus dem von Israel geräumten Gazastreifen) vor den Kopf gestossen, sondern durch eine souveräne Politik der inneren und äusseren Versöhnung zu beeindrucken.

Als ein leuchtendes Beispiel reifer Einsicht in historische Unausweichlichkeiten und konsequenten Handels nennt Tony Judt im erwähnten Aufsatz den von de Gaulle durchgesetzten Rückzug Frankreichs aus Algerien. Sowohl für Israel als auch für die Palästinenser wäre ein Staatsmann vom Format eines de Gaulle ein Geschenk des Himmels.

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Kommentare

Lieber Uri Russak, sehr herzlichen Dank für Ihre zahlreichen Beiträge hier - die ich erst jetzt wahrgenommen habe - sowie insbesondere für Ihre Replik auf die hier wiedergegebenen antisemitischen Kommentare einer Person. Es lohnt nicht, hierauf einzugehen. Es ist unterstes antisemitisches Ressentiment, welches sich hier äußert, welches hier mal wieder "durchbricht". Und auch Reinhard Meier hat mit seinem nachdenklichen Kommentar wirklich ein angemesseneres Niveau verdient. Ich danke Ihnen beiden!

Unter dem Titel "Zunehmende Korruption in Israel" schreibt Monika Bolliger heute (11.7.2012) über die Verurteilung von Ehud Olmert wegen Vertrauensbruch (von 2 grösseren Korruptionsvorwürfen wurde er freigesprochen). Weiter schreibt Frau Bolliger: "Was Untersuchungen wegen Korruption angeht, ist er jedoch in guter Gesellschaft. Ermittelt wurde gegen jeden israelischen Regierungschef der letzten 16 Jahre, gegen zwei frühere Staatschefs sowie diverse Knessetabgeordnete. Bemerkenswert undurchsichtig sind die Verwicklungen von Aussenminister Liebermann." So weit Frau Bolliger. Dass es nur in 2 Fällen zu Anklagen kam kann für oder gegen die unabhängige Gerichtsbarkeit Israels interpretiert werden. Mir wird allerdings Übel bei dem Gedanken, dass solche Typen die viertgrösste Atommacht der Welt repräsentieren. Dank den U-Booten aus Deutschland mit einer erhöhten Zweitschlagkapazität. In der NZZ vom 10.7.2012 lese ich (ohne erstaunt zu sein), dass gemäss einer Meldung von (dapd) ein israelischer Parlamentsausschuss das Urteil des Landgerichts Köln über die Beschneidung von Knaben verurteilt. Das Verbot wecke Erinnerungen an den Holocaust. Der einbestellte deutsche Botschafter versprach Abhilfe!! Es sei erwähnt, dass sich das Urteil nicht spezifisch auf jüdische Knaben bezog. Diese Praxis ist ja auch bei Muslimen weit verbreitet.

Man darf also feststellen:

  • Einen Frieden mit den Palästinensern wird es mit einer solchen israelischen Regierung nie geben.

  • Valable palästinensische Gesprächspartner werden liquidiert.

  • Den Deutschen wird weiterhin, mittels Holocaust-Keule vorgeschrieben, was ihre Gerichte zu Tun und zu Lassen haben - und welche Waffen für die Israelische Verteidigungs Armee zu liefern sind.

Es gibt nur eine Hoffnung: Eine neue Generation von ehrlichen Personen muss in Israel an die Macht kommen; mit einem "de Gaulle" an der Spitze.

audietur et altera pars Wer nicht dan ganzen langen Artikel lesen will, lese den Schluss - zuerst..

Uri Avneri hat dies dazu zu sagen:Der Frieden zwischen Israel und Palästina ist möglich !! Jul 7, 2012 Vergiftung Arafats

FÜR MICH war es keine Überraschung. Vom aller ersten Tag an war ich davon überzeugt, dass Yasser Arafat von Ariel Sharon vergiftet worden ist. Ich schrieb sogar einige Male darüber.

Es war eine einfache, logische Schlussfolgerung.

