Obama - eine lahme Ente?

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Obama - eine lahme Ente?

Von Heiner Hug, 24.08.2015

Seit längerem findet in den sozialen Medien und in Leserbriefen ein eigentliches Kesseltreiben gegen die USA und Obama statt.

Die Amerikaner sind eigentlich an allem schuld. Sie wollen Russland strangulieren und riskieren einen grossen Krieg. Die USA sind schuld an der Flüchtlingsmisere im Mittelmeer, am Krieg in Syrien und im Irak, am Auseinanderbrechen Libyens und am Erstarken des „Islamischen Staats“.

Dass die Flut von Zuschriften zum grossen Teil gesteuert ist, nicht nur von St. Petersburg aus, wissen wir: oft gleicher Tenor, gleiche Formulierungen, gleiche Hetze.

Obama ist einerseits der bad guy, der dreckige Gringo – und anderseits eine lahme Ente und ein Schaumschläger. Auch besonnene Menschen im Westen waren enttäuscht von Obama. Manche seiner Versprechen hat er nicht eingelöst. Und die NSA-Spionagegeschichte ist tatsächlich keine nette Geschichte und zeugt von einer ungezügelten Arroganz amerikanischer Kreise. Man spioniert keine Freunde aus.

Und doch: Jetzt erstaunt der Mann im Weissen Haus. Selten wirkte er so entspannt wie in jüngster Zeit. Gegen Ende seiner Amtszeit hat er nichts mehr zu verlieren. Er muss nicht wiedergewählt werden; er muss es nicht mehr allen recht machen. Jetzt hat er Dinge zustande gebracht, die vor ihm keiner schaffte. Endlich haben die USA die lächerliche 54-jährige Embargo-Politik gegen Kuba aufgehoben. Obama schaffte auch eine Gesundheitsreform, an der sich die Clintons die Zähne ausbissen.

Und endlich auch gibt es ein Abkommen mit Iran, auch wenn Netanjahu und jüdische Kreise dagegen Sturm laufen. Das kümmert den Präsidenten nicht mehr. Auch wenn das Atomabkommen im Kongress scheitert, wird der Präsident das Veto einlegen – und dieses wird kaum überstimmt werden können. Doch selbst wenn die USA dem Abkommen nicht zustimmen: die andern Mächte, die an den Atomverhandlungen teilnahmen, werden das Abkommen einhalten und mit Iran ins Geschäft kommen.

Unter Obama hat das Oberste Gericht auch grünes Licht für die Schwulenehe gegeben. Ein „historisches Ereignis“ für das konservative Land. Und wenn Obama jetzt noch, wie es Anzeichen gibt, sein Versprechen endlich einlöst und Guantanamo schliesst, wird er wohl doch als markanter Präsident in die Geschichte eingehen – dem Geheul der orchestrierten Leserbriefschreiber zum Trotz.

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Kommentare

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Herr Bert, sie sollten sich besser dokumentieren. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist unter Obama von 9,6% im Jahr 2010 auf heute 5,4% gesunken und sie ist de wesentlichste Teil des Armutsbarometers. Ferner, zum Glück führt Obama Kriege, sollen er etwa die ISIS-Mörderbande morden und Putin seine Expansionslüste ausleben lassen. Es ist pervers, kämpft er gegen ISIS sagt man, er führe Krieg, kämpft er nicht, sagt man, er kapituliere vor den Mördern. So einfach wie sie Herr Bert es darstellen ist es nicht.

Oh ja Obama ist wirklich ein Heiliger, er sollte noch einen Friedensnobelpreis bekommen ^^. Fakt ist, dass in seiner Amtszeit die Militärausgaben erhöht, die Armut in den USA gestiegen und weiterhin Kriege geführt wurden.

Sie eröffnen Ihren Artikel mit "Die Amerikaner sind eigentlich an allem schuld. Sie wollen Russland strangulieren und riskieren einen grossen Krieg. Die USA sind schuld an der Flüchtlingsmisere im Mittelmeer, am Krieg in Syrien und im Irak, am Auseinanderbrechen Libyens und am Erstarken des „Islamischen Staats“."

