Am ausgetrockneten Ufer des Rio de la Plata in Villa Del Mar suchen Hunde unter einer Boje Schatten. Bei Beginn der COP30 im Nachbarland Brasilien steht Argentinien am Rande der internationalen Klimadiplomatie. Aktuell erlebt das Land unter einem Präsidenten, der den Klimawandel leugnet, einen beispiellosen Abbau von Institutionen und steigende Abhängigkeit von fossiler Energie – dabei war es mal Vorreiter in Sachen Klimaschutz.
Zehn Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens steht die Welt vor einem Wendepunkt. Die Klimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, wird nicht nur die Bilanz über ein Jahrzehnt globaler Klimapolitik ziehen. Sie findet auch in einer Weltregion statt, in der Ungleichheit, Extraktivismus und Umweltzerstörung weiterhin tief mit politischen und wirtschaftlichen Strukturen verflochten sind.
Der COP30-Teilnehmer Argentinien befindet sich in einer Phase des umweltpolitischen Rückschritts. Die aktuelle Regierung leugnet den Klimawandel, baut zentrale Institutionen ab und zieht sich aus internationalen Prozessen zurück – ein scharfer Kontrast zu den Verpflichtungen des Pariser Abkommens. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich Argentinien von seiner aktiven Rolle in der globalen Klimapolitik weitestgehend zurückgezogen.
Noch vor zehn Jahren befanden sich Argentinien und andere Länder Lateinamerikas in einer Phase erneuerter multilateraler Zusammenarbeit. In den folgenden Jahren stärkten viele Länder ihre institutionellen Rahmen für Klimapolitik und orientierten sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals). Argentinien verabschiedete das nationale Klimaschutzgesetz und entwickelte erste Planungsinstrumente wie den Nationalen Anpassungs- und Minderungsplan.
Doch die Fortschritte blieben Papier. Die Energiepolitik des Landes blieb stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Das beschlossene Konzept eines «gerechten Übergangs» wurde nicht finanziell unterlegt. Seit 2023 hat sich die Lage weiter verschärft. Ein tiefgreifender institutioneller Abbau hat die Umweltpolitik erheblich geschwächt. Budgetkürzungen, die Herabstufung wichtiger Bereiche, etwa in Ministerien, und das Verschwinden der Klimapolitik aus dem öffentlichen Diskurs haben das Land klimapolitisch zurückgeworfen. Das Muster wiederholt sich im globalen Süden immer wieder: Wirtschaftliche Krisen dienen als Rechtfertigung zur Aufhebung von Umweltgesetzen und zur Ausweitung der Ausbeutung von Ressourcen.
Ähnliche Spannungen bestehen in ganz Lateinamerika. Das Amazonasbecken, der Gran Chaco und die Andenregion sind Hotspots, in denen ökologischer Reichtum und tiefgreifende sozial-ökologische Konflikte aufeinandertreffen. Der Konferenzort Belém liegt im Herzen des Amazonas, der zugleich Hoffnung und Widerspruch symbolisiert: als grösster Kohlenstoffspeicher der Erde und zugleich eine der am stärksten umkämpften Regionen für den Abbau von Rohstoffen.
Quelle: Heinrich Böll Stiftung