Vergiftung Arafats

Uri Avnery

FÜR MICH war es keine Überraschung. Vom aller ersten Tag an war ich davon überzeugt, dass Yasser Arafat von Ariel Sharon vergiftet worden ist. Ich schrieb sogar einige Male darüber.

Es war eine einfache, logische Schlussfolgerung.

Erstens fand eine gründliche medizinische Untersuchung im französischen Militärkrankenhaus statt, wo er starb, und man fand keine Ursache für seinen plötzlichen Kollaps und Tod. Keine Spuren irgend einer lebensbedrohenden Krankheit wurden gefunden.

Die von der israelischen Propagandamaschine verbreiteten Gerüchte, Arafat habe AIDS , waren glatte Lügen. Sie waren eine Fortsetzung der von derselben Maschine verbreiteten Gerüchte, dass er schwul sei – alle waren ein Teil der unerbittlichen Dämonisierung des palästinensischen Führers. Das lief seit Jahrzehnten täglich so.

Wenn es keine offensichtliche Todesursache gibt, dann muss es eine weniger offensichtliche geben.

Zweitens wissen wir jetzt, dass verschiedene Geheimdienste Gifte besitzen, die keine Spuren hinterlassen. Dazu gehören die CIA, der russische FSB (Nachfolger des KGB) und der Mossad.

Drittens: es gab viele Gelegenheiten. Arafats Sicherheitsvorkehrungen waren entschieden zu lasch. Er pflegte jeden perfekten Ausländer zu umarmen, der sich selbst als Sympathisant der palästinensischen Sache vorstellte und setzte ihn oft bei Mahlzeiten direkt neben sich selbst.

Viertens: gab es eine Menge Leute, die ihn töten wollten und die Mittel dafür hatten, es zu tun. Der offenkundigste war unser Ministerpräsident Ariel Sharon. Er hat sogar 2004 darüber gesprochen, dass Arafat keine „Lebensversicherung“ habe.

WAS BIS vor kurzem eine logische Wahrscheinlichkeit war, ist nun Sicherheit geworden.

Eine Untersuchung seiner Sachen, die von Al-Jazeera TV in Auftrag gegeben und von einem hoch geachteten wissenschaftlichen Schweizer Institut durchgeführt und bestätigt wurde, Arafat sei mit Polonium vergiftet worden, einer tödlich wirkenden radioaktiven Substanz, die nicht aufgedeckt werden kann, wenn man nicht speziell nach ihr sucht.

Zwei Jahre nach Arafats Tod wurde der russische Dissident und frühere KGB/FSB-Offizier Alexander Litvinenko in London von russischen Agenten ermordet, die dieses Gift verwendeten. Die Ursache wurde durch Zufall von seinen Ärzten entdeckt. Er brauchte drei Wochen zum Sterben.

Näher an Israel, in Amman, wurde der Hamasführer Khaled Mash’al 1997 auf Befehl von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vom Mossad beinahe getötet. Die Mittel waren ein Gift, das innerhalb von Tagen tötet, wenn es mit der Haut in Kontakt kommt. Der Anschlag misslang, und das Leben des Opfers gerettet, als der Mossad durch ein Ultimatum von König Hussein gezwungen wurde, rechtzeitig das Gegengift zu liefern.

Wenn es Arafats Witwe Suha gelingt, seine Leiche aus dem Mausoleum in der Mukata in Ramallah, wo es zu einem nationalen Symbol wurde, exhumieren zu lassen, dann wird man zweifellos das Gift in seinem Körper finden.

ARAFATS MANGEL an angemessenen Sicherheitsregelungen hat mich immer erstaunt. Die israelischen Ministerpräsidenten sind zehnmal besser geschützt.

Ich machte ihm mehrfach Vorhaltungen. Er tat es mit einem Achselzucken ab. In dieser Hinsicht war er ein Fatalist. Nachdem sein Leben wunderbarerweise bei einer Flugzeugnotlandung in der Libyschen Wüste gerettet worden war und das aller anderen um ihn getötet, war er fest davon überzeugt, dass Allah ihn geschützt habe.