Nun traurig aber wahr Herr Hug, aber ja, hier sind die Amerikaner (zum Großteil) daran schuld. Und es werden halt immer mehr Leute die sich von der Scheinheiligkeit der USA nicht mehr blenden lassen, und es satt haben, das ständig mit zweierlei Maß gemessen wird.

@ Christof Zalka, Christian, bad nose:

Jetzt hört doch auf dem Heiner Hug am Zeug herum zu flicken: Irgendwer muss doch auch mal etwas zu Gunsten von Obama publizieren!

Man läßt mich ja gar nicht herumflicken. Meine posts, die ich schreibe, werden erst gar nicht veröffentlicht.

Es ist einfach gemein wie diese Horde von Grobianen auf den USA herumtrampeln. Als Supermacht hat man halt gewisse Ämtchen. Wenn da eine Krise ist, wird man doch noch Waffen und Geld hinschicken dürfen ohne gleich für die Millionen Flüchtlinge verantwortlich gemacht zu werden. Und aus der Luft präzise zu operieren ist ohnehin eine Wohltat, für etwaiges Chaos und Staatszerfall kann man dann Nichts. Und eben, der Obama ist doch ein Netter, d.h. man darf die USA keinesfalls kritisieren. (...)

Nein die USA sind natürlich völlig unschuldig. Die tausende Tonnen Waffen welche die CIA nach Syrien verfrachteten müssen dort in eine Art schwarzes Loch gefallen sein und können somit nicht mit dem Aufstieg der Islamisten in Verbindung gebracht werden. Zumindest scheinen die Massenmedien daran zu glauben da die Enthüllungen über diese Waffenlieferungen kaum beachtet wurden. Die russischen und die vermuteten iranischen Waffenlieferungen waren dagegen der Medien-Hype wo über Wochen in einer Endlosschleife darauf herumgeritten wurde.
Gegen diese Samthandschuh-Behandlung der westlichen Massenmedien gegenüber den USA ist jede Trollarmee völlig nutzlos. Massenmedien erreichen ca. 80% der Bevölkerung aber den Massenmedien entgegengestellte Trolle wohl nur maximal 10%.
Natürlich können solche Zuschriften einem Journalisten oder jemandem der ein Forum leitet zusetzten. Aber das kann den Medienhype um z.B. Putins Trolle nicht rechtfertigen. Da wird anscheinend ein Thema aufgebauscht um die Freund Feind Kennung zu verfeinern.

Der Präsident der Vereinigten Staaten-USA hat wohl den schwierigsten Job den man sich vorstellen kann!
Durch die absolute Leader-Position übernimmt er automatisch die Verantwortung über Handlungen und Beschlüsse in der Innen und Aussenpolitik seines Landes. Er ist und bleibt der Repräsentant! Ein guter Mann mit toller Ausstrahlung und obendrauf einer liebenswerten Familie. Trotzdem, niemand beneidet ihn und weswegen? Ein nicht wirklich durchschaubarer Hintergrund zieht hier die Fäden. Wer das System kennt, die Abgeordneten im Kongress und Senat weiss was ich meine. Da gibt es Abhängigkeiten die zu Glaubensbekenntnissen führen, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben. Daraus entstehen Handlungen wo Ursachen und Wirkungen nicht mehr verifizierbar sind. Think Tanks arbeiten nach Vorgaben und von wem kommen die? Jemand will ein bestimmtes Resultat, und man arbeitet daran, erreicht es genauso leicht wie bei unseren Umfragen und bezeichnet es anschliessend als Fakt oder als Wahlindikator. Wir hoffen alle, dass das amerikanische Volk die Verantwortung über Freiheit und Selbstbestimmung aufrecht erhält und Fehlentwicklungen entgegensteuert. God bless ganz Amerika… cathari

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