Auch Putin hat Argumente

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Auch Putin hat Argumente

Von Joerg Thalmann, Brüssel - 13.04.2014

„Putin-Versteher“ sind in den letzten Wochen oft angegriffen worden. Pauschale Verteidigung seiner Krim- und Ukraine-Politik ist in der Tat inakzeptabel. Aber ebenso einseitig ist das Unisono von Putin-Kritik, das uns nach der Annexion der Krim überschwemmte.

Was auf der Krim und rund um die Ukraine passiert, stürzt uns seit Wochen ins Zweifeln und Hirnen. Seit 1989, 1991 und 1993, als die Sowjetunion in drei Schritten auseinanderfiel, haben wir gedacht, jetzt ist der Ost-West-Konflikt zu Ende. Nach 25 Jahren Schläfrigkeit nicht nur beim grossen Publikum sondern auch bei der Führungselite von Brüssel bis Washington fûhlen wir uns erstaunt oder erschrocken in den Kalten Krieg zurückversetzt. Und besonnene Beobachter fragen sich, ob wir nicht mitverantwortlich sind. Ein gedankenloses Umwerben der Ukraine durch die EU hat Putin einen Steilpass geliefert hat, um die Krim zu besetzen.

Ob die Ängste berechtigt oder eine panische Überreaktion oder etwas dazwischen sind, werden wir erst nach Wochen oder Monaten wissen. Vielleicht nach Tagen, falls sich Russland und die USA über der Ostukraine in die Haare geraten. Seit Wochen bedroht Putin die ukrainische Ostgrenze mit fast 50000 russischen Truppen. Die Krim mit dem Heimathafen Sebastopol der russischen Schwarzmeerflotte ist jetzt russisch, aber von Russland aus erst auf dem Seeweg erreichbar. Putin muss in Versuchung sein, auch noch einen Streifen Ost-Unkraine zu annektieren, um eine Landverbindung zu gewinnen. Andererseits scheinen Putins letzte Züge, wie viele westliche Experten analysieren, anzuzeigen, dass er zur Zeit militärisch nicht weiter gehen will.

Hier der Versuch eines Amateurs, der nicht weniger überrascht worden ist als Sie, eine vorläufige Auslegeordnung  zu machen. Ich stütze mich vor allem auf die Fakten und Kommentare der International New York Times, die fast jeden Tag zwei grosse Artikel der Krim und der Ukraine, den Aussprüchen Putins und Obamas, den Reaktionen in Nato und EU widmet.  Ihre Reporter berichten direkt aus der Ukraine, der Krim und aus Sebastopol, dem Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte.

Im Trubel der Behauptungen

Aber jeden Tag kann eine neue Meldung die eben gewonnene Sicht über den Haufen werfen. Nachdem Kenner einige Zeit lang berichteten, Putin wolle die Ukraine wahrscheinlich nicht besetzen sondern nur destabilisieren und eine militärische Konfrontation sei unwahrscheinlich, hört man diesen Sonntag 13.April gegenseitige Drohungen der USA und Russlands über der Ost-Ukraine. Man darf hoffen und vielleicht vermuten, dass sie die Nerven nicht verlieren, aber 100prozentig sicher ist das nicht.

Es gibt Fragen, die seit Wochen ungeklärt sind, aber je nachdem jedes Urteil über den Haufen werfen können. Am letzten Tag vor dem Sturz des russlandfreundlichen Präsidenten Janukowitch schossen Scharfschützen auf die Menge der friedlichen Protestierer und töteten siebzig von ihnen. Die neue, pro-westliche Regierung der Ukraine behauptet, Janukowitsch habe ihnen den Befehl gegeben. Janukowitch   hat das dementiert, Beweise hat die ukranische Regierung nicht  gegeben.

Noch nicht zufriedene Rechtsextremisten

Ohne unparteiische Schlussfolgerungen können Putins Propagandisten weiterhin ihre Theorie verbreiten, ukrainische Rechtsextremisten hätten dieses grausame Gemetzel angestiftet, um Janukowitsch zu diskreditieren. Das ist weit hergeholt aber nicht unmöglich, weil es unter den prowestlichen Demonstranten auch rechtsextreme Gruppen gibt. Einer der Leader des „Rechten Sektors“, ein Oleksandr Muzichko, ist Ende März erschossen worden – von wem weiss man nicht, aber seinem Freund und Chef dieser gewaltbereit nationalistischen Gruppierung hat er zehn Tage vor seiner Ermordung anvertraut, die neue Kiewer Regierung habe ihm 20000 Dollar angeboten, wenn er das Land verlasse. Er sagte offen, er wolle auch sie stürzen, weil sie ihm noch nicht demokratisch genug sei. Wenn nötig mit Gewalt: „Ändern ohne Gewalt ist oft unmöglich“ ist das Credo der beiden. Auch seriöse westliche Russlandkenner schreiben, die neue Regierung sei nicht weniger korrupt als Janukowitch. Solange aber weder Russland noch die westfreundliche Regierung  daran denken, unparteiische internationale Untersuchungen über diese Fragen zuzulassen, ist jedes klare Bild vom Aufstand unmöglich.

Die prowestliche Revolution in Kiew hat nun neuerdings im Osten der Ukraine in prorussisches Pendant gefunden. Seit zwei Wochen fordern Demonstranten den Anschluss an Russland und besetzen ukrainische Regierungsämter. Das erinnert an die Vorbereitung der Krim-Annexion. Russische Soldaten stehen aber nicht im Land selber, auch keine zivil verkleideten wie auf der Krim. Und selbst die ostukrainischen Oligarchen, die mit den Protesten sympathisieren, fordern die Protester auf, mit der Besetzung von Polizeiposten aufzuhören.

Wer soll sich in diesem Techtelmechtel sich widersprechender, von niemandem seriös zu kontrollierenden Behauptungen noch zurechtfinden?

Westlicher Steilpass für Putin

Aus der New York Times gewinnt man immerhin ein ausgewogeneres Bild als die Unisono-Kritik an Putin, die nach seinem Handstreich das Publikum des Westens überschwemmte. Auch  in der NYT gibt es Putinkritik, aber mit Gegengewichten, welche auch seine Argumente zur Kenntnis nehmen. Und, viel wichtiger: Da lernt man die Fehler des Westens kennen, die ihm eine Steilvorlage zur ungestraften Annexion der Krim verschafften. Man kann geradezu den Eindruck gewinnen, der Westen sei mitverantwortlich.

