Mit Klees Hexen und Engel durchs Jahr

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Mit Klees Hexen und Engel durchs Jahr

Von André Pfenninger, 22.01.2012

Das Zentrum Paul Klee (ZPK) in Bern steht neu unter der Leitung von Peter Fischer. Mit tieferen Eintrittspreisen, einem vielversprechenden Ausstellungsprogramm und vielen Aktivitäten will Fischer das Haus neu beleben.

„Übersinnlich – magisch –unfassbar“, unter dieses Motto stellte das Zentrum Paul Klee in Bern das Ausstellungsprogramm 2012. Peter Fischer hatte Ende 2011 die Nachfolge von Juri Steiner angetreten, der bereits im Frühjahr letzten Jahres das Zentrum verlassen hatte. Die interimistische Leitung wurde damals Ursina Barandun übertragen, die das Zentrum Mitte November ebenfalls verlassen hat. Fischer kommt aus Luzern, wo er in den letzten Jahren das im KKL untergebrachte Kunstmuseum erfolgreich leitete.

Peter Fischer
Peter Fischer

Für das ZPK war das letzte Jahr ein schwieriges Jahr, eine Art Übergangsjahr, wobei es keineswegs an höchst beachtenswerten Veranstaltungen gefehlt hatte. Erinnert sei hier bloss an Ausstellungen wie Franz Marc – Paul Klee, Dialog in Bildern oder Paul Klee und Cobra – ein Kinderspiel. Trotzdem muss Fischer jedoch von einem massiven Rückgang der Besucherzahlen sprechen. Das gesamte Besucheraufkommen wird auf etwa 150 000 Personen geschätzt. Im Vorjahr waren es nahezu 186 000. Definitive Zahlen stellt Fischer für April in Aussicht! Für das neue Jahr wurden nun Preissenkungen, vor allem für Familien und Studenten, angekündigt. Die Ermässigungen für die erwähnten Kategorien betragen gemäss Fischer zwischen 35 und 65 Prozent. Er hofft die Besucherfrequenzen um mindestens 10 Prozent zu steigern. Von den guten Zahlen aus dem Jahr 2010 wäre man dann immer noch weit entfernt.

Reiches Programm

2012 wurde nun ein vielversprechendes Ausstellungsprogramm vorgelegt. Noch können aber zwei Ausstellungen besucht werden, die letztes Jahr gestartet sind. Die Sammlungsausstellung Paul Klee übermütig (bis 18.3.) und Eiapopeia – Das Kind im Klee. Ab 25. 1. wird dann die Schenkung der Familie Bürgi gezeigt. Es handelt sich hier um ein Familienarchiv bestehend aus Briefen, Photos, persönlichen Dokumenten, Geschenken des Künstlers mit persönlichen Widmungen. Eine Sammlung. die auf eindrucksvolle Weise die enge Freundschaft der Familie Bürgi mit der Familie Klee widerspiegelt.

Zum eigentlichen Auftakt des Ausstellungsjahres 2012 wird es „Unheimlich“. Unter diesem Titel werden vom 10.3. bis 20.5. Klees Hexen, Geister und Dämonen die Szene beherrschen und die Besucherinnen und Besucher in ein mysteriöses Universum voller Zauber und Heiterkeit entführen. Insgesamt 180 Gemälde und Arbeiten auf Papier haben die unheimlichen Gestalten zum Thema. Für Klee eine bunte farbenfrohe Welt, voller Phantasie und Ironie. Als Kuratorin zeichnet Fabienne Eggelhöfer.

Klees Hexen und übrigen unheimlichen Gestalten sollen auch sogleich in die Jahresthematik einführen. Paul Klee soll nämlich von seiner „mystischen Seite her beleuchtet werden“, wie im Zentrum Paul Klee präzisiert wird. Fischer möchte aufzeigen, wie Klees Spiritualität sich in Werken anderer namhafter Künstler aufspuren lässt. Sie soll auch in den Zusammenhang der europäischen Kunstgeschichte bis hin zur Gegenwart gestellt werden.

L’Europe des esprits

Mittelpunkt und Kernstück des Programm 2012 bildet dann auch die Ausstellung L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbaren von der Romantik bis zur Moderne (31.3. bis 15. 7 / kuratiert von Serge Fachereau in Zusammenarbeit mit Michael Baumgartner und Geneviève Hertzog).) Es handelt sich hier um ein Grossprojekt, das gemeinsam mit den Musées de Strasbourg konzipiert wurde. Hier soll „das Spirituelle und Übersinnliche in der bildenden Kunst aus der Schattenwelt geholt werden“, so wird im ZPK das Vorhaben definiert. Werken von Paul Klee werden solche von Künstlern wie Goya, Caspar David Friedrich, Hodler, Kandinsky, Max Ernst gegenübergestellt. Man darf gespannt sein.

Nicht weniger Beachtung verdient die Ausstellung Höhere Wesen – Sigman Polke und Paul Klee (26.5. bis 7.10/ kuratiert von Fabienne Eggelhöfer). Eine geistige und künstlerische Verwandtschaft dieser beiden Maler lässt sich sicher nachweisen. Die beiden haben sich nicht gekannt. Klee verliess diese Welt 1940, Polke wurde ein Jahr später geboren. Zwei ganz große Künstler des 20. Jahrhunderts treffen sich nun. Der Deutsche hat kurz vor seinem Tod im Jahr 2010 mit seinen sehenswerten Fenstern im Zürcher Grossmünster in beeindruckender Weise die spirituellen Dimensionen seines Schaffens zum Ausdruck erbracht.

