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Von Christoph Kuhn, 09.07.2018

Flüchtlingskrise mit absurden Folgen

Zum Lebensinhalt eines an gesellschaftlichen Phänomenen und Entwicklungen interessierten Zeitgenossen gehört es gegenwärtig, sich kontinuierlich mit der Flüchtlingsproblematik zu beschäftigen. Was nicht leicht fällt. Zum einen ist das Problem überaus komplex und infolge dessen denkbar ungeeignet, um in absehbarer Zeit, mit schnell greifenden Massnahmen gelöst zu werden. Das wissen alle. Zum andern überbieten sich Politikerinnen und Politiker aller Couleur darin, abstruse Lösungsvorschläge machtvoll in die Welt hinauszuposaunen, Wunschvorstellungen zumeist, die mit der Wirklichkeit wenig bis nichts zu tun haben, was einem Teil der Posaunisten durchaus bewusst sein wird.

Was dabei erstaunt und schwer zu verstehen ist: Alle Statistiken zeigen, dass wir es mit dem, was in den Medien als „akute Flüchtlingskrise“ bezeichnet wird, gar nicht zu tun haben. Die Zahl der Menschen, die nach Europa flüchten, nimmt markant ab, die brutalen, teilweise menschenverachtenden Massnahmen, die zu diesem Ergebnis führen, scheinen zu greifen. Was die Vertreter der CDU und der CSU in Deutschland nicht daran hindern konnte, sich über der nicht akuten Flüchtlingsproblematik derart in die Haare zu geraten, dass sie darob das Regieren vergassen. Es ist, als ob die Hysterie in der öffentlichen Auseinandersetzung umgekehrt proportional zu den belegten Fakten steigen würde.

Was weiter auffällt, ist der Eifer, mit dem die Classe politique sich müht, laufend neue Begriffe zu finden, um das, was sie anordnen möchte, schönzureden. So sollen die Gebäude in Deutschland, in denen Grenzüberquerer überprüft werden und die je nach demjenigen, der sie propagiert, mehr einem Ferienlager oder mehr einem Gefängnis gleichen, nach jüngster Sprachregelung „Transferzentren“ heissen, was harmlos tönt, an Fussballtrainingslager denken lässt.

Man spürt beim Versuch, sich ein Bild zu machen, die Informationen zu sortieren, dass man selber die banalsten, die einfachsten Tatsachen aus den Augen zu verlieren droht. Mag es auch pathetisch tönen, man muss es sich doch stetig wieder sagen: Wer da zu uns kommt, als Flüchtling, Migrant, Asylsuchender, Zugewanderter oder wie immer er bezeichnet wird, ist unseresgleichen, ein Mensch, dem mit Respekt zu begegnen ist.

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Kommentare

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"ein Mensch, dem mit Respekt zu begegnen ist" Wie bitte? Müssen wir alle, auch böswillige, lügnende, kriminelle, illegale, schmarotzende Eindringlinge willkommen heissen und mit Respekt begegnen? Ja, das christliche Gebot der Nächstenliebe wird arg strapaziert. Ich weiss, eine politisch nicht korrekte Anmerkung, und wird deswegen wohl kaum veröffentlicht.

Was Sie hier predigen, das ist doch Ausdruck einer moralisierenden Phraseologie ersten Ranges, geht es doch hier genau nicht um "Respekt", sondern um die Alimentation eines Fremden, der - juristisch gesehen - kein Flüchtling, sondern ein Migrant ist. Niemals würden Sie einen Russen oder einen Chinesen, der "zu uns kommt", um auf unsere Kosten zu leben, alimentieren. Würden wir Ihrem Ruf Folge leisten und die 60 Millionen "Flüchtlinge" aufnehmen, die es weltweit geben soll, dann würde Ihre Denke als das entlarvt werden, was sie ist: eine antipolitische Gutmenschen-Ideologie, weil die Nützlinge mit ihrer und durch ihre Alimentation ihren Wirt brotlos machen und beide Parteien - es handelte sich dann nach Ihrer Terminologie um 140 Millionen "Flüchtlinge" - weiter wandern würden. Naheliegender Weise zu Ihnen in die Schweiz!

>"Was weiter auffällt, ist der Eifer, mit dem die Classe politique sich müht, laufend neue Begriffe zu finden, um das, was sie anordnen möchte, schönzureden."

Was bleibt der bemitleidenswerten Classe denn anderes übrig??

