Kein Frieden in Sicht

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Kein Frieden in Sicht

Von Journal21, 20.12.2020

Der 13-jährige Naseer Ahmed hat soeben seinen Vater bei einem Bombenanschlag verloren.

Insgesamt starben bei dem Anschlag am Sonntagmorgen in der Hauptstadt Kabul neun Menschen. Das Attentat richtete sich gegen Haji Khan Mohammad Wardak, ein Parlamentsabgeordneter. Wardak blieb unverletzt. Naseers Vater befand sich mit seinem Sohn zufällig am Ort der Explosion.

Auch in der Provinz Ghazni in Zentralafghanistan, ereigneten sich in den letzten Tagen zahlreiche Detonationen. Dabei starben zwanzig Menschen.

Während in der katarischen Hauptstadt Doha zwischen den radikalislamistischen Taliban und der Regierung Verhandlungen zur Erreichung eines Waffenstillstandes stattfinden, erlebt das Land eine Welle der Gewalt. Fast täglich sterben Menschen bei Attentaten. Am Dienstag war der Vizegouverneur der Hauptstadt Kabul bei einem Anschlag getötet worden.

„Der Islam über allem“

Die Taliban lehnen nach wie vor eine Waffenruhe ab. Die Ankündigung von Präsident Trump, den grössten Teil der amerikanischen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, stärkt die Verhandlungsposition der Islamisten. Unklar ist, wie weit Trump sein Ansinnen in den letzten Tagen seiner Regierungszeit wahrmachen wird.

Die Positionen der beiden wichtigsten Konferenzteilnehmer liegen weit auseinander. Die Taliban, die weite Teile Afghanistans kontrollieren, verhandeln klar aus einer Position der Stärke heraus.

Zabihullah Mudschahid, ein Sprecher der Taliban, sagte in einem Fernsehinterview, der Islam müsse in Afghanistan über allem stehen. Westliche Begriffe wie „Republik“ oder „Demokratie“ hätten keinen Platz in der kulturellen Tradition des Landes. Nur ein System, das auf islamischen Werten aufgebaut ist, „kann die Wunden in unserem Land heilen“.

Keine Zugeständnisse der Taliban

Ultimativ verlangen die Taliban einen Abzug aller westlichen Soldaten vom Hindukusch. „Solange noch fremde Soldaten im Land sind, werden auch die Kämpfe weitergehen“, sagte der Taliban-Sprecher. Es wäre ein grosser Fehler, wenn die USA vorerst noch, wie angekündigt, 2’500 Soldaten in Afghanistan beliessen. Die Nato hat inzwischen vor einem übereilten Abzug der westlichen Armee-Angehörigen gewarnt.

Die Waffenstillstandsverhandlungen hatten am 12. September begonnen. Die afghanische Regierung hat im Vorfeld zahlreiche wichtige Konzessionen gemacht. So wurden mehr als 5’000 Taliban-Kämpfer aus der Haft entlassen. Die Taliban jedoch haben bisher keinerlei Zugeständnisse gemacht. Die Kämpfe haben in den letzten Wochen an Intensität zugenommen. Die freigelassenen Taliban sind erneut aufs Schlachtfeld zurückgekehrt.

Keine Machtteilung

In den letzten sechs Jahren wurden nach Regierungsangaben 45’000 afghanische Sicherheitskräfte getötet. Dazu kommen Zehntausende ziviler Opfer.

Die afghanische Regierung erklärte sich inzwischen bereit, Vertreter der Taliban in die Regierung aufzunehmen. So sollen, wie ein Regierungssprecher erklärte, „alle gesellschaftlichen Gruppen Afghanistans berücksichtigt werden“. Viele Beobachter sind pessimistisch. Seit zwanzig Jahren kämpften die Taliban um die Errichtung eines islamistischen Staates. Ihr Ziel, so liessen die Taliban mehrmals durchblicken, sei keine Machtteilung mit der gegenwärtigen Regierung, sondern eine totale Machtübernahme.

(J21)

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