Demonstration am 9. Juni 2026 in Tirana, Albanien: Ein geplantes Luxus-Resort für 1,4 Milliarden Euro von Jared Kushner und Ivanka Trump im Gebiet der Narta Lagune, einem ökologisch geschützten Areal an der Adria, stösst in der Bevölkerung auf Proteste, die seit Wochen andauern. Die EU-Kommission hat gegenüber dem Umweltministerium des EU-Beitrittskandidaten Albanien «Bedenken über mögliche Mängel des Projekts» geäussert. Das Ministerium habe Brüssel versichert, die Bauarbeiten seien «ausgesetzt» worden.
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama verteidigt das Vorhaben jedoch. Er sagte, der Widerstand gegen die Pläne sei Teil eines «hybriden Kriegs», in dem Akteure «die Gefühle einiger gutmeinender Menschen für die Umwelt ausnutzen».
Seit fast zwei Wochen versammeln sich Demonstrierende in der Hauptstadt Tirana und an der geschützten Vjosa-Narta-Lagune an der Adria-Küste. Der Rosaflamingo oder «Phoenicopterus roseus», eine der durch die Pläne bedrohten Arten, hat sich zum Symbol des Protests entwickelt. Auf Demonstrationen sind immer wieder aufblasbare Flamingos zu sehen, viele Teilnehmende fordern auch den Rücktritt von Ministerpräsident Rama.
Die Pläne betreffen zwei Schutzgebiete: das Gebiet der Narta-Lagune, ein Wildreservat, und ein kleineres Resort auf der unbewohnten Insel Sazan. Affinity Partners, die Investmentfirma hinter dem Projekt, die von den albanischen Behörden Sonderrechte erhalten hat, steht in Verbindung mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Ein albanisches Gesetz über strategische Investitionen aus dem Jahr 2015, dessen Abschaffung Brüssel seit Langem fordert, gilt als Grundlage dafür, dass die mit Kushner verbundene Investmentfirma Sonderbefugnisse erhalten konnte.
Regierungschef Edi Rama unterstreicht immer wieder, wie wichtig ihm der EU-Beitritt ist. Albanien gilt im Kreis der Beitrittskandidaten als ein Land mit besonders schnellen Fortschritten, direkt hinter Montenegro. Die Beitrittsverhandlungen, aufgeteilt in 33 Kapitel und vier thematische Cluster, laufen derzeit, darunter auch das Kapitel zu Umweltstandards. Der Abschluss dieses Kapitels ist entscheidend, wenn das Land sein Tempo auf dem Weg in die EU halten will.
Das Projekt wird derzeit von der unabhängigen albanischen Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisierte Kriminalität, SPAK, geprüft. Die Behörde untersucht dem Vernehmen nach Änderungen an einem albanischen Gesetz aus dem Jahr 2024, durch die langjährige Schutzbestimmungen für die sensibelsten Ökosysteme des Landes weggefallen sein sollen.