Teilnehmer einer Kundgebung des Leipziger Aktionsbündnisses «Leipzig nimmt Platz» protestieren vor Beginn des Festakts zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse vor dem Gewandhaus in Leipzig am Mittwochabend. Die Demonstration richtet sich gegen den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Hintergrund ist Weimers Entscheidung, drei linke Buchläden von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreises zu streichen.
Insgesamt macht Wolfram Weimar, der speziell auf Wunsch von Friedrich Merz Kulturstaatsminister wurde, keine gute Figur. Er ist in der Kulturszene nicht verwurzelt. Als er den Saal im Gewandhaus betrat, wurde er mit Buhrufen empfangen. Der parteilose Kulturstaatsminister hatte drei linke Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen. Grundlage dafür seien – so wurde es begründet – «verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse». Unmut erregte auch, dass er den geplanten Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gestoppt hat. Nach Ansicht von Fachleuten wäre dieser Ausbau aber dringend nötig. In dieser Frage rudert er inzwischen aber zurück. Nach viel Kritik soll der Bau nun doch nicht gestoppt werden.
Normalerweise ist ein Termin auf der Buchmesse für einen amtierenden Kulturstaatsminister eine angenehme Gelegenheit, bietet er doch viele Begegnungen mit Vertretern der Kulturbranche. Den traditionellen Rundgang der Buchmesse hat Weimer jedoch abgesagt. Neben der Eröffnung nimmt er nur noch am Donnerstag an einer «Leipzig liest»-Diskussion – dem grössten Lesefestival Europas – zur Meinungsfreiheit teil.