Unsere Empörung verdrängt die Selbstkritik. Sie ist wichtiger als die Putin-Kritik! Sie muss uns lehren, Russland inskünftig richtig einzuschätzen: Nicht mehr als den Schwächling, der den Kalten  Krieg verloren hat, sondern als Macht im Osten Europas mit eigenen, den unsrigen widersprechenden politischen Werten und Traditionen. Vielleicht sogar als Macht, welche in der Weltpolitik auf gleicher Höhe wie die USA und China mitspielen will, vom weltpolitisch kraftlosen Europa zu schweigen. Das bedeutet nicht, wie es der Eifer der ersten Tage übertrieb, die Wiedergeburt des Kalten Kriegs aber, wie es der Moskauer Ex-Botschafter und Spezialassistent Obamas für Sicherheitsfragen McFaul nennt, einen “intellektuellen Kampf mit unseren westlichen Normen gegen Putins autokratisches System. Mit derselben Kraft, mit der wir in Europa auch früher undemokratische Regimes bekämpft haben.“

Es begann 1989

Unsere Unaufmerksamkeit gegenüber Russland begann 1989, als das Sowetimperium unter drei schockierenden Stössen  zusammenbrach. 1989 fiel nicht nur die Berliner Mauer, alle Satellitenstaaten Osteuropas wurden daraufhin von Gorbatschow kampflos in die Freiheit entlassen. 1991 zerbrach die Sowjetunion selber in ihre Bestandteile (unter anderem die Ukraine), und 1993 stürzte Jeltsin dann auch noch Gorbatschow und machte dem Kommunismus ein Ende. Wir dachten alle, von den Politikmachern in Europa und Amerika über die Medien (ich kann mich nicht ausnehmen) bis zur allgemeinen Stimmung: Die Ost-West-Spaltung Europas ist zu Ende, wir haben den Kalten Krieg gewonnen und Russland ist so geschwächt, dass es kein Gegner und keine Gefahr mehr Ist. Dieser wohligen Täuschung gaben wir uns zweieinhalb Jahrzehnte hin, bis uns Putins Blitzschlag auf der Krim herausgerissen hat.

In Russland staute sich von uns unbemerkt ein Gefühl des Widerstands auf. Der schläfrige Optimismus hat die EU am Schluss zu einem Schritt zuviel verleitet. Ohne dass sie es wusste oder wollte, sie machte einfach weiter wie seit 25 Jahren, wollte die Segnungen der friedlichen Integration Europas immer weiter nach Osten ausbreiten und merkte nicht, dass sie mit ihrem Angebot einer „Assoziation“ der Ukraine einen unsichtbaren Rubikon überschritt.

Was ist die Ukraine?

Die Ukraine ist nicht ein Land wie Polen, Rumänien oder Litauen, die sich, als sie der Sowjetherrschaft entronnen waren, so schnell wie möglich in den Schutz der EU und der Nato begaben, zu den Organisationen des Westens, dem sie sich kulturell und politisch seit altersher zugehörig fühlen. Die Ukraine ist anders. Seit dem Mittelalter ist sie ein labiles Zwischenreich, hin- und hergerissen zwischen Ost und West, immer wieder unterworfen, amputiert, umstritten,.geteilt zwischen Polen, Litauern und Russen. Nach dem ersten Weltkrieg erklärte sie sich für unabhängig, ihre West-Freunde verloren aber einen kurzen Bürgerkrieg gegen die Bolschewiken, und die Ukraine wurde sowjetrussisch, bis sie 1991 wieder unabhängig wurde. Sie trägt aber heute noch die Zeichen ihrer zerrissenen Vergangenheit. Zwei auseinanderstrebende Bevölkerungen: eine ukrainische im Westen rund um Kiew, eine mit der Muttersprache Russisch im Osten, beide etwa gleich stark aber politisch anders ausgerichtet, die einen blicken nach Westen, die anderen nach Russland. Ein uneinheitliches Land ohne nationales Identitätsgefühl, ohne Rücksicht auf regionale Unterschiede zentralistisch regiert, innen- und aussenpolitisch labil.

Die EU merkte nichts

Die EU bemerkte diesen Unterschied nicht. Ihr Anschmiegen an die Ukaine war, wie die russische Presseagentur Novosti freudianisch schreibt, eine “unterbewusste” Provokation Russlands. Putin redet jetzt von einer gezielten „Einkreisung“ durch Nato und EU seit Jahren, das ist aber Propaganda und Geschichtsverfälschung. Wenn die Nato ihre Militärmacht bis an Russlands Grenzen vortrieb, war das eine Folge von Russlands Unterdrückung der Polen während 40 und der Balten während 70 Jahren.

In der Ukraine ist das anders, da ist das Moskauer Gefühl einer „Einkreisung“ verständlich. Die EU glaubte naiv, die Staaten weit in den Osten bis in den Kaukasus und Asien liessen sich mittels wirtschaftlicher und politischer Abkommen problemlos ihrem westlichen Zusammenarbeits- und Wertemodell  assoziieren. Aber schon das Wort „Assoziation“ war unvorsichtig und weckte russische Ängste. Putin und seine Landsleute sehen das als geopolitische Einkreisung und als deren letzten, nicht mehr erträglichen Schritt, und das ist aus ihrer Sicht verständlich. Sie sind nicht wie wir glaubten zu einem Staat geworden der unsere Werte teilt. Wir haben dieses Faktum nicht zur Kenntnis genommen, jetzt müssen wir es zur Kenntnis nehmen.

Russland sieht diese “Assoziationen” als Einmischungen in seinen Einflussbereich. Auch die EU hat bis vor wenigen Wochen so wenig wie die Nato und die USA bemerkt, dass der Einschnitt von 1989 Russland nicht zu einer Wertegemeinschaft mit dem Westen gemacht hat. Russland ist Russland geblieben, ein 150Millionenvolk mit eigenen Werten und einer unserem Westen nicht feindlichen, aber anderen Mentalität. Ein starker Herrscher wird nicht nur akzeptiert sondern gewünscht..Ich bin aber nicht einmal sicher, ob der Machtpokerspieler Putin selber an die Einkreisung glaubt oder sie kühl als anti-westliches und innenpolitisch populäres Argument propagiert.

Sind wir bedroht?