( Auch wenn er der Kopf einer säkularen Bewegung mit einem klaren säkularen Programm war, so war er doch ein praktizierender sunnitischer Muslim, der zu den Gebetszeiten sein Gebet verrichtete und keinen Alkohol trank. Doch hat er seinen Mitarbeitern seine Frömmigkeit nicht aufgezwungen.)

Einmal wurde er in Ramallah in meiner Gegenwart interviewt; der Journalist fragte ihn, ob er die Errichtung des palästinensischen Staates noch zu seinen Lebzeiten erwarten würde. Seine Antwort war: „ Wir beide, Uri Avnery und ich, werden dies noch erleben.“ Er war so sicher darin.

ARIEL SHARONS Entschlossenheit, Arafat zu töten, war wohl bekannt. Schon während der Belagerung von Beirut im 1. Libanonkrieg war es kein Geheimnis, dass seine christlichen Agenten Westbeirut nach seinem Aufenthaltsort durchkämmten. Zu Sharons großer Enttäuschung fanden sie ihn nicht.

Sogar nach Oslo, als Arafat nach Palästina zurückkam, hatte Sharon nicht aufgegeben. Als er Ministerpräsident wurde, wurde meine Angst um Arafats Leben wieder akut. Als unsere Armee während der „Operation Defensive Shield“ Ramallah angriff, brachen sie auch in Arafats Compound, die Mukata’a, ein und kamen bis 10m vor seine Räume. Ich hatte sie mit eigenen Augen gesehen.

Zweimal gingen meine Freunde und ich während der monatelangen Belagerung mehrere Tage zur Mukata’a, um als menschlicher Schutzschild zu dienen. Als Sharon gefragt wurde, warum er Arafat nicht töten würde, antwortete er, dass die Gegenwart von Israelis dort, dies unmöglich mache.

Doch vermute ich, dass dies nur ein Vorwand war. Es war die USA, die es ihm verboten hat. Die Amerikaner fürchteten zu Recht, dass eine offensichtliche Ermordung in der ganzen arabischen und muslimischen Welt einen anti-amerikanischen Wutausbruch verursachen würde. Ich kann es nicht beweisen, aber ich bin sicher, dass Sharon in Washington folgendes gesagt wurde: „Unter keinen Umständen ist es dir erlaubt, ihn in einer Weise zu töten, dass die Spur zu dir hinführt. Wenn du es machen kannst, ohne eine Spur zu hinterlassen, dann mach es.“

(Genau wie der US-Außenminister 1982 in ähnlicher Weise Sharon sagte, dass es ihm unter keinen Umständen erlaubt sei, den Libanon anzugreifen, wenn es nicht eine klare und international anerkannte Provokation gebe. Sie wurde prompt geliefert.

Durch einen unheimlichen Zufall hatte Sharon bald nach Arafats Tod selbst einen Schlaganfall und lebt seitdem im Koma.)

DER TAG, an dem Al-Jazeeras Schlussfolgerung in dieser Woche veröffentlicht wurde, ist zufällig der 30. Jahrestag meines ersten Treffens mit Arafat, das für ihn das erste Treffen mit einem Israeli war.

Es war auf dem Höhepunkt der Schlacht um Beirut. Um zu ihm zu gelangen, musste ich die Linien von vier Kriegsführenden überqueren – die der israelischen Armee, die der christlich-libanesischen Phalangemiliz, die der libanesischen Armee und die der PLO-Streitkräfte.

Ich sprach zwei Stunden lang mit Arafat. Dort, inmitten eines Krieges, in dem er jeden Moment seinen Tod erwarteten konnte, sprachen wir über einen israelisch-palästinensischen Frieden und sogar über eine Föderation von Israel und Palästina, der sich Jordanien vielleicht noch anschließen könnte.