Die ungeliebte Wahrheit wäre ja ganz einfach:

Entweder reduzieren wir unseren Lebensstandard so weit dass kein Anreiz mehr zur Migration besteht, oder wir schotten ab. Traurig aber wahr...

Ein grosses Merci für Ihren kurzen und differenzierten Kommentar Herr Kuhn. Momentan macht mir die Berichterstattung sowie der politische Diskurs zu Migration grosse Angst. Wenn flüchtende Menschen sowie Menschen die aus wirtschaftlichen Gründen versuchen zu migrieren pauschal als "Touristen" verunglimpft werden, ist dies ein riesiger zivilisatorischer Rückschritt. Ausserdem verstehe ich als junger Mensch nicht, wie Politiker - welche zumeist ältere, eigentlich auch erfahrenere Menschen sind - ernsthaft diskutieren können, dass man Menschen als Abschreckung ertrinken lassen sollte, damit weniger von ihnen übers Mittelmeer kommen. Erstens kommen ja sowieso (ohne grausamste Abschreckungsmassnahmen) in den letzten drei Jahren schon weniger Menschen übers Mittelmeer. Und zweitens zeigen solche Aussagen eine barbarische, unmenschliche Grundhaltung, welche ich eigentlich nur aus den Geschichtsbüchern zu Ruanda oder zum 2. Weltkrieg kenne und welche mich in unseren Wohlstandsgesellschaften zutiefst überrascht hat. Natürlich müssen europäische Staaten das Schlepperwesen über das Mittelmeer unterbinden. Aber dies muss mittels gescheiterer Massnahmen machbar sein, als durch eine Abschreckungspolitik, welche unsere eigenen Gesellschaften ins tiefste Mittelalter zurückfallen lässt.

Wenn ich Sie Recht verstanden habe, so sind auch Sie kein Propagandist von illegaler Einwanderung, sondern Sie ängstigt und empört eine Politik, die auf Abschreckung setzt?!
Wie aber wollen Sie "das Schlepperwesen über das Mittelmeer unterbinden", wenn nicht durch Abschreckung derjenigen, die diese Dienstleistung anbieten, also die sogenannten NGOs, die mit gecharterten Schiffen den Fährdienst besorgen?
Wenn es diesen Geschäftszweig nicht mehr gibt, weil die in Betracht kommenden Regierungen Schleppern keine Aufnahme mehr erteilen, dann besteigt auch kein Migrant mehr ein Schlauchboot, von dem er weiß, dass es nicht seetüchtig ist. Und dann wird es auf dem Mittelmeer auch nicht mehr zu Todesfällen kommen. Sie sehen: was in Ihren Augen aussieht wie eine "barbarische, unmenschliche Grundhaltung", das ist in Wirklichkeit die "gescheite Maßnahme", die Sie sich gewünscht haben. Sie hätten in punkto Vermeidung illegaler Einwanderung und Vermeidung von Ertrinkenden keine bessere Maßnahme vorzuschlagen, vermute ich?

Vielen Dank für diesen sachlichen Bericht über die populistische Asyl-Hysterie. Wie lange noch lassen sich die Menschen von unreifen Populisten einreden, dass Unmenschlichkeit der Weg zu mehr Menschlichkeit sei?

Herr Schwab, das mit den unreifen Populisten sehe ich absolut nicht wie sie. Die BürgerInnen die sich gegen eine unkontrollierte und teils gesetzeswidrige Einwanderung stellen, sind Menschen unseresgleichen, denen mit Respekt für ihr Anliegen zu begegnen ist. Ihr Anliegen ist es den Regierenden aufzuzeigen, dass diese unkontrollierte "Schleusenöffnung" mit Menschlichkeit wenig zu tun hat, das Problem nicht löst, weder bei uns in Europa noch in den Ländern wo diese Menschen herkommen! Es bedarf eines Lösungsansatzes der die Ängste der hiesigen Bevölkerung berücksichtigt, die Migration steuert, den unsäglichen Menschenhandel mit vielen Toten verhindert, Schlepper (inkl. NGO) bestraft, und die Entwicklung der Herkunftsländer der Flüchtlinge berücksichtigt. Es ist ein magische Vieleck wie wir es auch der Makroökonomie kennen und auch entsprechend "managen". So sieht für mich Menschlichkeit aus - und Populisten sind die, die mit jedem ihnen verfügbaren Spielchen ihre Machtposition verteidigen und weniger an einer echten Problemlösung interessiert sind.

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