Bedroht uns Putins Russland? Militärisch wohl nicht, der ebenso weitblickende wie kühl rechnende Machtpolitiker wird sich hüten, einen heissen Krieg mit dem Westen auszulösen. Die Annexion der Krim lehrt uns aber viel sowohl über seine langfristige Strategie wie über seine politische Raffiniertheit: Politisch und geopolitisch ist Putins Russland wieder ein ebenbürtiger Gegenspieler geworden, der seinen Einflussbereich eifersüchtig verteidigt. Putin wartete geduldig einen Moment grosser Schwäche des Westens ab. Er liess unsere Schläfrigkeit jahrelang wachsen, bis sie ihm innert einer Woche die Gelegenheit bot, diese Annexion ungestraft durchzuführen. Auch die Massierung von  50000 Truppen an der Ostgrenze der Ukraine soll uns zeigen, dass wir es von jetzt an nicht mehr mit dem Schwächling von 1989 zu tun haben, sondern mit einer Macht, die im Osten Europas ihr Wort mitredet.

Aufrüstung!

Zu diesem Ziel hat Putin in allen dafür nötigen Bereichen aufgerüstet. Auch, von uns unbemerkt, militärisch! Die Militärattachés haben das unseren Regierungen zweifellos gemeldet, aber davon war weder in ihrer Politik noch in unseren Medien etwas zu merken. Ein NYT-Korrespondent hat auf der Krim erstaunt die russischen Truppen beobachtet: Sie hätten nichts mehr zu tun mit den halbtrunkenen Soldaten in schludrigen Uniformen, die 2008 in Georgien intervenierten. Die Rote Armee sei komplett modernisiert worden. Eingeschlossen die beherrschte Gewaltlosigkeit, mit der sie die ukrainischen Soldaten entwaffneten und abziehen liessen. Die Details dieser von Putin geleiteten  Modernisieung würden einen eigenen Artikel füllen.

Viele westliche Experten glauben, dass Putin im Moment militärisch nicht weiter gehen will als in der Krim. Aber er setzt die Ukraine unter stärksten Druck, um sie vom Kiewer West-Kurs abzuhalten. Er fordert eine Föderalisierung, welche den Russofreundlichen im Osten viel Autonomie einräumen würde. Sie seien zwar russophil, berichtet die NYT, aber gegen einen Anschluss an Russland, weil sie wissen, dass sie dort viel weniger Freiheit hätten.

Die Fakten und das Völkerrecht

Die Vorwürfe schwirren hin und her, aber nicht alles ist so eindeutig, wie es uns unsere Propaganda vormacht. Putins Vergleich der Krim mit Kosovo ist unhaltbar, die Unterschiede in den Fakten sind krass: Der serbische Autokrat Milosevic überfiel 1999 die muslimisch-albanophonen Kosovaren militärisch und trieb 100000 von ihnen zur Flucht nach Albanien, die Nato bombardierte Belgrad und verhalf den Kosovaren zur Unabhängigkeit. Die Russen der Krim wurden weder verfolgt noch ausgetrieben. Rein völkerrechtlich gesehen ist aber auch Kosovos Unabhängigkeit von Serbien eine einseitige Verschiebung von Grenzen. Nur etwa 50 Staaten haben sie anerkannt, selbst einige EU-Staaten nicht, die einen Präzedenzfall für die Unabhängigkeitserklärung eigener Regionen fürchten wie die Spanier in Katalonien.

Und die USA sind die letzten, die die Annexion der Krim verurteilen dürfen. Sie haben kurz nach 1900 dem Staat Kolumbien ein Terrirorium von einigen hundert Quadratkilometern entrissen und den Satellitenstaat Panama geschaffen, der ihnen dann den Streifen Land verkaufte, wo sie den Panakanal bauten. Es wohnten dort keine Amerikaner. Nicht zu vergessen auch, dass die noch von den westlichen Staaten beherrschte Uno 1948 einen völlig neuen Staat in fremdem Territorium schuf: Israel. Dafür gab und gibt es respektable Gründe. Das alles entschuldigt Putin nicht, aber es relativiert die westliche Empörung. Die Annexion der Krim ist nicht ein einzigartiger Verstoss gegen das Völkerrecht. Solche Akte haben auch im Westen immer wieder stattgefunden, von den USA und, als sie im Zeitalter des Kolonialismus noch Weltmächte waren, von den Europäern.

Hochgefährlich ist der Präzedenzfall

Am gefährlichsten ist aber nicht die Annexion der Krim an sich. Hochgefährlich ist, was sie weltweit auslösen kann! Sie kann zum Fanal für viele Länder werden, ein Territorium zu annektieren, wo einige ihrer Landsgenossen wohnen. Solche Länder und Territorien und Minderheiten gibt es in der Welt unzählige, und keine Staatenordnung wird sie je eliminieren. Überall imitiert hätte die Annexion der Krim weitere Annexionen, eine Verschiebung der Grenzen, Kriege und weltweite Anarchie zurr Folge.

Das zu verhindern würde ein globales Einverständnis erfordern, von welchem zur Zeit nichts zu sehen ist. Eine erste Massnahme wäre der Versuch von Europäern und Amerikanern, die Krim-Frustration zu überwinden und mit Russland für eine Koalition gegen diese gefährlichen Schlussfolgerungen zu schmieden. Putin würde mitmachen. Er hat keinerlei Interesse daran, dass die Annexion der Krim zum Präzedenzfall der ganzen Welt mutiert.

Kommentare

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Die neue "Regierung" in Kiew hat einen Oligarchen in Stellung gebracht und der Repressionsapparat mit Linientreuen besetzt. Jetzt macht Putin den nächsten Zug. Sollte die Situation eskalieren gewinnt Russland und die "Regierung" in Kiew hat dann ein grosses Problem.

Der Artikel von Joerg Thalmann ist interessant und bringt, im Vergleich zu den meisten westlichen Medien, neue Perspektiven ans Licht!
Dass die Krim russisch ist, macht jedenfalls mehr Sinn, als dass Gibraltar britisch und die Islas Malvinas als Falklandinseln ebenfalls britisch sein sollen. Auch Mexico hat wahrscheinlich Texas und andere Territorien nicht freiwillig an die USA abgegeben! Der Einfall der USA aber in den Irak bleibt undiskutabel ein brutaler Akt, nachdem man den Diktator vorher aufgezogen und die irakische Bevölkerung acht Jahre lang gegen Persien in den Krieg geschickt hat.
1948 ist sogar ein westlicher neuer Staat inmitten arabischen Territoriums mit Zuwanderern vor allem aus Osteuropa geschaffen worden.
Beim Jugoslawienkrieg allerdings habe ich nie begriffen, worum es wirklich ging. Vielleicht um die Errichtung der grössten Militärbasis der USA in Europa beim Einmarsch der NATO in den Kosovo 1999?
Das Assoziierungsabkommen des Westens mit der Ukraine war ein Spiel mit gezinkten Karten. Wir hoffen, dass diese Profilierungsspiele nicht im gleichen Desaster wie vor hundert Jahren enden müssen.

