Nicht fragen! Machen!

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Nicht fragen! Machen!

Von Klara Obermüller, 18.06.2018

Vatikan und Papst geben keine Impulse für ökumenische Fortschritte. Diese geschehen an der Basis.

Am 21. Juni wird Papst Franziskus den Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf besuchen, eine Delegation des Bundesrates empfangen und fürs Kirchenvolk eine Messe lesen. Wer sich von dem Besuch mehr als freundliche Worte erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied des Ökumenischen Rates, und wie es mit der gelebten Ökumene vorangeht bzw. nicht vorangeht, haben die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen dem Vatikan und der deutschen Bischofskonferenz wieder einmal mit aller Deutlichkeit gezeigt.

Stein des Anstosses ist die sogenannte Handreichung, das heisst die Frage, ob evangelische Ehepartner von Katholiken zur Kommunion zugelassen sein sollen oder nicht. Kardinal Marx und der evangelische Ratsvorsitzende Bedford-Strohm hatten im Reformationsjahr 2017 eine „fallweise Zulassung“ (was immer das heisst) vereinbart. Die Bischofskonferenz hatte sie auf ihrer diesjährigen Frühjahrsversammlung mit einer Dreiviertelmehrheit gutgeheissen. Sieben Bischöfe reichten daraufhin in Rom ihren Protest ein. Nachdem dort erst eine „möglichst einmütige Regelung“ empfohlen worden war, traf Anfang Juni überraschend ein Veto aus dem Vatikan ein. Die Zulassung zur Kommunion sei ein Thema, „das den Glauben der Kirche berührt und von weltkirchlicher Relevanz ist“, hiess es. Die Handreichung sei deshalb noch „nicht zur Veröffentlichung reif“.

Was war geschehen? Hatte der Papst seine Meinung geändert? Hatte er einmal mehr dem konservativen Lager im eigenen Haus nachgegeben? Oder weiss er selbst nicht genau, was er eigentlich will? Es ist zu vermuten, dass beides zutrifft. Bergoglios kirchenpolitischer Kurs hat sich noch nie durch besondere Stringenz ausgezeichnet. Und dass er unter enormem Druck von Seiten reformkritischer Kardinäle steht, ist auch kein Geheimnis. Wie soll es also weitergehen? Den deutschen Katholiken ist zu raten, dem Beispiel der Schweizer zu folgen: nicht lange fragen, einfach machen! An dieser gutschweizerischen Strategie wird auch der Papstbesuch in Genf hoffentlich nichts ändern.

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Kommentare

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Liebe Frau Obermüller,
ich kann Ihre Papstkritik nachvollziehen, aber ich teile sie nicht. Ja, Pp Franziskus kann an vielen dogmatisch fixierten Lehren nicht viel verändern, wenn er dem angedrohten Häresieverfahren (!) entgehen will. Er bleibt trotz seiner geradezu monarchischen Macht in vielerlei Hinsicht Gefangener in der kurialen Verfassung des Vatikans und muss einen Weg finden zur Erneuerung der Kirche trotz ihres verbunkerten Systems bis hinein in die "Kleinigkeiten" des christlichen Alltags. Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass Kard. Woelki seinen Brief nicht an den Papst, nicht an die Glaubenskongregation gesandt hat, sondern an Kurt Kard. Koch, von dem er wohl die dogm. Position kennt: zuerst Klärung, und d.h. Änderung des protest., zumal reform. Abendmahls- und Amtsverständnisses, bevor wir miteinander Gottesdienst feiern können. Deshalb wohl die Umwege, das Hüst und Hott der vatikan. Reaktion und schlussendlich .... antwortet der Papst: es ist das Recht jedes Bischofs, hier selber Wege zu beschreiten ,.....aha! Spannend wieviele Bischöfe davon wie Gebrauch machen, denn in dieser Riege herrscht weitverbreitet noch ein anderer Geist ....
Danke für Ihr kritisches Wort zu den leidigen Kirchenangelegenheiten...
A. Imhasly

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