Saudi-Arabien heuert kolumbianische Söldner an

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Saudi-Arabien heuert kolumbianische Söldner an

Von Arnold Hottinger, 09.11.2015

Die siebenmonatige saudische Offensive in Jemen hat bisher wenig bewirkt. Im Gegenteil: Die Huthis rücken wieder vor.

Seit über sieben Monaten bombardiert die saudische Koalition Ziele in Jemen. Jede Nacht fallen Bomben. Doch die Bodenoffensiven kommen nicht voran.

Die laut angekündigte Offensive östlich von Marib hat nie wirklich begonnen. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition hatte Truppen in das hundert Kilometer östlich von Sanaa gelegene Gouvernement Marib verfrachtet. Von dort aus sollten sie Richtung Sanaa und Saada vorstossen. Doch die Huthis hatten Strassen und Pisten vermint. Die Verluste der saudischen Koalition waren anscheinend allzu gross.

Jemen (Karte: Journal21.ch/stepmap.de)
Jemen (Karte: Journal21.ch/stepmap.de)

Unsicheres Aden

Die Huthi-Milizen und die Truppen, die im Solde von Ex-Präsident Ali Saleh stehen, waren im Juli aus der südlichen Hauptstadt Aden und den südlichen Provinzen vertrieben worden. Die von Saudi-Arabien unterstützte und ins Exil vertrieben Regierung von Präsident al-Hadi wollte daraufhin Aden zur provisorischen Hauptstadt Jemens machen. Doch die Unsicherheit blieb in der Stadt so gross, dass die Minister al-Hadis schon nach wenigen Tagen wieder abreisten. Das Luxushotel in Aden, wo der provisorische Regierungssitz aufgeschlagen wurde, war Ziel eines Selbstmordanschlags.

Laut jüngsten Berichten sollen die Huthis in Südjemen eine Gegenoffensive gestartet haben. Unterstützt werden sie von abtrünnigen jemenitischen Armee-Einheiten. Bereits sollen die Huthis die Stadt Damt zurückerobert haben, die zweitgrösste Stadt der Provinz Lahey. Inzwischen hätten die Huthis Stellung auf den Anhöhen über der Militärbasis von al-Anad bezogen. Von dort aus wird der Zugang nach Aden überwacht.

Saudi-Arabien schont seine Truppen

Die Anhöhen über der Basis al-Anad seien von den Huthis und ihren Verbündeten kampflos besetzt worden, heisst es in Berichten aus Jemen. In der Basis selbst befinden sich Truppen aus dem Sudan. Diese 500 Mann haben vor kurzem die zur saudischen Koalition gehörenden Bodentruppen verstärkt. Die Präsenz der sudanesischen Truppen deutet darauf hin, dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre eigenen Truppen schonen möchten und es vorziehen, andere Truppenverbände zu bezahlen und einzusetzen.

Offenbar sollen die Saudis auch in Kolumbien Söldner für den Kampf in Jemen anheuern. Andern Berichten zufolge sind es die Vereinigten Arabischen Emirate, die in Kolumbien Kämpfer für den Krieg in Jemen aufbieten und bezahlen.

Tausend Dollar pro Woche, tausend Dollar pro Tag

In Kolumbien herrscht zurzeit ein Waffenstillstand zwischen der Regierung und den Farc-Rebellen. Nach Angaben kolumbianischer Medien werden kolumbianischen Armee-Angehörigen tausend Dollar in der Woche geboten. Sie müssen sich für einen dreijährigen Diensteinsatz in Jemen verpflichten. Tausend Dollar die Woche sind viel weniger als europäische und amerikanische Söldner verlangen. Diese fordern manchmal bis zu tausend Dollar pro Tag.

Doch die tausend Dollar pro Woche sind immer noch viel mehr als der Sold, den die kolumbianische Armee ihren Soldaten zahlt. Die Armee-Angehörigen sind kampferprobt; jahrelang standen sie im Einsatz gegen die Farc-Rebellen. Gemäss Medienberichten sollen bereits 800 kolumbianische Soldaten angeheuert worden sein; hundert von ihnen seien bereits in Jemen angekommen.