Auch Putin hat Argumente.
Bitte lesen Sie die Übersetzung des Briefes von Präsident Putin an die Regierungschefs der europäischen Staaten vom 10.04.14 ( Der Originaltext liegt ebenfalls bei und erlaubt einen Vergleich mit manipulierten Texten in anderen Presseorganen) Der Brief befasst sich mit den Gaslieferungen an die Ukraine, deren Schulden Russland gegenüber und das Verhalten der EU welches zur Verschuldung der Ukraine beiträgt.

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP07114_150414.pdf

Herr Thalmann, bei allem Respekt, Sie machen zwei entscheidende Fehler:
1) Sie lesen nur die International New York Times
2) Sie starren nur auf Putin, wie übrigens der grösste Teil der westlichen Medien
Um die Hintergründe des gegenwärtigen Konflikts zu verstehen, muss man sich vor allem mit der politischen Entwicklung in den USA beschäftigen. Es ist ja nun öffentlich bekannt, dass die USA die Regierung in Kiew quasi eingesetzt hat (Nuland = fuck the EU). Und wenn man dann weiter über Nuland recherchiert, dann findet man ganz erstaunliche Dinge (weltweite Dominanz der USA, regime change etc.)
Daher zwei Empfehlungen (falls Sie besser verstehen wollen):
1) Finden Sie etwas über das Umfeld von Frau Nuland und ihrem Ehemann Kagan heraus, insbesondere zu welchen Organisationen sie massgeblich gehören.
2) Schauen Sie sich das Interview mit dem Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser an, da wird Ihnen ein Licht aufgehen.
http://www.youtube.com/watch?v=Jyj-ofBUILw

Ganser ist ein Verschwörungstheoretiker, der sich nicht auf Fakten beschränkt. Er hat interessante Meinungen und provokante Thesen und mag so attraktiv für Hobby-Welterklärer sein. Aber er taugt nicht als Wissenschaftler, sorry.

herr mathis,
es ist unglaublich,was sie da über dr.ganser geschrieben haben!
schämen sie sich.

Was befähigt Sie zu einer Aussage ohne Argumente ?

Herr Mathis, so geht es nun wirklich nicht.

"Verschwörungstheoretiker" : Daniele Ganser hat sein umfangreichstes Buch über die NATO-Geheimarmeen in Europa geschrieben. Da hat er eine Mega-Verschwörung als erster minutiös dokumentiert und beurteilt. Kaum jemand weiss wie er, was eine Verschwörung ist und was für Opfer sie kosten kann. Beschimpfen Sie analog Mediziner auch als Krankheitserfinder?

"er taugt nicht als Wissenschaftler" : Das ist eine Schmähung ohne jedes Argument.

"nicht auf Fakten beschränkt" : Selbstverständlich hat ein Historiker die Fakten auch einzuordnen und zu gewichten.

Das stimmt so nicht. Ganser beruft sich als Historiker sehr wohl auf Fakten, er hat ja gar nichts anderes zur Verfügung.

Aber es scheint mir so, dass gewisse Leute Fakten lieber nicht sehen wollen und ihn und andere lächerlich machen, damit sie in ihrer heilen Welt leben können, wo Putin der Böse ist und der Westen der Gute. Leider stimmt diese Gleichung nicht. Es gibt keine Guten in diesem Polit-Theater.

Doch, natürlich hat Ganser auch andere Quellen als Fakten. Meinungsäusserungen von Dritten z.B.

Ich bezweifle nicht, dass Herr Ganser sein Lizenziat als Historiker nach wissenschaftlichen Massstäben verdient hat. Ich bezweifle nicht, dass im Wettbewerb um Rohstoffe sich mancher Konflikt entzündet und die CIA viele sinistre Operation ausgebrütet hat. Nur: die Weltverschwörungstheorien von Herrn Ganser genügen wissenschaftlichen Massstäben nicht mehr, weil er das Feld des verlässlich Nachprüfbaren verlässt und Fakten mit Spekulationen anreichert.

Was mich anwidert in diesem postmodernen Zeiten, ist die Weigerung vieler Zeitgenossen zu denken und zu differenzieren, dieser unbedingte Wille, alle Details extrapolieren zu wollen, die Bereitschaft, Propaganda und Desinformation für bare Münze zu nehmen. Vielleicht ist das Plastik in unserer Ernährung schuld an der Zuspitzung der politischen Lage? Oder doch eher die Weisen von Zion? Ach nein, ich vergass, wir im Westen sind ja pauschal schuld an allem und die CIA ist der Quell allen Übels.

Fernando Pessoa schrieb in seinem Buch der Unruhe etwas, das wahrer denn je ist:

Das Recht zu leben und zu triumphieren erwirbt man heute
fast durch die gleichen Verfahren, mit denen man
die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht:
die Unfähigkeit zu denken, die Unmoral und die Übererregtheit.

Dem ist nichts beizufügen.

z.B. habe ich mir speziell bei Ihren Texten auch schon gedacht und noch andere schlechte Eigenschaften (Pauschalisierung, unbegründete Behauptungen, Unterstellungen, Unreflektiertheit ...) sind mir aufgefallen.

Da empfinde ich Vorwürfe wie Steine aus dem Glashaus.