Das Treffen, das von Arafats Büro verkündet wurde, war eine weltweite Sensation. Mein Bericht über dieses Gespräch wurde in mehreren führenden Zeitungen veröffentlicht. Auf meinem Weg nach Hause hörte ich im Radio, dass vier Kabinettsmitglieder verlangten, mich wegen Verrats vor Gericht zu bringen. Die Regierung von Menachem Begin instruierte den Staatsanwalt , eine strafrechtliche Untersuchung zu eröffnen. Doch nach mehreren Wochen entschied der Staatsanwalt, ich hätte kein Gesetz gebrochen. (Das Gesetz wurde kurz danach selbstverständlich verändert.)

BEI DEN vielen Treffen, die ich seitdem mit Arafat hatte, wurde ich vollkommen davon überzeugt, dass er ein wirklicher und vertrauenswürdiger Partner für den Frieden sei.

Langsam begriff ich, wie dieser Vater der modernen palästinensischen Befreiungsbewegung, von Israel und den USA als Erz-Terrorist betrachtet, der Führer der palästinensischen Friedensbemühungen wurde. Wenige Persönlichkeiten hatten in ihrer Lebenszeit das Privileg, zwei auf einander folgende Revolutionen anzuführen.

Als Arafat seine Arbeit begann, war Palästina von der Landkarte und aus dem Weltbewusstsein verschwunden. Indem er den „bewaffneten Kampf“ ( alias „Terrorismus“) benützte, gelang es ihm, Palästina zurück auf die Weltagenda zu setzen.

Sein Orientierungswandel geschah direkt nach dem Krieg von 1973. Man erinnere sich: dieser Krieg begann mit überwältigenden arabischen Überraschungserfolgen und endete mit einer

Schlappe der ägyptischen und syrischen Armeen. Arafat, von Beruf Ingenieur, zog die logische Konsequenz: wenn die Araber eine bewaffnete Konfrontation selbst unter solch idealen Umständen nicht gewinnen konnten, müssten andere Mittel und Wege gefunden werden.

Seine Entscheidung, mit Friedensverhandlungen mit Israel zu beginnen, ging vollkommen gegen den Strich der palästinensischen Nationalbewegung, die Israel als fremden Eindringling betrachtete. Arafat brauchte volle 15 Jahre, um sein eigenes Volk zu überzeugen, diese Linie zu akzeptieren, indem er all seine List, taktische Geschicklichkeit und Überzeugungskraft gebrauchte. Bei dem Treffen des palästinensischen Exilparlaments, des Nationalrates 1988, wurde sein Konzept angenommen: einen palästinensischen Staat Seite an Seite mit Israel in einem Teil des Landes zu gründen. Dieser Staat mit seiner Hauptstadt Ostjerusalem und seinen Grenzen, die sich seitdem auf die Grüne Linie gründen, sind das feste und unveränderliche Ziel, das Vermächtnis Arafats an seine Nachfolger.

Nicht durch Zufall begannen meine Kontakte mit Arafat zur selben Zeit: 1974. Zunächst waren sie indirekt über seine Assistenten und dann direkt mit ihm. Ich half ihm den Weg vorzubereiten, um Kontakt mit der israelischen Führung und besonders mit Yitzhak Rabin aufzunehmen. Dies führte 1993 zum Oslo-Abkommen – das durch den Mord an Rabin vernichtet wurde.

Als er gefragt wurde, ob er einen israelischen Freund habe, nannte Arafat mich. Dies gründete sich auf seine Überzeugung, dass ich mein Leben riskiert hatte, als ich ihn in Beirut aufsuchte. Was mich betraf, so war ich dankbar für sein Vertrauen in mich, als er mich dort traf – zu einem Zeitpunkt, als Hunderte von Sharons Agenten ihn suchten.

Aber abgesehen von persönlichen Beziehungen, war Arafat der Mann, der in der Lage und Willens gewesen wäre, mit Israel Frieden zu machen – und was noch wichtiger ist: sein Volk – einschließlich der Islamisten - dahin zu bringen, dies zu akzeptieren. Dies hätte dem Siedlungsunternehmen ein Ende gesetzt.

Genau deshalb wurde er vergiftet.

