Kniefall?

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Kniefall?

Von Heiner Hug, 01.03.2020

Trump liess sich von Kim Jong-un über den Tisch ziehen. Kriecht er nun auch den Taliban auf den Leim? Ein Kommentar.

Die USA und die islamistischen Taliban haben ein Abkommen unterzeichnet, das viele ein Friedensabkommen nennen. Doch das ist es nicht. Wenn schon: die Vertragsparteien bekunden die Absicht, Friedensverhandlungen zu beginnen. Deshalb heisst die Vereinbarung offiziell: „Agreement for Bringing Peace to Afghanistan“.

Was heisst „Peace“? Die Taliban waren schon immer für einen Frieden. Aber für „ihren“ Frieden. Einen Frieden nach ihren Vorstellungen. Einen Frieden ohne die jetzige Regierung. Einen Frieden in einem Gottesstaat?

Das Abkommen von Doha ist ein Sieg für die Taliban. Sie haben ihr wichtigstes Ziel erreicht: dass die Amerikaner und die anderen ausländischen Truppen das Land bald einmal verlassen.

Und was haben sie dafür hergegeben? Konkret eigentlich nichts. Sie versprachen, keinen internationalen Terrororganisationen wie al-Kaida Zuflucht zu geben. Das ist keine eigentliche Konzession, denn damit fällt den Taliban kein Stein aus der Krone. Al-Kaida brauchen sie gar nicht.

Der wichtigste Punkt: Die Taliban versprachen, mit der afghanischen Regierung Friedensverhandlungen aufzunehmen. Doch diese Regierung ist von Korruption und inneren Machtkämpfen zerfressen. Zudem hat die Regierung in weiten Teilen des Landes die Kontrolle verloren. Die Taliban beherrschen über die Hälfte Afghanistans. Und wenn die ausländischen Truppen abgezogen sind, könnte die andere Hälfte schnell in ihre Hände fallen.

Wie kann also eine solch schwache, zerstrittene Regierung den Gotteskriegern bei Verhandlungen Paroli bieten? Die Taliban sind am stärkeren Hebel und werden ihre Vorstellungen durchsetzen. Symbolisch ist, dass die afghanische Regierung auf Druck der Taliban an den Doha-Gesprächen gar nicht teilnehmen durfte.

Werden die fundamentalistischen Taliban bald einmal ihren Gottesstaat aufbauen – oder werden sie einsehen, dass sie nur dann überleben können und vom Ausland Hilfe bekommen, wenn sie pragmatisch werden? Niemand weiss das. Sicher ist nur, die Taliban sind nach wie vor von finsteren Ajatollahs und Mullahs durchsetzt. Von Pragmatismus sind die meisten noch weit entfernt. Für die afghanischen Frauen ist ein Abkommen keine gute Nachricht. Es gibt gute Gründe, den Friedensschalmeien der Taliban nicht zu glauben.

Die Amerikaner haben in Afghanistan zweieinhalb Tausend Soldaten verloren. Für was sind sie gestorben? Die Antwort ist ernüchternd: für nichts. Dass Trump Afghanistan den Afghanen überlassen will, ist nachvollziehbar. Viel haben die USA in den fast zweijährigen Verhandlungen nicht herausgeholt. Trump wollte und brauchte ein Abkommen, vor allem auch in einem Wahljahr. Welcher Art dieses Abkommen ist, war plötzlich zweitrangig. Die Taliban wussten das, machten einige kosmetische Konzessionen und haben die Chance gepackt.

Man kann es auch positiv sehen. Es ist das erste Mal, dass es im langen Afghanistan-Krieg zu einer Vereinbarung mit den Taliban gekommen ist. Doch es braucht schrecklich viel Optimismus, um sich einen baldigen Frieden am Hindukusch vorstellen zu können.

"Für was sind sie gestorben? Die Antwort ist ernüchternd: für nichts."
Die Antwort ist: For trillions of dollars, für Billionen Dollar, die die Amis und der militärisch-industrielle Komplex mit all den erfundenen und erlogenen Kriegen seit 9/11 (was an inside job, remember building 7) und auch die Ölindustrie für den grössten Treibstoffverbraucher der Welt, mit dem Militär gemacht haben. Und als satanistisch-faschistische Menschenopfer für den Herrn der Finsternis, für Satan sind sie gestorben, kriegs-rituell geopfert worden, damit die Verbrecher reicher und mächtiger werden. Und unter den Taliban ging der Opium-Anbau gegen Null zurück, weil Drogen unislamisch sind, aber seit der Invasion wurden neue Rekordernten eingefahren und haben sich die Heroin-Toten allein in USA mehr als vervierfacht. Al Kaida war und ist eine CIA Operation, und diese Seite hier auch.

Die afghanische Gesellschaft, die so vehement Veränderungen ablehnt, kann nicht von aussen reformiert werden. Der Wille zur Veränderung kann nur von innen kommen. Das mussten die Briten, die Russen und nun auch die Amerikaner schlucken. Für den Jemen gilt das auch.

Sehr geehrter Herr Kerzenmacher

Dass Veränderungen in einem Land von innen und nicht von aussen kommen müssen, da gebe ich Ihnen recht. Woher Sie aber meinen zu wissen, dass die afghanische Bevölkerung keine Veränderungen will, ist mir schleierhaft. Haben Sie repräsentative Umfragen dort gemacht? Kennen Sie Afghanen aller unterschiedlichen politischen Richtungen?
Die Amerikaner wollen aus Afghanistan raus, haben kaum etwas mit ihrem Einsatz erreicht und lassen sich nun mit grosser Wahrscheinlichkeit von Extremisten über den Tisch ziehen. Man hätte ja aus dem `Malheur` der Sowjets etwas lernen können, hat man aber nicht. Was die Mehrheit der Bevölkerung im Lande will, wissen nur wenige. Auch Wahlen dort sind von Gewalt und Unsicherheit geprägt. Soweit sogar, dass in gewissen Provinzen nicht einmal Wahllokale öffnen, weil es schlicht zu riskant ist. Herauszufinden, was die Mehrheit der Bevölkerung will, ist ein heikles, gar gefährliches Unterfangen. Persönlich masse ich mir nicht an den Willen der Mehrheit im Lande zu kennen… Würde eine solche Meinung von aussen ins Land getragen, wäre es eben keine Veränderung von innen und zum Scheitern verurteilt. Da sind wir beide (und unsere Meinung spielt dort gar keine Rolle) ja eins.

Freundliche Grüsse
Max Grob

Wie klar und hellsichtig! Ich vermisse Ihr vertieftes Nachdenken und Zusammenfassen in der Tagesschau von SRF.

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