"Seit Wochen bedroht Putin die ukrainische Ostgrenze mit fast 50000 russischen Truppen. "
Ist das mittlerweile eindeutig bewiesen? Oder waren die von der Nato präsentierten Bilder nicht doch vom letzen Jahr?
" Man kann geradezu den Eindruck gewinnen, der Westen sei mitverantwortlich."
Das sollte nicht nur ein gewonnener Eindruck sein, sondern eine Aufblitzen von Erkenntnis der Tatsachen. Der Westen, insbesondere EU/USA stecken da bis zum Hals als Hauptverantwortliche für dieses Desaster mit drin. Lesen Sie ALLES was Sie dazu finden können - es ist sehr vielen Menschen im Westen bekannt, was auf dem Maidan in Kiev geschehen ist und wer die Finger da mit drin hatte und immer noch hat!
" Putin redet jetzt von einer gezielten „Einkreisung“ durch Nato und EU seit Jahren, das ist aber Propaganda und Geschichtsverfälschung."
Nein nein, dass ist es ganz und gar nicht. Diese Einkreisung wurde strategisch durch Nato/USA und die EU-Osterweiterung vorangetrieben. Putin hat mehrfach darauf hingewiesen, dass er die Begründungen der Nato für ihre diesbezüglichen Aktivitäten und dito EU nicht glaubt.
"Wenn die Nato ihre Militärmacht bis an Russlands Grenzen vortrieb, war das eine Folge von Russlands Unterdrückung der Polen während 40 und der Balten während 70 Jahren."
Diese Behauptung ist (entschuldigung) absurd.
"Putin und seine Landsleute sehen das als geopolitische Einkreisung und als deren letzten, nicht mehr erträglichen Schritt, und das ist aus ihrer Sicht verständlich."
Das ist nicht nur aus Sicht der Russen verständlich. Immer mehr Menschen in Europa sehen das genauso. Kein Wunder, man erkennt die Muster der sich immer gleich abspielenden "unfreundlichen Übernahmeversuche" der USA weltweit und lernt dazu!
"Sie (die Russen) sind nicht wie wir glaubten zu einem Staat geworden der unsere Werte teilt (welche denn?).
Wir haben dieses Faktum nicht zur Kenntnis genommen, jetzt müssen wir es zur Kenntnis nehmen."
Und genauso muss der Westen jetzt schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, dass er tatsächlich keine Ahnung von Russland hat und den Strategen Putin nicht kennt, ihn und ganz Russland die ganze Zeit katastrophal unterschätzt hat.
Man soll sich die bisherigen Kriege der Amerikaner vergegenwärtigen und deren "Erfolge"! Angefangen bei Vietnam bis heute. Im anzetteln von Konflikten mit grauenhaften Folgen für die von "Amerikanern befallenen Länder" waren sie immer ganz gross.
Wir wissen aber alle wie diese inszenierten Konflikte für die betreffenden Länder und Menschen und für die an den Fronten "verbratenen" jungen amerikanischen Soldaten geendet haben:
Millionen Menschenopfer, verbrannte, verminte Erde - und das Elend der kriegsversehrten Überlebenden - das ist die traurige Wahrheit!
Die Amerikaner sind bis heute absolut lernresistent wenn es darum geht für andere Länder und Kulturen sowas wie Respekt zu empfinden und diese auch als vollwertige Gegner zu akzeptieren. Amerika hat bis heute aus seinen zahlreichen Niederlagen nichts gelernt. Russland könnte USA diesen Respekt beibringen, es wäre nicht das erste Mal, dass ein Regime welches Russland zu nahe kommt unterliegt.
Blöde ist nur, das eine Eskalation dieses Rohstoffkonflikts diesmal auf europäischem Territorium stattfände ...!
Die deutsche Regierung hat anscheinend ihre Kriegsgeschichte mit den Nazis und Russland nicht präsent, obwohl die Nazivergangenheits-Bewältigungs-Opern dauernd auf allen TV Kanälen laufen! Und die EU-Zentrale in Brüssel ist erst allmählich am begreifen, dass ein diktatorisches Strickmuster für Europa nicht passt. Trotz dem allzeit beschworenen Nazihorror früherer Zeit rennen alle nach Kiev und schütteln dem Rechten Sektor die Hände! Alle diese Regierungen (USA/EU) sind in Tat und Wahrheit Pleite und bereit alles zu tun um die Offenbarung dieses Zustandes - d.h. die daraus entstehenden Konsequenzen für sie selbst - zu verhindern. In diesem Zusammenhang herrscht wohl die Angst vor, dass sich Unruhen in Europa analog Ukraine (auch pleite!) verstärken könnten und die unter der Pleite EU versammelten Völker plötzlich alle ebenfalls sowas schreckliches wie ein Referendum verlangen könnten, was das Ende der Zentrale in Brüssel einläuten würde.
Die Regierungen des Westens haben also weit mehr als einen Grund sich in einen für alle Beteiligten - aber vor allem für Europa (inkl. CH) - verheerende Konfrontation mit Russland "retten" zu wollen!
Russland dagegen hatte keine dieser Gründe, sondern im Gegenteil alles Interesse mit dem Westen lukrativen Handel zu treiben.
Putin kann keinen Krieg wollen, da haben Sie recht.
Aber Respekt und faire Bedingungen, Existenz auf Augenhöhe mit einem von Amerika unabhängigen selbständig denkenden und handelnden Europa das könnte er schon wollen. Aber das ist jetzt wohl nicht (mehr) zu haben? Say thanks to Uncle Sam!

Mich dünkt, Sie konsumieren zu viel russische Propaganda, jedenfalls sind viele ihrer Argumente deckungsgleich. Nur mal so als Hinweis: Polen, aber auch Litauer, Letten, Esten waren nicht nur 40 Jahre lang unterdrückt, sondern gut 200 Jahre. Fahren sie mal nach Schaulen (Siauliai) in Litauen und besuchen sie den Berg der Kreuze. Dort zeugen mehrere 100'000 Kruzifixe vom Widerstand gegen die Unterdrückung durch das Zarenreich aber auch das Sowjetimperium. Die Sowjets liessen das Mahnmal mehrere Male mit Baggern planieren, zogen sogar Gräben zur Abschreckung, aber jedes Mal waren mehr Kreuze da.

