Selbstfahrend an die Mauer

Alex Bänninger's picture

Selbstfahrend an die Mauer

Von Alex Bänninger, 09.12.2016

Die „selbstfahrenden Autos“ sind auf Schleuderkurs - sprachlich gesehen.

Die Doppelmoppel-Sprachfamilie mit dem „runden Kreis“, den „bunten Farben“, dem „inneren Gefühl“ und der „Volksdemokratie“ erhielt Zuwachs. Die „selbstfahrenden Autos“ rollten auf sie zu.

Nach „anfänglichen Startschwierigkeiten“ mit „lästigen Ärgernissen“ wie umgeholzten „Baumalleen“, Irrfahrten über „Sanddünen“ und verletzten „Rentieren“ erlauben jetzt die „zusammenaddierten“ Resultate der „Testversuche“ die „Zukunftsprognose“, dass für uns „Einzelindividuen“ die „Eigeninitiative“ fürs Drücken der „Fusspedalen“ entfällt und in der „Rückerinnerung“ allmählich verblasst.

Die Beispiele illustrieren die „fundamentale Grunderkenntnis“, wie fröhlich wir in die Pleonasmus-Grube springen. Doch den „weissen Schimmel“ lassen wir uns insofern zu Unrecht als „berühmten Star“ der Doppelmoppel-Sprachfamilie „aufoktroyieren“, als es auch Braunschimmel, Rot-, Fuchs-, Grau- und Apfelschimmel gibt. Neben den schwarzen, grünen und gelben Schimmeln – aber das sind Schimmelpilze. Farblos dagegen ist der Amtsschimmel.

Zweifellos in die „Glasvitrine“ der sinnfrei aufgeplusterten Begriffe gehört als neueres Schmuckstück das „selbstfahrende Auto“. Es bewegt sich seit je aus eigener Kraft und heisst darum Automobil. Seine intelligente Modernisierung wirkt unter dem Begriff „selbstfahrendes Selbstfahr-Objekt“ unverdient albern.

Zur Unterscheidung der Autos mit Fahrern von den Autos mit ausschliesslich Mitfahrern wäre die Bezeichnung „Roboter-Auto“ die bessere Lösung.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Geschätzter Herr Bänninger

Eventuell wäre in diesem Fall etwas, das bereits da war, zu hinterfragen; zumindest meine Autos sind nie, nie von selbst, also Auto-matisch gefahren.

Es gab des Öfteren welche, die wollten auch mit meinem Zutun überhaupt nicht fahren. Ohne tendenziös oder polemisch sein zu wollen, ich hatte diese ja selber gewählt, es waren zumeist englische Marken.

Es gab auch ein gut motorisiertes deutsches Modell mit Jahrgang 1970, das wollte in einem schlecht beleuchteten, schmalen italienischen Tunnel ohne Pannenstreifen auch gegen meinen Willen Auto-matisch immer schneller fahren; Grund war ein verklemmtes Gaspedal.

Und es gab Eines, gebaut & gefahren in den Staaten, dessen gesamte Lichtanlage, auch im Innenraum, bei zügiger Fahrt auf dunkler Strasse komplett ausfiel, nur um bange, aber sehr lange Sekunden später wieder für immer hell zu leuchten. Auch hier einige Auto-matismen.

Aber keines, nicht ein einziges, fuhr Auto-matisch; immer musste ich persönlich mit einem "Zündschlüssel" den Motor starten; danach war ebenfalls durch mich der "Gang" einzulegen; auch mit gutem Zureden erfolgte dies nie von selbst. Erst nach meinem gefühlvollen "Loslassen des Kupplungpedales", Fahrzeuge mit Auto-mat ausgenommen, bewegten sie sich, beziehungsweise fuhren sie.

Unbedarft wie ich war, habe ich dennoch den Begriff Auto von meinen Eltern übernommen. Wohl nicht zuletzt auch deshalb, da man sich offensichtlich reihum auf diesen verständigt hatte.

Könnten wir uns auf den "Selbstfahrenden Motorwagen" einigen? Nur damit wir uns verstehen; auch selbstfahrendes Auto wäre mir weiterhin recht...

Mit herzlichen Grüssen, M. Brönnimann

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren