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Zwangsmassnahmen

Risse im Bild der «heilen Schweiz»

Luzern
(Keystone/Urs Flüeler)

Im 20. Jahrhundert haben Behörden in der Schweiz Hunderttausende (Waisen-)Kinder, Jugendliche und junge Menschen zwangsweise in Heime und Anstalten eingewiesen. Andere wurden als Verdingkinder auf Bauernhöfen platziert. Viele erfuhren Gewalt und sexuelle Übergriffe. Eine jetzt eröffnete Ausstellung in Luzern beleuchtet dieses dunkle Kapitel der Schweiz. 

In Karteischubladen befinden sich Dokumente, die die Leidensgeschichte von 95 Betroffenen aufzeigen. Eine Wand mit vielen geschlossenen Schubladen symbolisiert jene Fälle, die nicht aufgearbeitet wurden oder werden konnten.

Von den «fürsorglichen Zwangsmassnahmen» waren Menschen bis in die 1980er Jahre betroffen. Im Museum Luzern werden bis zum 23. Oktober verstörende Dokumente gezeigt. Die Ausstellung trägt den Titel «Versorgt. Verdingt. Vergessen?». 

Luzern
(Keystone/Urs Flüeler)

Unverheirateten jungen Müttern hat man die Kinder weggenommen. Andere Frauen wurden zur Abtreibung und zur Sterilisierung gezwungen. Die Kinder von Jenischen wurden zur «Umerziehung» fremdplatziert. 

Mit «Fürsorge» habe das wenig zu tun gehabt, heisst es in der Ausstellung: «In Wahrheit war es Verfolgung.» Inzwischen ist das Unrecht anerkannt, vieles wurde aufgearbeitet. Der Bundesrat hat sich bei den Betroffenen offiziell entschuldigt. Sie werden mit einem Solidaritätsbeitrag von je 25’000 Franken entschädigt. Der Kanton Luzern prüft, ob zusätzlich ein kantonaler Beitrag geleistet werden soll.

Die Praxis der «fürsorglichen Zwangsmassnahmen» riss eine tiefe Schramme ins Bild der angeblich so heilen und fürsorglichen Schweiz.

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