Tessiner Monatsheft in deutscher Sprache

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Tessiner Monatsheft in deutscher Sprache

Von Beat Allenbach, 24.07.2012

TES – so der Name des neuen Magazins – hat zum Ziel, das Tessin, seine Stärken und seine Probleme in der Deutschschweiz besser bekanntzumachen. Von Tessinern entwickelt, erscheint es vorerst nur in deutscher Sprache.

Viele Tessiner sind der Meinung, ihr Kanton sei in der übrigen Schweiz wenig bekannt, es bestehe ein schiefes Bild und sie würden nicht verstanden. Das mag auch mit der veränderten Mediensituation zusammenhängen, denn viele Korrespondentenposten in der italienischen Schweiz wurden abgebaut. Heute taugen vor allem Skandale und Konflikte als Stoff für Zeitungsartikel, die Normalität wird ausgeblendet, die Wirklichkeit verzerrt.

Drei Tessiner haben deshalb ein ehrgeiziges Projekt gestartet, „TES – die unabhängige Tessiner Zeitschrift für die Schweiz“. Ihre Absicht: Den Wandel in der Tessiner Wirtschaft sowie die vielfältigen Beziehungen zur Eidgenossenschaft und zur italienischen Nachbarschaft aufzeigen. Das Projekt wird getragen von einem Verleger, einem Anwalt und einem Ökonomen. Sie haben das Startkapital eingebracht und hoffen, dass TES dank Inseraten und Abonnenten überleben werde.

Die Zeitschrift möchte auf der Alpennordseite In erster Linie Politiker sowie massgebende Personen aus Wirtschaft und Kultur erreichen. Neben Tessinern gehören zu den Autoren Journalisten und Journalistinnen deutscher Sprache, die im Tessin leben. Kürzlich ist die 2. Nummer erschienen.

"Zeitschrift für die Schweiz" - keine Floskel

Es ist keine Floskel, wenn auf der Titelseite u.a. geschrieben steht „Zeitschrift für die Schweiz“. Das Titelthema der ersten Nummer lautet: „Demokratie Schweiz: Quo vadis?“. Das Thema wird vorwiegend aus der Sicht des Tessins dargestellt, Interviewpartner ist ex-FDP-Präsident Fulvio Pelli. Ein Dauerbrenner ist der Transitverkehr und der von vielen Tessinern geforderte Bau einer 2. Röhre, die den Verkehr aufnehmen soll, wenn der Gotthard-Strassentunnel in einigen Jahr für die Sanierung vorübergehend gesperrt werden wird. Die schwierigen Beziehungen zwischen der Schweiz dem Tessin und Italien sowie die Chancen des Austausches mit Italien werden in einem grösseren Rahmen dargestellt; in der übrigen Presse geschieht das oft nur punktuell.

Sind 100 Seiten verkraftbar?

TES bietet interessanten Lesestoff, z.B. die Erfolgsgeschickte von Ulrich Hoepli aus dem Thurgau, der 1871 in Mailand eine Buchhandlung kaufte und sie zu einem international bekannten Verlag ausbaute; heute wird das Unternehmen von den Hoeplis der fünften Generation geführt. Neben Politik, Wirtschaft und Gesellschaft steht die Kultur im Fokus der Redaktion. Auch unbequeme Meinungen, wie jene, dass der Euro nicht überleben werde, machen die Zeitschrift zu einer anregenden Lektüre.

Im breitgefächerten Angebot gibt es auch Belangloses, und es stellen sich zwei Fragen: Ist ein Heft von 130 Seiten – in Zukunft soll es um die 100 Seiten umfassen – für den anvisierten vielbeschäftigten Leserkreis verkraftbar? Und sind längerfristig im Tessin und in seiner Nachbarschaft für 10 dicke Nummern pro Jahr genügend Themen für relevante und anregende Artikel zu finden? Mitbegründer und Redaktor Alessandro Cavadini, ein junger Ökonom, ist zuversichtlich: „Wenn die Empfänger unsere Zeitschrift durchblättern und zwei, drei Artikel lesen, ist schon vieles erreicht, und keine Angst habe ich, dass uns die Themen ausgehen könnten.“


TES – die unabhängige Zeitschrift für die Schweiz. Politik/Wirtschaft/Kultur/Gesellschaft. Verlag TES Magazine SA, Lugano. Auflage 20'000, Einzelnummer am Kiosk CHF 8.-- www.tesmagazine.ch

Kommentare

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Lieber 10 Mal im Jahr ein qualitativ hoch stehendes Magazin - und das ist zumindest die zweite Ausgabe des TES Magazine - als der tägliche Brei unserer Tageszeitungen, die mir allesamt und sonders immer mehr aus dem Hals heraushängen - inkl. Tagi und NZZ. (Journal21 ist eine löbliche Ausnahme.)

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Das Historische Bild

Vor 50 Jahren, am 28. September 1966, starb André Breton. Er gilt als der wichtigste Vertreter des Surrealismus in Frankreich. Im 9. Arrondissement in Paris trägt ein Platz seinen Namen. Ursprünglich wollte André Breton, geboren 1896, Arzt werden. Aber seine Begegnungen mit Paul Valéry, Stéphane Mallarmé und Guillaume Apollinaire führten dazu, dass er sein Medizinstudium abbrach, um freier Schriftsteller zu werden. 1919 gründete er zusammen mit Louis Aragon und Philippe Soupault die Zeitschrift Littérature, die sich zunehmend dem Dadaismus öffnete. 1924 verfasste Breton auch unter dem Einfluss surrealistischer Maler wie Max Ernst und Salvatore Dali das „Manifest des Surrealismus“. Ursprünglich stand diese Bewegung dem Sozialismus nahe, aber 1935 brachen Breton und einige seiner Freunde mit der kommunistischen Partei Frankreichs. Während des 2. Weltkrieges emigrierte Breton mit finanzieller Unterstützung von Peggy Guggenheim zusammen mit seiner 2. Frau, der Malerin Jacqueline Lamba, nach New York. Der Begegnung mit ihr widmete Breton sein vielleicht erfolgreichstes literarisches Werk, L´Amour fou. Nach dem Krieg kehrte Breton nach Paris zurück und blieb dem Surrealismus, der bereits seinen Zenit überschritten hatte, verbunden. André Breton trug im Laufe seines Lebens die bedeutendste Privatsammlung surrealistischer Kunst zusammen. Nach seinem Tod wurden zahlreiche Werke versteigert. Das Centre Pompidou hat einen Teil der Sammlung erworben und stellt sie in einem eigens dafür eingerichteten Raum aus. (Foto: Keystone/STR) Mehr…