Jede Sendung ein Unikat

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Jede Sendung ein Unikat

Von Annette Freitag, 17.02.2019

Ein TV-Film setzt die legendäre Fernsehfrau noch einmal ins Scheinwerferlicht.

33 Jahre ist es her, seit Heidi Abel starb. Kaum jemandem muss man erklären, wer sie war. Alle kannten sie. Und heute kennen sie die meisten immer noch. Sagen wir mal, von einem gewissen Alter an aufwärts. Heidi Abel war zu ihrer Zeit DER Fernsehstar schlechthin. Konkurrenzlos. Alle liebten Heidi Abel. Erst war sie Ansagerin, dann moderierte sie Interview- und Unterhaltungssendungen. Schliesslich vermittelte sie Hunde und Katzen, die heimatlos geworden waren.

In ihrer legendären Sendung „Ein Platz für Tiere“ suchte Heidi Abel heimatlosen Vierbeinern ein neues Zuhause. Foto © Eric Bachmann
In ihrer legendären Sendung „Ein Platz für Tiere“ suchte Heidi Abel heimatlosen Vierbeinern ein neues Zuhause. Foto © Eric Bachmann

Dieses Jahr am 21. Februar wäre sie 90 Jahre alt geworden. Irgendwie unvorstellbar. Heidi Abel war forever young, quirlig, strahlend, umtriebig, immer liebenswürdig, eben: immer jung. Dass sie an Krebs litt, wusste ausser ihren engsten Freunden, kaum jemand. Umso grösser der Schocks, als sie im Alter von nur 57 Jahren an Weihnachten 1986 starb.

Das Phänomen Heidi Abel

Felice Zenoni, Fernsehjournalist und Filmemacher, war eine Art Nachfolger von Heidi Abel, zumindest was ihre Tätigkeit als Fernsehansagerin betrifft. Auch Felice Zenoni war in den 90er-Jahren als Ansager beim Schweizer Fernsehen tätig, bevor er sich dem Dokumentarfilm zuwandte. Gute Voraussetzungen, sich dem Phänomen Heidi Abel nun filmisch zu nähern. Mit seinen heute 55 Jahren hat Zenoni Heidi Abel allerdings nicht mehr persönlich gekannt. «Wie viele meiner Generation bin ich mit Heidi Abel am Bildschirm aufgewachsen. Durch ihre ganz eigene, intime Art der Moderation gehörte sie fast zur ‘Familie Schweizer’. Das spürte ich bei den Vorbereitungen zum Film. Wenn ich sagte, ich mache einen Film über Heidi Abel, sah ich oft ein Leuchten in den Augen der Leute, so als würde man über eine vertraute Person sprechen.»  

Zu Beginn seiner Recherchen für diesen Film hat Felice Zenoni also lediglich die «berufliche» Heidi Abel gekannt. So, wie sie ihm und den meisten Zuschauern vom Bildschirm her vertraut war. «Meine Achtung und Wertschätzung vor ihr ist durch die Filmarbeit noch gestiegen», sagt er heute. «Sie war in der Zusammenarbeit sicher nicht die einfachste, aber was sie an Fernseh-Dokumenten hinterlassen hat, ist grosses Kino. Helmut Heim, der TV-Regisseur, der vor allem in ’Karambuli’ mit ihr zusammengearbeitet hat, bringt es im Film auf den Punkt: ‘Jede Sendung mit ihr war ein Unikat’.»

Ihr Stil: zeitlos modern

Besonders beeindruckt hat Zenoni Heidi Abels persönliche Art, ihre Gäste zu befragen. «Ihre Frage- und Interviewtechnik am Ende ihres Lebens für ‘Telefilm’ ist schon fast revolutionär: Oft sitzt sie in der Diskussionsrunde im Studio minutenlang einfach nur da. Allein schon ihre Präsenz genügt, um das Gespräch am Laufen zu halten. Jeder angehende Moderator, jede Moderatorin sollte sich das anschauen. Auch darin war ihr Stil zeitlos modern.»

Gab es denn auch etwas, das völlig neu war für Felice Zenoni, als er sich mit Heidi Abel beschäftigte? «Neu war für mich vor allem die private Heidi. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass sie einmal verheiratet war.» Natürlich hat er auch viele Gespräche geführt mit Freunden und Kollegen von Heidi Abel und dabei festgestellt, dass alle praktisch das gleiche Bild von ihr zeichneten: «Im Beruf chaotisch bis zur letzten Sekunde vor der Sendung. Wobei das Chaos nur von aussen betrachtet als Chaos erscheint. Heidi Abel hat sich akribisch auf eine Sendung vorbereitet. Es gibt Aufnahmen mit ihr, da schreibt sie ihre Moderation noch während der Sendung um, verbessert sie, feilt an der Formulierung. Deshalb denke ich, wäre ihr das Arbeiten mit dem heute gängigen Teleprompter ein Graus gewesen. Wahrscheinlich hätte sie sich diesem heute im Fernsehen standardmässig eingesetzten Hilfsmittel verweigert. Und zwar einfach deshalb, weil es dem Zuschauer eine Wirklichkeit vorgaukelt, die es so nicht gibt.»

Echtheit als Vorbild

Würde Zenoni, nach der intensiven Beschäftigung mit Heidi Abel sagen, dass es Stars, wie sie damals einer war, heute gar nicht mehr gibt? Beim Fernsehen wohl kaum mehr, da ist alles anders geworden, meint er. «Wobei ich nach der Vorpremiere des Films, die wir vor einer Woche im Cinema Leuzinger in Altdorf feiern durften, spürte, dass sich auch das heutige Publikum eine Echtheit im Fernsehen wünschen würde, wie sie Heidi Abel vorlebte. Deshalb war es mir auch wichtig, mit dem Film nicht einfach eine Nostalgienummer abzuliefern, sondern ihr berufliches Vermächtnis darin ebenfalls zu vermitteln. Alle, die in den elektronischen Medien arbeiten, sollten am Schluss des Films ganz genau hinhören.»

«Heidi Abel. Licht und Schatten einer TV-Pionierin», 21. Februar 2019, 20.05 Uhr SRF 1

Kommentare

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Jetzt hatte ich immer im Hinterkopf, Heidi Abel sei mit Mäni Weber verheiratet gewesen, aber ihr Ehemann soll Peter Ernst Rosinski geheissen haben und die Frau von Mäni Weber Irene Monigatti. Irgendwie schon verdammt lang her und das war doch erst letzthin nach Beginn des Fernsehens, wie Heiner Gautschy oder Kurt Felix und Paola Del Medico auch. Dass ich seit über einer Dekade kein Fernsehen mehr schaue, macht mich aber eher froh. Alle diese neuen Namen und Figuren würden sicher zu einer nervösen Reizüberflutung führen. Bloss als ich gestern online kurz eine Schweizer Tagesschau anstreamte (wieder ein Teil wegen "Urheberrecht" nicht im Ausland zu sehen), konnte ich feststellen, dass der Moderator und auch Frau Wille von 10vor10 nach wie vor die Selben sind. Das sind doch noch solide Schweizer Werte.
Dass aber beim kurz reinhören auf DRS3 wieder eine der meist gespielten 20 Jahre alten Standart Pop-Schnulzen erklang, tat hingegen richtig weh und führte reflexartig zum Not-Aus. Zu Beginn war das mal 24 Stunden lang ein richtig gutes Musikprogramm. Aber so ändern sich die Zeiten, und die Schweiz ist wieder voll auf Linie der Neuen Weltordnung.

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