Meister Klee! Lehrer am Bauhaus ist eine weitere Ausstellung betitelt (31.7. bis 6.1.2013/ kuratiert von Fabienne Eggelhöfer und Marianne Keller). Breitgefächert und aufschlussreich soll hier ein Einblick in die von 1921 bis 1931 dauernde Lehrtätigkeit Klees am berühmten Bauhaus in Weimar und Dessau gewährt werden. Eine Epoche, die Klee massgebend prägte und auf sein Schaffen nicht ohne Einfluss blieb.

Zum Jahresende werden Klees Engel aufgeboten (26.10 bis 20.1.2013). Einen besseren Abschluss und Übergang in das folgende Jahr hätte man sich wohl kaum wünschen können (kuratiert von Christine Hopfengart). Eine Weihnachtsausstellung der besonderen Art, wie im ZPK präzisiert wird. Engel nehmen in Klees Schaffen einen zentralen Platz ein. Die himmlischen Wesen werden in verschiedenen Variationen dargestellt, lieblich beglückend, humorvoll verführerisch, dem Menschen und Menschlichen stets nahe. Die Ausstellung umfasst 90 Gemälde und Werke auf Papier von Klee sowie Installationen mit Film-, Video- und Fotoarbeiten von zehn Filmemachern und Kunstschaffenden.

Multikulturelle Institution

Das Zentrum Paul Klee ist nicht nur ein Ausstellungsort, sondern eine multikulturelle Institution, in der Musik, Theater, Literatur ebenso einen festen Platz haben wie Klees Werk. Es ist dies übrigens ein ausdrückliches Anliegen des Mitbegründers Maurice E. Müller. Diese Vielfalt widerspiegelt sich auch im Werk Klee. Die Kunstvermittlung kennt keine Einschränkungen. Besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang das beliebte Kindermuseum Creaviva. Kinder werden hier mit Kunst vertraut gemacht, ihre eigene Kreativität und Phantasie gefördert Das ZPK-Programm enthält einen Konzertzyklus des Ensemble Paul Klee, Meisterkonzerte mit internationalen Solisten, literarische Veranstaltungen wie Vorlesungen usw., usw. Das Zentrum ist auch ein beliebter Kongressort.

Das Zentrum Paul Klee in Bern ist noch eine junge Institution. Die Eröffnung des Hauses liegt noch keine sieben Jahre zurück. Der Grundstein wurde am 20 Juni 2002 gelegt als das Ehepaar Maurice E. Müller (1918 – 2009) und Martha Müller (gestorben 2007) ihre Stiftung ins Leben rief. Der berühmte Berner Chirurg, Professor, Erfinder des künstlichen Hüftgelenkes und der speziellen Operationstechnik, 12 fache Ehrendoktor und seine Gattin spendeten über 100 Millionen Franken um den Bau zu ermöglichen.

Zentrum Paul Klee
Zentrum Paul Klee

Der italienische Stararchitekt Renzo Piano, Erbauer des Pariser Centre Pompidou und der Fondation Beyeler in Riehen/Basel, hat auch im Osten von Bern ein architektonisches Meisterwerk geschaffen. Es sieht aus, als hätte er Samen ausgestreut und der riesige, dreiteilige Komplex wäre wie eine Pflanze ganz natürlich aus dem Boden gewachsen, so nahtlos ist er in die Landschaft eingefügt. Die drei Wellen wurden zu einem Markenzeichen für moderne Kunst in Bern. Schon der Bau an sich ist eine Attraktion und lädt ein zum Besuch. Im Haus sind neben den eigentlichen Ausstellungsräumen auch Forschungs- und Arbeitsräume, Lager für Klees Werke, Konferenzsäle, eine Bibliothek usw. untergebracht. Das Zentrum verfügt über ein hochmodernes Auditorium mit einer beachtenswerten Akustik Eine Museumsstrasse durchquert den ganzen Gebäudekomplex, eine Flaniermeile. Hier findet der Besucher ein Museumscafé, ein Shop, eine Buchhandlung usw.

Probleme und Zukunftspläne

Die riesige, wunderschöne Anlage, auch international gelobt und bestaunt, von Kritikern als Flugzeughangar betitelt, hat nur einen Fehler: Die Betriebskosten. Sie übersteigen bei weitem die finanziellen Erlöse. Sparzeiten, wie wir sie momentan kennen und das eher begrenzte und einseitige Kunstverständnis der grün-roten Berner Stadtregierung und auch einiger bürgerlichen Politiker, erleichtern die Finanzierung und einen ungestörten, positiven Betriebsablauf und eine nachhaltige Weiterentwicklung des ZPK keineswegs. Heute ist die Rede von einer wenigstens betrieblichen Zusammenführung mit dem Kunstmuseum Bern um Synergien zu erzielen. Das mit vielen offenen Fragen und Problemen behaftete Vorhaben stösst keineswegs überall auf helle Begeisterung.

Auf den neuen ZPK-Direktor warten also gewaltige Probleme, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Probleme, die schon einen Juri Steiner bewogen haben dürften, das Haus zu verlassen. Der Stiftungsrat hat übrigens auch die bewährte Zweierleitung per Ende 2011 aufgehoben und die vorübergehend amtierende Direktorin a. I. Ursina Barandun, freigestellt. Sie war von erster Stunde an eine engagierte Persönlichkeit. Bereits l996, lange vor der Eröffnung, gehörte sie bereits zum Team, das mit der Vorbereitung und dem Aufbau des Kulturzentrums betraut war. Peter Fischer steht also heute der künstlerischen und administrativen Leitung allein vor und ist mit vielen Herausforderungen umringt.

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