Vielleicht sind wir beide Opfer? Sie von zu viel westlicher Propaganda und ich (gemäss Ihrem Verdacht) von zu viel russischer?
Es gibt keinen der diesmal an der zunehmenden Agression Beteiligten der, historisch gesehen, besser abschneidet als die anderen.
Was die Sowjetregierung damals angerichtet hat bestreitet keiner. Was die Nazi's alles verbrochen haben auch nicht!
Was die europäischen Migranten seinerzeit in Amerika mit den Ureinwohnern des Landes gemacht haben ebenfalls nicht. (Zumindest in Europa weiss man etwas darüber!)
Aber sagen sie mir warum die Russen wie nach dem 2WK auch diesmal wieder die Bösen sein sollen?
Die Welt weiss mittlerweile wer auf dem Maidan die Finger drin hat. Man ist sich im Klaren darüber, dass dieser Aufstand - sicher jedenfalls sein Verlauf - ein gesteuerter war und sinngemäss immer noch ist. Der Westen hat die Finger drin und zwar JETZT.
Und wer schon seit Jahren überall auf der Welt Gründe erfindet um über andere Länder herzufallen hat im aktuellen Konflikt wieder massgeblich die Finger drin.
Angefangen haben diese Kriege immer mit von Gier befeuerter Hirnwäsche und Hetze. Angegkurbelt wahlweise mit religiösem Blödsinn, Verteufelungen der Opfer, Gefasel über Recht und Gesetz oder Rassenreinheit, heutzutage bevorzugt: Verletzung der Menschenrechte! und des jeweiligen Territoriums.
Und wir - das potentielle Kanonenfutter? Fallen wir wieder alle auf diese zweckmässig gefakten Realtitäten herein und lassen uns in Kriege manövrieren die wenig mit unserem Wohl aber viel mit unser aller Schmerz zu tun haben?

Sehen Sie mich ruhig als Opfer von russischer Propaganda, was ich sehe ist, das Russland mir bis jetzt nichts zuleide getan hat und mich nicht hetzt. Amerika und EU aber schon.
Zum Schluss nochmal der Hinweis: Es gibt einen Bericht vom ZDF über die Hintergründe zu den tödlichen Schüssen auf dem Maidan.
Es waren bezahlte Killer des Westens. Das ist nur ein Beispiel.
An der westlichen Version dieses herbeigeschriebenen und -geschwatzten Krieges ist nicht viel wahres dran.

Mich schmerzt so viel Ignoranz, bitte verzeihen Sie den wertenden Ausdruck. Fangen wir mal damit an, dass man nicht weiss, wer auf dem Maidan geschossen hat. Woher wissen Sie, dass es "bezahlte Killer des Westens" waren? Aus russischen Propagandaquellen? Aus spekulativen Kurzfilmchen von Jounrnalisten, die im Nebel stochern? Woher wissen Sie, dass es nicht mehrere Parteien waren, die geschossen haben? Woher wissen Sie, dass es keine russischen Provokateure waren?

Eine gute Methode, um herauszufinden, wer an was schuld ist, ist die Frage "cui bono" zu stellen. Wer profitiert davon?

Bis jetzt hat nur Russland von den Wirren in der Ukraine profitiert, also ist anzunehmen, dass die meisten Ereignisse von Russland befeuert wurden.

Im Übrigen: Selbst wenn auf dem Maidan auch ukrainische Rechte geschossen haben sollten, so bleibt das Ganze immer noch ein internes Problem der Ukraine und ist keine Generalbevollmächtigung zur Zerstückelung des Landes und Unterdrückung durch Russland.

Die Ukraine hat zwar kein Geld, aber sie hat bedeutend mehr Freiheit als Russland. Das weiss Putin auch. Deswegen wird das Land jetzt destabilisiert und den Leuten Angst engejagt, damit sie die russische Aggression still erdulden.

Cui bono?
Sie beantworten diese Frage mit: "Bis jetzt hat nur Russland von den Wirren in der Ukraine profitiert...", ohne Begründung, als reine Behauptung.
Russland hätte demnach einen Vorteil durch den Umsturz mit jetzt neuer USA-freundlicher Regierung?
Russland hätte ein Interesse am Wandel der Ukraine? Etwa um diesen klammen Staat der EU in die Arme zu treiben, auf dass sie daran pleite gehen?
Russland hätte demnach auch einen Vorteil durch die vorhersehbaren Sanktionen aus aller Welt?
Putin ist "neidisch" auf die Ukraine, wegen ihrer "Freiheit"?

Na dann ..., wenn Putin denen und uns nur Angst machen will!

Ich muss mich dahingehend korrigieren, dass durch den Umsturz und die nachfolgenden Wirren neben Russland auch die Timoschenko-Partei und die Nationalisten in der Ukraine gewonnen hat. Nur haben die keine Chancen an den Wahlen zu gewinnen. Timoschenko ist out und der aussichtsreichste Kandidat, der Schoko-König, findet durchaus Akzeptanz im Osten. Warum lässt Putin die Ukrainer also nicht in Ruhe wählen? Weil er das Land mit einem rechtmässigen Präsident nicht mehr zerstückeln kann.

Putin hat durch die Vertreibung des von ihm gelenkten Janukowitsch einen Rückschlag erlitten und will nun auf Nummer sicher gehen, indem er sich holt, was er kann.

Gelegenheit macht Diebe - et voilà.

Die Sanktionen fürchtet er nicht, weil er nicht daran glaubt, dass der Westen wirksame Sanktionen ergreift.

Für mich unverständlich ist, wie Leute im Westen, die gern die direkte Demokratie verteidigen, dem Bürokratiemonster EU kritisch gegenüberstehen und das Treiben der USA mit Argwohn verfolgen, alles gutheissen und entschuldigen, was von Putin kommt. Der Mann ist ein autokratischer und faschistoider Nationalkonservativer, der Demokratie als Schmierenstück versteht und Kritiker mundtot macht oder sie ins Arbeitslager verfrachten lässt.

Russland testete heute eine Interkontinentalrakete! Habt ihr genau wie Russland nichts mehr zu verlieren? Seid ihr euch bewusst dass diesmal kein konventioneller Krieg mehr möglich ist? Wollt ihr den totalen Dialog oder mit euren Kindern verglühen?..cathari

Genau darum geht es.
Wollen wir alle wieder wie in den vorigen Kriegen, oder wie im "Rest der Welt" in gerade wieder laufenden Kriegen, aufgehetzt von hetzerischen, gehirnwaschenden Schulzuweisungen mit denen jedesmal ein anderer Sündenbock angeprangert wird, im Interesse von irgendwem, verbraten werden?

Können wir auch diesmal nicht erkennen, dass es nicht im entferntesten um Recht - Unrecht - Gesetzesbruch -Menschenrechte - etc. geht, sondern einzig und allein um Macht, Rohstoffe und territoriale Interessen? Es ist unwichtig, welcher gerade der Böse ist, er hat was das die anderen wollen - das ist der Punkt.
Eigentlich sind doch alle grossen Fingerübungen auf der Tastatur überflüssig!
Es reicht folgendes:
"Wir haben es satt - wir wollen keinen Ärger - keinen Kriege mehr. Hört auf mit eurem Theater! Wir machen das nicht mehr mit! Basta!"

Was machen die dann, wenn sie niemanden mehr haben der für sie arbeitet, kämpft und stirbt?

USA-Occupy-Bewegung mit vielen Verhaftungen. Kein Russe auch nicht Lawrow agitierte. John Mc.Caine war aber mehrmals in Kiew…..ja sogar lange vor der Eskalation. Wer macht hier welches Spiel? Trotz den höchsten Militärausgaben der Welt durch die USA (über 600 Milliarden im Jahr) sind wir nicht dazu bereit den militärisch-industriellen Komplex sich in Europa austoben zu lassen. Nicht schon wieder Krieg in Europa! ….cathari

Kein Russe, auch nicht Lawrow agitierte? Sind Sie noch bei Sinnen? Die Russen lügen, sabotieren und infiltrieren, dass sich die Balken biegen. Die CIA hat keineswegs das Monopol auf Drecksoperationen. Der FSB und verwandte Dienste sind um keinen Deut besser.

Kein Geheimdiest, keine Regierung ist besser als die anderen!
Was also sollen die gegenseitigen Schuldzuweisungen?

Seltsam ist nur, dass die Amis bei einer weltweiten Umfrage von den Menschen als die grösste Kriegsgefahr eingestuft wurden.

1. Möchte wissen, ob uns, falls Frankreich, Deutschland und Italien die Schweiz unter sich aufteilen möchten, auch so ein defätistisches Geschwurbel serviert würde.

2. Ist es eine Propagandalüge, dass die Ukraine ein undefinierbare Manövriermasse sei. Weissrussisch und Ukrainisch sind eigenständige ostslawische Spachen, Ukrainer und Weissrussen sind nicht Russen, auch wenn ein Teil von ihnen im Alltag Russisch spricht. Warum sollten diese Ethnien kein Selbstbestimmungsrecht besitzen? Etwa, weil sie von den Russen seit Hunderten von Jahren unterdrückt worden sind? Diese Annahme wäre menschenverachtend, wenn nicht gar rassistisch.

3. Führt Selbstkritik des Westens dazu, dass Putinversteher und Warmduscher die Aggressionen Russlands entschuldigen. Ich bin nicht frei von Fehlern, also sündige Du nach Herzenslust, ist das Motto.

4. Putin ist wie ein Fuchs in einem ungeschützten Hühnerstall. Er holt sich soviel Beute, wie er kann.
Stoppen kann ihn nur Waffengewalt oder Sanktionen, die beiden Seiten richtig weh tun. Es gibt in diesem Fall kein Gratis-Essen. Überlässt der Westen Putin Osteuropa einfach so, ist er - im besten Fall - machtpolitisch und moralisch diskreditiert. Wenn man andern Europäern nich hilft, ihre Freiheit zu verteidigen, braucht man nie mehr davon zu reden. Europa wäre dann nur noch ein neoliberales Wirtschaftsprojekt.

M. Mathis

aber herr mathis,
sie haben wahrscheinlich keine vermögen,die komplexe dinge der (welt)politik,aus neutralen perspektive zu analysieren.sie gehen sehr weit in die geschichte,ok,aber russland ist heute anders ausgerichtet.
wachen sie auf!ich habe 22 jahre lang unter sovietregime gelebt,aber mich werde nichteinmal im traum einfallen,dass putin diese krise in ukraine verursacht habe.ich bekomme ein bischen angst von ihren kommentaren.es ist fast schon eine kriegshetze propaganda.!

Das ist Europa tatsächlich, nichts anderes als ein neoliberales Wirtschaftsprojekt - auf tönernen Füssen, die schon bedenkliche Risse haben und bröckeln.

Präzedenzfall ? Vielleicht nicht für eine Kette weiterer Annexionen, hier, da oder dort. Aber wem es passt, wer es bezahlen kann, wird es machen – mit oder ohne russische Blaupause. Passender fände ich eine Beschäftigung mit dem parasitären Keim solcher Auswüchse und dieser Krise. Wenn man schon Putin und seine Pläne rational einsortieren möchte, würde ich ihn zu den anderen Nationalisten und Populisten rechnen, die sich in diesen Jahren um die ganze Welt aber besonders augenscheinlich in Europa ins Bild drängen. Sie gewinnen Zuspruch, da sie weniger nach difusen Befindlichkeiten fragen, weniger Reflexion einfordern. Wir – als Ausdruck für umworbene Mehrheitlichkeiten – scheinen bis auf weiteres das Interesse am Umgang mit multipolaren kulturellen, sozialen und ökonomischen Prozessen aufzugeben. Wir altern noch viele Jahrzehnte, verarmen immer schneller und verlieren stabile Lebensperspektiven. Muskelspielende Problemlöser finden sich da überall - Fackeln im Nichts schlechter Versorgung, sozialer Kälte, globaler Wohlstandsrangeleien. Wer keinen Plan hat, haut dem Nachbarn schon gern mal aufs Maul. Aus irgendeinem Geldtopf zahlt man ihm dann einen Sozialberater, denn WIR sind ja daran schuld, dass ER verkommen ist. Auch Sie, verehrter Verfasser, wollen alle Türen offenhalten. Durch die kommt man aber rein und raus. Putin und andere Nationalisten wollen raus aus der Komplexität langfristiger Planung, rein in die hemdsärmlige, hohheitszeichenfreie Aktion. Dahinter steht, dass sich Russland und Putin die Antwort auf die Frage schulden ob und wie sich jeder Einzelne ohne paternalistische Vorkauer für seine Zukunft einsetzen soll. Wir stehen in vielen auch näherliegenden Gemeinschaften vor dem gleichen Kräfte und Überzeugungen zehrenden Ringen um die unaufkündbare Rolle und Verantwortung des Einzelnen. Das kommt in ganz Europa gerade erst richtig in Bewegung. Hier schaffen Putin uns „sein“ Russland bittere Präzedenz.

