Ein Mundart-Test

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Ein Mundart-Test

Von Heiner Hug, 08.01.2017

Verstehen Sie noch Schweizerdeutsch?

Ich rufe einen Freund an. Seine Combox antwortet mir auf Schweizerdeutsch: „Ich wirde Sie umgehend zruggrüefe.“ Drei Fehler in einem kurzen Satz: Im Schweizerdeutschen gibt es kein Futurum, und „umgehend“ und „zurückrufen“ sind Germanismen.

Viele sagen: „Na und? Die Sprache ändert sich eben, das Wichtigste ist doch, dass man sich versteht.“ Das ist ein Standpunkt. Es gibt auch andere.

In einer Zeit, da sich unsere Sprache immer mehrt „teutonisiert“, entstehen da und dort kleine, edle Zirkel, die die alte Mundart hegen und pflegen. Eine Art „Pro Specie Rara“ für das Schweizerdeutsche.

Binätsch (Spinat), Anke (Butter), Söipfe (Seife), Bollä (Zwiebel), Guggumere (Gurke), Chrotepösche (Löwenzahn) sind die immer wieder zitierten Klassiker. Hier tauchen wir tiefer in die alte Mundart hinein; hier finden Sie einige alte Ausdrücke aus den verschiedenen Regionen der Deutschschweiz. Was bedeuten sie? Die Lösung finden Sie unten.

  • Aleggi
  • Ägerscht
  • Barillä
  • Bännä
  • Bauälä
  • Beyeli
  • Bschütti
  • Bhaupti
  • briäggä
  • chädere
  • chäfere
  • Cheschtene
  • charchle
  • Chröömle
  • Gäbig
  • chiflä
  • chlööne
  • Chritz
  • Chüttänä
  • dappig
  • Faszeneetli
  • fisärlä
  • Flätterä
  • fuggsä
  • Gaggalari
  • Galööri
  • Gellörettli
  • Ghüder
  • Gigu
  • Gluggsi
  • göisse
  • Gufe
  • Heugeli
  • Gellä
  • gigälä
  • Grünggel
  • Görbsi
  • Gschpusi
  • Hung
  • iffi
  • Jüntli
  • karisirä
  • miiner Läbtig
  • lamaaschig
  • Lafäri
  • leujä
  • lödälä
  • Lüüribrüe
  • määgäla
  • Malun
  • Masel ha
  • Mertel
  • möndrisch
  • Moudi
  • Mugerli
  • muudärä
  • Neni Grossvater
  • noschtärä
  • Nüüteli
  • Pipoldärä
  • Plagööri
  • Ritschgi
  • Schnuderi
  • schnüsig, schnusig
  • Schelfere
  • Schläufäli
  • schpienzlä
  • Seigel
  • Thek
  • tschuddere
  • umtroolä
  • verbibäbälät
  • Zisäli

Auflösung

Aleggi Kleidung
Ägerscht Elster

Barillä Aprikosen
Bännä Schubkarren, altes Auto
Bauälä Baumwolle
Beyeli Biene
Bschütti Jauche
Bhaupti Besserwisser
briäggä weinen
chädere streiten
chäfere sich streiten
Cheschtene, Kastanien
charchle keuchend atmen, röcheln
Chröömle kaufen
Gäbig angenehm
chiflä zanken
chlööne jammern
Chritz Streit
Chüttänä Quitten
dappig unbeholfen
Faszeneetli Taschentuch
fisärlä leicht regnen
Flätterä Ohrfeige
fuggsä hänseln
Gaggalari dummer Kerl
Galööri dummer Kerl
Gellörettli Uhr (quelle heure est-il?)
Ghüder Abfall
Gigu Idiot
Gluggsi Schluckauf
göisse schreien
Gufe Stecknadel
Heugeli kleines Bild
Gellä lautes Mundwerk
gigälä kindlich lachen
Grünggel serbelnde Pflanze
Görbsi Schluckauf
Gschpusi Schätzchen
Hung Honig
iffi hinaus (Haslital)
Jüntli Rock (BL)
karisirä flirten
miiner Läbtig seit ich lebe
lamaaschig träge
Lafäri Dummschwätzer
leujä Mittagschlaf halten
lödälä wackelig
Lüüribrüe fades Getränk
määgäla ranzig riechen
Malun Kürbis (AG)
Masel ha Glück haben
Mertel Regenwurm AG, LU
möndrisch am nächsten Tag SO BE
Moudi Kater
Mugerli eher dicker Mensch
muudärä sich unwohl fühlen
Neni Grossvater GR
noschtärä beten SZ
Nüüteli Kleinigkeit
Pipoldärä Schmetterling
Plagööri Angeber
Ritschgi Schaukel
Schnuderi Lausebengel/Katharr
schnüsig, schnusig niedlich
Schelfere abgeschälte Fruchthaut
Schläufäli Schal
schpienzlä neugierich beobachten

Seigel Sprosse einer Leiter
Thek, Schulranzen
tschuddere kalt den Rücken hinunterlaufen
umtroolä hinfallen
verbibäbälät verwöhnt
Zisäli Katze