(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

Da hab ich es ja mit zwei guten Freunden zu tun ! Einem Israeli (tut mir leid, Herr Russak, dass ich Sie als Diaspora-Brigadisten bezeichnet habe) und einem ausgewanderten Basler. Einem Zionisten der ersten - oh, sorry zweiten Stunde - (immer gemäss dem Gast Kommentar in "Uris Tagebuch"). Nun denn, meine Herren, ob Sie Juden, Muslime, Christen (oder es da sonst noch so alles gibt) sind, ist mir völlig egal, da ich persönlich keine religiösen Präferenzen habe. Damit betrachte ich Ihren Versuch, mich als Antisemiten in die berühmte Ecke zu stellen als gescheitert. Ich kann Ihnen beiden aber andere Zielscheiben Ihrer Antisemitismus-Kampagne geben: DAS EU-PARLAMENT. Da erdreistet sich doch dieses Gremium, den Extremismus und die Gewalt israelischer Siedler gegen palästinensische Zivilisten (merke: nicht Araber genannt) aufs Schärfste zu verurteilen. Dann bekräftigt dieses unsägliche Gremium auch noch die Forderung nach einem Stopp des Ausbaus israelischer Siedlungen im Westjordanland und in Ostjerusalem. Es kommt aber noch besser: Das EU-Parament fordert die Freilassung von 4500 Palästinensern (darunter 240 Kindern und 24 inhaftierten Mitgliedern des Palästinensischen Legislativrates) aus israelischen Gefängnissen. Es versteht sich von selbst, dass diese Personen nicht verurteilt sind und in einigen Fälle gefoltert werden/wurden. Nun kommt noch der absolute Hammer: Das EU-Parlament bekräftigt die Forderung nach einer Aufhebung der Blockade des Gazastreifens. (Sie können diesen Artiel von afp in der NZZ vom 6.7.2012 nachlesen). So, nun hoffe ich, dass Ihr beide ein neues Feindbild habt. Zum Schluss noch ein anderer Literatur-Tip: "Die ethnische Säuberung Palästinas" von Ilan Pappe. Und ganz zum Schluss noch dies: Ihre Qualifikation von Frau Hecht-Galinski entspricht wohl ganz den Erwartungen dieser bewunderswerten Frau. Wie sagte doch ihr Vater: "Ich habe nicht Auschwitz überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen".

Mein lieber Herr Kühne,

Eigentlich riet ich meinen Freunden ab, auf ihren ersten Brief zu antworten. Eine Antwort darauf gebührt ihnen nähmlich nicht, sie sind eine An nicht wert. Und doch konnte ich es mir nicht verkneifen einmal einem richtigen Judenhasser in den f. Hintern zu treten. Im übrigen lebe ich in Israel und das schon seit Mitte der vergangenen Fünfzigerjahren.

Bin ich froh über ihren Brief. Jetzt wissen wir wenigstens, von wo sie ihren Hass und die Informationen dazu, herhaben. Wissen sie, ich bin auch froh, dass die die sogenannte Antisemitismuskeule ins Gespräch bringen. Eigentlich heisst sie ja Holocaustkeule und sie uns Juden anzulasten ist wohl eine der ganz grossen Frechheiten in jedem Diskurs zum Thema Juden und Israel. Als hätten wir Juden uns selbst zu sechs Millionen umgebracht. Wie wäre es, wenn sie zur Abwechslung mal richtige Bücher lesen, statt den Stuss einer Evelyn Hecht-Galinski, die nach dem Tode ihres grossen Vaters Heinz Galinsky an einem umgekehrten Oedipus-Komplex zu leiden scheint. Ich bin gerne bereit ihnen wertvollere Literatur zum Thema vorzuschlagen. Sie brauchen nur zu fragen.

Ihr ergebener Paul Uri Russak

Der von aggresiver, israelfeindlicher Propaganda beherrschte sog. Kommentar des Herrn Kühne ist wahrlich kein Beitrag, um das Prosperieren eines jüdischen und eines arabischen Staates zu fördern, gemäss den seit 1937 bestehenden Teilungsplänen. Er bedient sich leider jener Werkzeuge, die seit 2000 Jahren den Antisemiten dienlich waren: Der Verleumdungen, Lügen und namentlich auch der Umkehrung geschichtlicher Tatsachen, damit dann der Jude als Sündenbock dastehe.

