Bei den Midtermwahlen gewinnen die Demokraten einen phänomenalen Erfolg. Sie erreichen eine klare Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. Die grossen Verlierer dieser Wahl sind Präsident Trump und seine republikanische Partei. Im konservativen Texas eroberte der junge Demokrat James Talarico den hart umkämpften Senatssitz für seine Partei. Im Bild: Die Demokratin Keisha Lance Bottoms, die neu gewählte und erste schwarze Gouverneurin im Südstaat Georgia.
Eine grosse Überraschdung ist auch der Sieg der Demokraten im traditionell konservativen South Carolina. Die Ärztin Anne Andrews gewinnt den Senatssitz gegen die bisherige Amtsinhaberin Darline Graham. Diese hatte das Mandat von ihrem unlängst verstorbenen Bruder Lindsey Graham übernommen. Seit 1998 hat kein Demokrat mehr einen Senatssitz in diesem Südstaat gewonnen.
Die Demokraten werden künftig im Senat über mindestens 54 der 100 Sitze verfügen. Die bisherige republikanische Mehrheit von 53 Sitzen in der kleinen Kammer des Kongresses ist damit gekippt. Nur ein Drittel aller Senatssitze stand am Dienstag zur Wahl.
Im sogenannten Swing-Staat Michigan hat der Demokrat Abdul El-Sayed eine stark umstrittene Wahl um einen Senatssitz gegen den republikanischen Herausforderer gewonnen. Der 41-jährige Arzt, Sohn ägyptischer Einwanderer, gilt als dezidierter Vertreter des linken Flügels der Demokraten. Er fordert die Einstellung der bisherigen amerikanischen Militärhilfe an Israel und die Einführung einer allgemeinen staatlichen Krankenkasse. Wegen seiner scharfen Kritik an der Politik Israels hat er auch die jüdische Wählerschaft im Bundesstaat Michigan gespalten.
Im Repräsentantenhaus, der grossen Kongresskammer, werden alle zwei Jahre sämtliche 435 Sitze neu gewählt. Die Demokraten gewinnen nach dem aktuellen Stand der Auszählung mindestens eine Mehrheit von 225 Sitzen, doch stehen noch längst nicht alle Ergebnisse fest.
Auch bei den Gouverneuren in den einzelnen Gliedstaaten werden die Demokraten künftig eine Mehrheit der Amtssitze besetzen. Mindestens 26 der 50 Gouverneure in den Einzelstaaten werden der demokratischen Partei angehören. In Texas haben die Demokraten mit James Talarico nicht nur den zur Wahl stehenden Senatssitz, sondern auch den Gouverneursposten gewonnen. Die neue Gouverneurin in Texas heisst, Gina Hinojosa. Die 52 Politikerin mit hispanischen Wurzeln hat die Wahl gegen den bisherigen Amtsinhaber George Abott, einem engen Parteifreund von Trump, erobert.
Präsident Trump hat laut der «New York Times» in einem Telefoninterview zur Niederlage seiner Partei bei den Midtermwahlen erklärt, wenn er persönlich auf dem Wahlzettel gestanden hätte, hätten die Republikaner «haushoch gewonnen». Er sagte laut dieser Quelle auch, dass er «absolut bereit» sei, die Wahlresultate anzuerkennen und mit den Demokraten im Kongress zusammenzuarbeiten. Trump hatte sich in den vergangenen Wochen massiv im Wahlkampf engagiert und war kreuz und quer im Land aufgetreten, um republikanische Kandidaten zu unterstützen. Bei verschiedenen Auftritten hatte er versprochen, dass jeder amerikanische Erwachsene 5000 Dollar bekommen werde, falls die Republikaner die Mehrheit im Kongress behalten würden. Wie solche Geschenke finanziert und gesetzlich abgestützt sein könnten, liess er völlig offen.
Der neu gewählte Kongress tritt erst im kommenden Januar zusammen. Mit ihren Mehrheiten werden die Demokraten die Leitung sämtlicher Komitees in beiden Kammern übernehmen. Das eröffnet ihnen auch die Möglichkeit, Untersuchungen von Missbräuchen in der Exekutive einzuleiten, zum Beispiel über Vorwürfe von Korruption im Umfeld des Weissen Hauses. Laut Umfragen zählen solche Vorwürfe neben dem unpopulären Iran-Krieg und den stark gestiegenen Lebenskosten zu den wichtigsten Sorgen der Wähler im zurückliegenden Wahlkampf.