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Serbien

Vučić verliert die Wahlen

25. Oktober 2026
Aleksandar Vučić
Aleksandar Vučić am Sonntagabend in Belgrad (Keystone/EPA/Marko Djokovic)

Der autoritäre serbische Präsident Aleksandar Vučić, der das Land seit 14 Jahren dominiert, hat die Parlamentswahlen verloren. Der 56-Jährige gestand am Abend in Belgrad seine Niederlage ein. Er sagte, er gehe davon aus, dass die oppositionelle Studentenbewegung eine Mehrheit im Parlament errungen habe.

In einer Ansprache an seine Partei sagte der Präsident am Abend, er rechne damit, seine Partei, die «Serbischen Fortschrittspartei» (SNS) deutlich mehr Sitze erobert habe, als für eine Regierungsbildung nötig sein. Das Parlament zählt 250 Sitze. Für Vučićs SNS werden nur 105 Mandate prognostiert.

Die Wahlen sind mit einer Rekordbeteiligung zu Ende gegangen. Um 19.00 Uhr hatten 75 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das sind so viel wie noch nie seit dem Zerfall Jugoslawiens im Jahr 1992. 

Wahlfälschungen?

Viele Wählerinnen und Wähler fürchteten, dass das Vučić-Lager Wahlfälschung betreiben könnte, um an der Macht zu bleiben. Und tatsächlich sind am Abend schwere Vorwürfe aufgekommen, die von Wahlmanipulationen berichteten. Laut der unabhängigen Wahlbeobachtungsagentur (CRTA) gab es in einem Viertel aller Wahllokale in Serbien Berichte über fotografierte Stimmzettel. Bis 14.00 Uhr seien mehr als 200 Unregelmässigkeiten gemeldet worden, so CRTA. 

Rund 6,45 Millionen Wahlberechtigte waren offiziellen Angaben zufolge zu den Urnen gerufen worden. Vor fast allen Wahllokalen waren schon in den frühen Morgenstunden lange Warteschlangen zu sehen. Der Urnengang lief offiziell bis 20.00 Uhr (Ortszeit), doch wer um diese Zeit noch in der Schlange stand, konnte seine Stimme noch abgeben.

Bis acht Stunden Wartezeit

Auch aus europäische Metropolen wurden lange Warteschlangen gemeldet. In der Schweiz konnte die serbische Diaspora, die traditionell zur proeuropäischen Opposition neigt, ihre Stimmen nur in Zürich und Bern abgeben. Vor dem serbischen Konsulat in Zürich bildete sich zeitweise eine Warteschlage von einem halben Kilometer. Die Wartezeit betrug laut SRF bis zu acht Stunden.

Aleksandar Vučić regiert Serbien seit fast anderthalb Jahrzehnten – als Staats- oder als Ministerpräsident. Die Opposition schien lange Zeit machtlos gegenüber dem 56-jährigen 1.99 Meter grossen Mann. Kritiker werfen dem Autokraten Korruption und Verbindung zur organisierte Kriminalität vor. Ende September war Vučić überraschend als Staatspräsident zurückgetreten, um bei einem Wahlerfolg an diesem Sonntag Regierungschef zu werden.

Erfolgreiche Studentenbewegung

Die Protestbewegung, die Vučić nun stürzte, ging aus den Protesten nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024 hervor. Dabei waren 16 Menschen ums Leben gekommen. Kritiker führten das Unglück auf Korruption und Schlamperei der Vučić-Regierung zurück. 

Die Bewegung wird zwar von Studenten und Studentinnen getragen, hat aber auch Unterstützung von Lehrkräften, Landwirten und anderen Teilen der Bevölkerung erhalten. Sie fordert mehr Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und einen politischen Wandel in Serbien. 

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