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Kommentare

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göisse würd ich mich kreischen übersetzen. Im Göissen ist dieser schrecklich gellende Ton drin, den nicht jedes Schreien hat.
schreien wär chräiä

tschau Heiner

huere schön din dialäkt-tescht und -teggscht

und du redsch mer us de seel!

aber wellewäg simmer di letschte dinosaurier im schurni-land.

diä vom radio ësërëf chönnds nämmli au nöd. au die gwaagge vom eis nöd :-)

a ja was i no ha welle säge: gigu staht bi mir au no für schwanz
nöd nu idiot. aber vil idiote tänked ja au nu mit em gigu. drum gaht sicher beides. :-))

en schöne

Das Lustige an den Dialekten ist, dass sich jeder als Experte sieht. Alle sehen nur ihren regionalen Flecken und halten ihn für den richtigen. Für die einen verwenden die andern zu viele und zu lange iii, für die andern zu viele und zu lange äää anstatt eee; für die einen bedeutet ein Wort dieses und für die andern etwas Anderes. Das ist doch das Schöne an den Dialektwörtern, dass sie überall, in jedem Tal und Dorf und in jeder Gemeinde anders ausgesprochen werden und manchmal sogar eine andere Bedeutung haben. Eine allgemeine Regel und Grammatik für Dialekte gibt und darf es deshalb nicht geben. Das ist Vielfalt, das ist Reichtum, auch das macht unsere Schweiz aus. Danke für diesen Artikel. Ida Mottier Aebi Lausanne

Herzlicher Dank für diesen Genuss, bitte um Fortsetzung.

Ich habe nicht alle Wörter gekannt, am liebsten ist mir der Gaggalari!

Vielen Dank für Ihren sinnvollen Beitrag. Ich stamme aus einer Familie, deren Stadtberner Mutter eine echte Mundartkennerin und -hegerin war. Sie hat über die Sprache ihrer sechs Kinder gewacht. Ich kenne ähnliche Züge. Deshalb ist es mir ein Anliegen, Ihnen zu sagen, wie unpassend und auch optisch wenig erfreulich ich die Schreibweise mit den vielen ä's finde. Sie schreiben ab und zu auch so, aber ziemlich inkonsequent. Ein Beispiel: verbibäbälät. Das erste ä ist in Ordnung. Die zwei weiteren sind aber keine wirklichen ä's. Sie werden auch nicht so ausgesprochen wie das erste. Es sind offene e's. Also schreibt man sie eigentlich auch als e: verbibäbelet. Wenn ich das Wort nun aber wirklich lautgetreu ausspreche, so wie es im Berndeutsch tönt, so muss ich es sogar "verpipääpelet" schreiben. Verzeihen sie mir den Schulmeisterstil, ich war bis vor einem halben Jahr einer aus dieser Zunft.....

Danke für den Hinweis. Tut gut, weil heute die Jungen im Mittelland fast ausschliesslich "Schwiizertütsch", ein Mischmach, geschwängert mit Swinglisch und kaum mehr geographisch zuweisbar. Nicht zuletzt eine Folge der seit 1992 anhaltenden Völkerwanderung.

Lieber Herr Hug

Vielen Dank für Ihren Beitrag zur Erhaltung der Mundart. Viele Wörter brauche ich, etwa gleich viele kenne ich noch (Jg. 1950).
Ich bin aber an manchen Wörtern deshalb gescheitert, weil sie nicht zum Zürichdeutschen gehören … z. B. sage ich Giireizi statt Ritschgi.

Meiner Meinung nach gehört zur Erhaltung der Mundart aber auch die Rechtschreibung, die ja auch Regeln hat, welche aber niemand kennt.

Bei Ihren Beispielen missfällt mir der Gebrauch des „ä“. Für vier Laute haben wir nur zwei Buchstaben zur Verfügung:

Das „ä“ für Dräck und Chääs, rääss
Das „e“ für Eppeeri und für Hose

Es macht keinen Sinn, das „ä“ für drei Laute zu gebrauchen. Ihre Beispiele sind auch nicht konsequent:
Es gibt im Endlaut keinen Unterschied zwischen brieggä, chiflä und chädere, chlööne. Das Schluss-e ist unbetont und schwach.

Beste Grüsse
Ruedi Meyer

Besten Dank für den schweizerdeutschen "Denkanstoss". Ich warte auf eine Artikelserie über lokale Dialekte, Gemeinsamkeiten und Unterschiede. So wird z.B., aus Butter in Zurich, Anke in Luzern.

do chundmer jo grad Heiweh über - aber wägem Gigu blibi do

Ergänzung zu Schnuderi: kann auch so viel heissen wie "en chline fräche Soukärli" - so nen Schnuderi!

Ein schöner Vergleich, danke! Es hat aber ein paar sehr alte Begriffe, die sicher nur noch wenige Leute kennen und auch brauchen, "Gellörettli" zum Beispiel).

Aber leider hat es auch ein paar Fehler: Ein "Görbsi" ist kein Schluckauf (das wäre ein "Gluggsi" oder ein "Hitzgi"), sondern ein Rülpser. Und ein "Schnuderi" ist kein Katharr, sondern ein Schnupfen (auch "Pfnüsel" im Dialekt).

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