Offensichtlich völlig blind und taub für die Wahrheit weist er weit von sich, dass die Proklamation der Errichtung des später von der UNO anerkannten Staates Israel erklärte: „ Wir strecken allen Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und auf gute Nachbarschaft entgegen und appellieren an sie, mit dem in seinem Lande selbständig gewordenen jüdischen Volke in gegenseitiger Hilfe zusamenzuarbeiten. Der Staat Israel ist bereit seinen Anteil an der gemeinsamen Anstrengung beizutragen, den ganzen vorderen Orient zu entwickeln“.

So bleibt eben unberücksichtigt, dass die unverzügliche Antwort ein zur Vernichtung Israels gedachter Kriegsangriff von 5 arabischen Staaten war, später gefolgt von periodischen, weitern kriegerischen Offensiven, Bomben-Terror, Tricks und Worten zur Verhinderung eines Friedens-Vertrages und logischerweise damit die Verlängerung der Besetzung der Westbank. Dass die bedingungslose Beendigung der Besetzung des Gaza-Streifens statt einer Kooperation das Abfeuern von rund 13‘ 000 Raketen auf zivile Ziele in Israel zur Folge hatte, ist offenbar für Herrn Kühne völlig belanglos. Aber auch das Aufkaufen von gegen 3000 km2 Boden allein durch den schon am Anfang der Zionistischen Bewegung geschaffenen „Jüdischen National Fonds“, der auch mit rund 200 Millionen Bäumen Brach-Land aufforstete,Sümpfe trocknete und die Wasser-Versorgung verbesserte.

Abschliesend gebe ich zu bedenken, dass auch die Schweiz erst dann die Ruhe der Erwachsenen geniessen konnte, als die positiv Eingestellten und Wirkenden 1848 die Annahme eine Verfassung für einen Bundesstaat erreichen konnten und damit 300 Jahre harte, verbissene, blutige Religions-Fehden endlich aufhörten.

Roger Guth, Kfar Saba - Israel

Herr Paul Uri Russak tut genau das, was Frau Evelyn Hecht-Galinski in ihrem Buch "Das elfte Gebot: Israel darf Alles" beschreibt: Er packt die Antisemitismus-Keule aus und haut blindlings drauflos. Ein (gemäss Frau Hecht-Galinski) typischer Vertreter der Diaspora-Brigaden. So wird das Problem sicher nicht gelöst.

Es ist schade, dass wertvoller Journalismus wie Reinhard Meiers vorliegender Artikel mit Schmierereien wie die von Kurt Kühne verschmutzt wird. Man mag mit der heutigen Regierung Israels nicht einverstanden sein, doch Kühnes Kommentar ist nichts als antisemitischer Dreck. Doch auch er darf sich äussern, solange er nicht direkt zu Gewalt aufruft. Verdienen tut er das nicht. Ohne freie Meinungsäusserung wären wir nicht besser als unsere Nachbarn in ihrem arabischen Winter.

Die Palästinenser sollen also die "Weltmeinung" verbessern und keine "Raketen" mehr auf "Israel" abfeuern? Herr Meier, werden Sie Erwachsen !! Ein Friede in Palästina hängt einzig und alleine von der Regierung, also vom vorbestraften Bibi und seinem Freund dem ehemaligen Türsteher Liebermann, ab. Israel ist an einem Staat Palästina in keiner Art und Weise interessiert - jedenfalls nicht, bevor Sie alles Land gestohlen, als Olivenbäume zerstört, sämtliche Gefangenen im grössten Freiluftgefängnis (Gaza) vollends traumatisiert haben. Verlangen Sie keinen de Gaulle für irgendeine Partei - aber schreiben Sie vom von Israel verursachten Leid des palästinensischen Volkes.

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