Nun die Analyse ist ja ganz geschickt, aber für mich sieht sieht es so aus als solle damit ein erster Haarriss in den erstaunlichen festen Block der Russlandverteidiger geschlagen werden.
An der Aussenpolitik der Amerikaner und ihren europäischen Leibeigenen & Fusstruppen kann ich nichts Positives erkennen.
Hoffentlich verschluckt sich Amerika an dem Brocken Russland, welches sich durch Ersatz der fossilen Rohstoffbezahlung durch Rubel/Yuan für Dollar sich zum Feind der Fed & Co gemacht haben. Die Welt braucht keine amerikanische Hegemonie & Weltregierung, sondern Gegenpole. Die USA haben gezeigt, dass mit großer Macht eben nicht große Verantwortung einher geht.

Jeder der Kommentatoren will, wie üblich, selber irgendwas dazu schreiben, was ja ok ist.

An Herrn Thalmann: Auch wenn nicht alle 100 % einverstanden sein mögen (bei solchen Themen vielleicht ohne sachlichen Gegenargumente): Danke für die recht ausgewogene Analyse mit geschichtlichen Hintergründen und Kommentaren!

Mit allem Respekt ist diese Analyse m.E. nicht ausgewogen.
Sondern hinterlässt das Gefühl eines Scheinverständnisses für Russland und Putin, etwa so wie der Herr Therapeut einen kleinen, aufmüpfigen Schüler "versteht". Genau da liegt der Hase im Pfeffer, Russland ist weder klein noch aufmüpfig, sondern gross und zunehmend selbstbewusst, reich an Rohstoffen und gut bewaffnet.
Russland kann ein guter Wirtschaftspartner von Europa sein, oder ein gefährlicher Gegner. So oder so, ernst zu nehmen ist Russland auf jeden Fall, im eigenen Interesse seiner Nachbarn.

Lasst euch niemals von Imperien und deren Interessen in einen Krieg manövrieren. Diese Geschichte geht die USA ja nur am Rande etwas an. Alles andere ist unstatthafte Einmischung in fremde Angelegenheiten. Nato hin oder her, Europa fühlt sich von Russland nicht bedroht. Eher sind alle erschrocken von den Agitationen und den Lügengebäuden der Scharfmacher. Es ist ein europäisches Problem und unsere guten Leute in der Politik (auch aus der Schweiz) werden es friedlich im Dialog mit einem Russland lösen, das zunehmend und mit Absicht von aussen aggressiv gemacht wird….cathari

[...] Lasst euch niemals von Imperien und deren Interessen in einen Krieg manövrieren [...]

Genau, es scheint so, als wolle man einen Krieg zwischen Russland und EU/Nato auslösen. Es wird wieder Zeit dass wir diese Typen daran erinnern wer der Stärkere ist - ich meine das Volk. Eine ordentliche Demo vor den Kriegstreibern ihrer Villen oder so wäre angesagt, damit deren Famillien zu spüren und zu hören kriegen, was ihre Männer so treiben. Die müsste natürlich in allen betroffenen Ländern durchgeführt werden.

Nun, Putin wäre bestimmt nicht so angepisst, wenn die USA während der Jelzin Zeit nicht die Regeln diktiert und das Öl/Gas geraubt und Russland nach Strich und Faden verarscht hätten
Putin hatte diesem betrügerischen Treiben - unter anderem initiiert durch den nun in der Schweiz lebenden Chodorkowski - ein Ende gesetzt und wird seither von den Elitebetrügern gehasst und als neuer Hitler aufgebaut (Clinton).
Man denke nur an die Raketenabwehr, die USA unmittelbar an die russische Grenze verlegen will. Diese Provokation ist gleichzusetzen mit der Stationierung der russischen Raketen auf Kuba.
Noch jetzt ist Russland nicht berechtigt eigenes Geld zu drücken, ohne das Okay von den USA. Ein Zustand der vermutlich sehr bald geändert wird. Die BRICS Staaten arbeiten schon längst an einer eigenen Leitwährung. Und dies ist vermutlich der Grund für den von den USA angezettelten Putsch in der Ukraine.
Auch das Verhalten während der Olympiade war aus westlicher Sicht voll daneben und hatte Putins Entscheidungen bestimmt beeinflusst. Wenn ich nur denke, was die Medien für einen Bullshit schreiben. Wölfe die durch Sotschi liefen, mittlerweile weiss man, dass diese Videos von Amerikanern gefeakt waren. Bloss wozu?
Verdächtig war, dass der Syrienkonflikt parallel zur Olympiade verlief, weil man darauf baute, dass Putin sich zurückhalten wird.
Auch der Syrienkonflikt war gezielt gegen russische Interessen aufgebaut worden. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Russland den USA eine deutliche Antwort zusendet. Klar war die Krimbesetzung der Russen nicht sauber. Aber der ausgeführte Putsch durch die USA und kräften aus Europa war definitiv daneben. Wieso meint die USA immer, sich in anderen Länder einmischen zu müssen?
Was die Ukraine betrifft, es ist abzusehen, dass Putin bald eingreift. Möglicherweise noch während ich diese Zeilen schreibe. Putin sagte zwar, die Ukraine interessierte ihn nicht, aber das glaube ich nicht. Wenn Putin wirklich eingreift, kann die Lage eskalieren. Wie in einem abgehörten Telefongespräch zu hören war, wollte Erdogan kürzlich einen False Flag angriff starten, um Syrien anzugreifen. Auch dort ist die Lage alles andere als Sicher.

Ich schrieb es in J21 schon mehrfach und André Blattmann sagt es nun auch, ein Notvorrat ist eine Sinnvolle Sache. Die teilweise sehr abfälligen Bemerkungen gegen Blattmann in den Medien und in den Onlinekommentaren, zeigen auf, dass die meisten Menschen echt nicht kapieren, was um sie abgeht.

Reuters berichtete aus der UNO:
"Israel, Iran, Serbia and several former Soviet republics in Central Asia like Tajikistan and Kyrgyzstan were among those that did not take part in the vote."
Heute gibt es eine Diskussion in Haaretz über Israels Abseitsstehen und die darauffolgende Schelte der Obama-Administration.
( Defense official on Ukraine policy: Israeli policy needn't be identical to U.S.'
U.S. officials angry over Israel's lack of condemnation of Russia.
By Barak Ravid and Jonathan Lis | Apr. 13, 2014)

In Israel wird da recht kaltschnäuzig argumentiert, dass es eher dumm wäre
den USA in ihrem Kreuzzug gegen Russland nachzulaufen. Schliesslich sei Russlands eine entscheidende Macht in Syrien und dem ganzen mittleren Osten.

Da kauft uns (EU/CH) ausgerechnet Israel den Schneid ab. Chapeau.

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