Zum letzten Mal von Hand eingetragen. In einer Rekrutenschule in Thun werden im Dienstbüchlein der Schweizer Armee die Diensttage eines Rekruten eingetragen, abgestempelt und unterschrieben. Ab dem 1. Juni wird dieses bürokratische Procedere durch eine digitale Lösung ersetzt. Damit verschwindet das legendäre Schweizer Dienstbüchlein aus dem aktuellen militärischen Betrieb.
Um dieses Büchlein ranken sich viele Erzählungen in familiärer oder literarischer Form, unter Kollegen oder am Stammtisch – besonders in jenen Generationen, die während des ersten oder zweiten Weltkrieges sogenannten Aktivdienst geleistet hatten.
Der Schriftsteller Max Frisch hat 1974 ein Buch mit dem Titel «Dienstbüchlein» veröffentlicht, in dem er seine Erlebnisse während seines Aktivdienstes in den Weltkriegsjahren einer kritischen Würdigung unterzieht. Es ist eine Neuinterpretation jener Erfahrungen, die er drei Jahrzehnte zuvor in den «Blättern aus dem Brotsack» schon einmal beschrieben hatte. Damals hatte er eine patriotische Grundhaltung eingenommen und die bewaffnete Landesverteidigung vorbehaltlos befürwortet. Im «Dienstbüchlein» setzte er sich vorwiegend mit fragwürdigen Aspekten jener Zeit auseinander, der Armeehierarchie, nazifreundlichen Tendenzen und sozialen Missständen im eigenen Land.