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Beten für ein langes Leben des Dalai Lama

Dalai Lama
Keystone/AP Photo, Ashwini Bhatia

Der spirituelle Führer der Tibeter, der Dalai Lama, leitet am Mittwoch, 20. Mai 2026, eine Zeremonie im Tsuglakhang-Tempel im indischen Dharamsala, in der Exiltibeter für sein langes Leben beten. China bemüht sich seit Jahrzehnten, den für Tibets Unabhängigkeit stehenden tibetischen Buddhismus politisch unter Kontrolle zu bringen, was nach dem Ableben des jetzigen Dalai Lama gelingen könnte.

«Ich bin ein menschliches Wesen und nebenbei ein Tibeter, der sich dafür entschieden hat, ein buddhistischer Mönch zu sein», sagt der Dalai Lama selbst. Der Titel «Dalai Lama» wird meist mit «Ozean der Weisheit» übersetzt. Für die Tibeter verkörpert der Dalai Lama den Bodhisattva des Mitleids und Erbarmens. In der buddhistischen Lehre ist ein Bodhisattva eine Wesenheit, die die letzte Stufe der Erleuchtung erlangt hat und die Möglichkeit besitzt, mit dem Tod die Erlösung zu erlangen, ins Nirvana überzugehen. Doch obwohl der Dalai Lama Bodhisattva ist, verzichtet er durch seine ständige Reinkarnation auf die eigene Erlösung vom Geburtenkreislauf, um den unerlösten Wesen auf der Erde beizustehen.

Als chinesische Truppen im Jahr 1950 in Tibet eindrangen, wurde der damals erst 15-jährige Dalai Lama in sein Amt eingesetzt. Im Jahr 1959, als die chinesische Annexion Tibets endgültig besiegelt wurde, musste der Dalai Lama unter Lebensgefahr das Land verlassen. Seither lebt er zusammen mit der tibetischen Exilregierung im indischen Dharamsala. 

Das Wirken des Dalai Lama als Sprachrohr für ein freies Tibet hat ihn zu einer Ikone des Landes werden lassen. Seine weltweite Popularität beruht einerseits auf der Anziehungskraft des Buddhismus, für die besonders im Westen viele Menschen empfänglich sind. Darüber hinaus verfolgt der 14. Dalai Lama eine Politik der strikten Gewaltlosigkeit gegenüber den chinesischen Machthabern.

In den vergangenen Jahren kämpfte der Dalai Lama vermehrt gegen die zunehmende Überfremdung seines Landes, gegen den Verlust der tibetischen Identität und gegen den drohenden Untergang seines Volkes. 2011 zog sich der Dalai Lama aus der Politik zurück und ist nun noch das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Die politischen Geschäfte übernahm die Exilregierung, die von den Exiltibetern gewählt wurde und ebenfalls im indischen Dharamsala ihren Sitz hat.

Für den 14. Dalai Lama ist die Lage Tibets ernster als je zuvor, weshalb er sogar seine Wiedergeburt auf annektiertem tibetischem Boden infrage stellt: «Ich weiss nicht, ob es einen 15. Dalai Lama geben wird. Diese Entscheidung liegt beim tibetischen Volk. Jedenfalls werde ich nicht unter chinesischer Herrschaft wiedergeboren werden, um ihnen keine Möglichkeit zu geben, mich als ihr Werkzeug zu benutzen.»

Die Regierung in Peking hat grosses Interesse daran, die Reinkarnation des Dalai Lama beizubehalten und will sich so die Kontrolle über Tibet verschaffen. Die Suche nach dem nächsten Dalai Lama soll der von Peking gekürte Panchen Lama Gyaltsen Norbu übernehmen. Er wurde in Peking erzogen und trat an die Stelle des eigentlichen Panchen Lama, der als Kind samt seiner Familie unter ungeklärten Umständen verschwand.

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