Demgegenüber sind die Soldaten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wieder abgezogen und heimgekehrt. Bei einem Bombenanschlag in der Wüste von Marib waren 68 ihrer Soldaten ums Leben gekommen. Die überlebenden Heimkehrer wurden in Abu Dhabi als Helden empfangen.

Es fehlen "die Stiefel"

Auch in Taez, der drittgrössten Stadt des Landes, kämpfen die Huthis weiter. Die Burg über der Stadt wird von Kämpfern aus der Stadt gehalten, die sich gegen die Huthis und ihre Verbündeten wehren. Diese al-Hadi-treuen Einheiten wurden im Morgengrauen des 3. und 4. Novembers von saudischen Flugzeugen mit abgeworfenen Waffen und mit Munition versorgt. Saudische Kampfflugzeuge bombardierten auch einmal mehr das Hauptquartier jener jemenitischen Armee-Einheiten, die sich auf Seiten der Huthis geschlagen hatten.

Die Saudis und ihre Koalitionspartner stehen in Jemen vor den gleichen Schwierigkeiten wie die Amerikaner und ihre Verbündeten in Syrien und im Irak: Es fehlen „die Stiefel“, die Infanterie-Soldten.

Die Gegner der Saudis und der Amerikaner lernen immer mehr, sich vor den Luftangriffen zu schützen. Noch immer kontrollieren sie weit ausgedehnte Landstriche und sind weiterhin in der Lage, überraschend die Initiative zu ergreifen und an den langgezogenen Fronten zuzuschlagen.

Keine Friedensverhandlungen

Die angekündigte Friedensoffensive der Uno ist einmal mehr stecken geblieben. Zwar haben beide Seiten der Uno-Resolution 2216 zugestimmt. Diese sieht vor, dass die Huthis die Hauptstadt Sanaa räumen und ihre Waffen abliefern.

Doch jetzt wollen die Huthis über konkrete Schritte verhandeln, wie die Resolution umgesetzt werden soll. Demgegenüber erklärt die in Saudi-Arabien exilierte Regierung von Präsident al-Hadi, der Abzug aus Sanaa und die Übergabe der Waffen sei eine Vorbedingung für Verhandlungen. Bei diesen Gesprächen sollte es darum gehen, wie der Staat Jemen nach dem Abzug der Huthis aus Hauptstadt und der anderen eroberten Gebiete organisiert werden soll. Die für Ende Oktober in Genf geplanten Friedensverhandlungen haben bisher nicht begonnen. Saudi-Arabien hat inzwischen erneut mit Vermittlern in Oman Kontakt aufgenommen.

Der Krieg geht weiter

Sollte es den Huthis und ihren Verbündeten gelingen, erneut nach Aden vorzudringen, wird ihre Verhandlungsbereitschaft sicher abnehmen. Wer Siege erringt, ist zu keinen Kompromissen bereit. Anderseits können sich die Saudis und ihre Verbündeten nicht eingestehen, dass sie trotz überlegener Mittel nicht fähig sind, die Huthis zu bekämpfen.

Der Krieg droht deshalb weiterzugehen, und dies auf Kosten des jemenitischen Volkes, das immer grössere Not leidet.

IS und al-Qaeda markieren Präsenz

Zu allem Übel gesellt sich noch die Präsenz des „Islamischen Staats“ (IS) und al-Qaeda. Zwar hat ein Bombenanschlag im Innenhof der Universität Aden nur Sachschaden angerichtet. Trotzdem hat das Attentat Panik ausgelöst. Über das Internet hatten Islamisten zuvor gewarnt, sie würden die Universität bestrafen, wenn dort weiterhin Studentinnen und Studenten gemeinsam studierten.

Die radikalen Islamisten herrschen in Mukalla, östlich von Aden. In Aden herrschen sie nicht. Doch sie markieren Präsenz, wohl in der Absicht zu zeigen, dass sie nicht mehr zu vertreiben sind.

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