„Titanin des Rechts“

Journal21's picture

„Titanin des Rechts“

Von Journal21, 20.09.2020

Das Time Magazine setzt die verstorbene Hoffnungsträgerin von Millionen Amerikanern und Amerikanerinnen auf die Frontseite.

Noch nie hat Amerika um den Tod einer Richterin oder eines Richters so getrauert. Tausende versammeln sich vor dem obersten amerikanischen Gericht, dem Supreme Court, zünden Kerzen an und legen Blumen nieder.

(Foto: Keystone/EPA/Michael Reynolds)
(Foto: Keystone/EPA/Michael Reynolds)

Ruth Bader Ginsburg, genannt R.B.G., die älteste Bundesrichterin, die vorgestern starb, war mehr als eine Richterin. Sie war eine Galionsfigur des liberalen Amerika, eine Kämpferin für Frauenrechte und für ein weltoffenes Land.

Den meisten Republikanern war R.B.G. ein Dorn im Auge. Doch sogar Donald Trump nannte die Verstorbene jetzt eine „Titanin“ des Rechts, die nicht nur Generationen von Juristen, sondern alle Amerikaner inspiriert habe. Sie sei eine „einmalige Frau“ gewesen, die ein „einmaliges Leben“ gelebt habe, sagte er. Im Weissen Haus und im ganzen Land wurden Fahnen auf Halbmast gesetzt. Auch vor dem Geburtshaus der jetzt Verstorbenen in Brooklyn versammelten sich Trauernde.

Am 10. August 1993 war Ruth Bader Ginsburg in Anwesenheit von Präsident Bill Clinton als Richterin am Supreme Court vereidigt worden. Zweiter von rechts: Martin Ginsburg, der Mann von Ruth Bader Ginsburg (Foto: PD/Ralph Alswang/White House Photograph Office - US National Archives and Records Administration)
Am 10. August 1993 war Ruth Bader Ginsburg in Anwesenheit von Präsident Bill Clinton als Richterin am Supreme Court vereidigt worden. Zweiter von rechts: Martin Ginsburg, der Mann von Ruth Bader Ginsburg (Foto: PD/Ralph Alswang/White House Photograph Office - US National Archives and Records Administration)

Die Republikaner hoffen nun, Ruth Ginsburg mit einer konservativen Person ersetzen zu können. Dann könnte der Supreme Court liberale gesellschaftspolitische Errungenschaften rückgängig machen und das Land endgültig in die Arme stockkonservativer, teils weltfremder Kräfte treiben. Ginsburg hatte auf dem Sterbebett ihrer Nichte erklärt, ihr sehnlichster Wunsch sei, dass sie nicht ersetzt werde, bevor ein neuer Präsident sein Amt antrete.

„My Most Fervent Wish Is That I Will Not Be Replaced Until a New President Is Installed“

Trump deutete jedoch schon an, er werde den vakanten Posten rasch besetzen. Beobachter sind sich uneinig, wie und ob der Tod von Ruth Ginsburg die Wahlen beeinflussen wird. Wird Trump davon profitieren, wenn er die konservative Mehrheit im obersten Gericht rasch mit einem ihm genehmen Richter oder einer ihm genehmen Richterin zementieren wird? Oder würde ihm das schaden?

Offizielles Bild von Ruth Bader Ginsburg, aufgenommen im März 2006 (Foto: Supreme Court of the United States)
Offizielles Bild von Ruth Bader Ginsburg, aufgenommen im März 2006 (Foto: Supreme Court of the United States)

(J21)

Die Republikaner haben den Präsidenten und den Senat, also jedes Recht den Richter nach ihren Vorstellungen zu stellen. B. Obama hatte damals eben keinen demokratisch dominierten Senat. Hätte er einen Kandidaten vorgestellt, der für den Senat tragbar gewesen wäre, dann wäre dieser bestimmt bestätigt worden. D. Trump sollte sich natürlich überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre wieder eine Frau zu berufen und eventuell jemand, der nicht stramm konservativ ist. Aber das muss er selbst wissen, ob es opportuner ist die Reihen zu schliessen oder auf die Unparteiischen zuzugehen.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren

«Belarus - ein Modell unserer Zukunft»

Reinhard Meier: Die belarussische Nobelpreisträgerin Swetlana Aleksijewitsch hat die russischen «Brüder» um Solidarität mit ihrem Volk gebeten. Die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja antwortete, Belarus sei ein «Modell unserer nahen Zukunft». Mehr…