Bei den heutigen Wahleni in Serbien, geht es vor allem um ein entscheidende Frage: Bleibt Aleksandar Vučićs politisches Lager an der Macht, oder gelingt der Studentenbewegung ein politischer Umbruch? Gewählt wird ein neues Parlament.
Vučić, der zunehmend autoritäre und prorussische Züge annimmt, prägt die serbische Politik seit mehr als einem Jahrzehnt. Er ist inzwischen als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten angetreten. Sein Lager wirbt mit wirtschaftlicher Entwicklung, Infrastrukturprojekten, Stabilität und nationalen Interessen.
In erster Linie geht es heute um die Frage: Vučić – ja oder nein?
Die Wahllokale sind bis 20 Uhr geöffnet. Die Wahl gilt als eng umkämpft: Eine von Reuters zitierte Ipsos-Umfrage sah Vučićs Partei bei 47 Prozent und die Studentenliste bei 40 Prozent; andere Umfragen kamen zu anderen Ergebnissen. Umfragen gelten in Serbien als wenig glaubwürdig.
Die Liste «Students Win» («Studenten siegen») ist aus landesweiten Protesten hervorgegangen. Sie tritt mit Kandidaten aus verschiedenen Berufsgruppen an und fordert vor allem einen Kampf gegen Korruption, mehr Rechtsstaatlichkeit und unabhängige staatliche Institutionen.
Der Hintergrund ist ein schweres Unglück: Am 1. November 2024 stürzte das Vordach des Bahnhofs in Novi Sad ein. 16 Menschen starben. Danach gingen Studentinnen und Studenten auf die Strasse und forderten Aufklärung, Verantwortlichkeit und Konsequenzen wegen mutmasslicher Korruption. Aus den Protesten entwickelte sich eine landesweite Bewegung.
Beobachter weisen darauf hin, dass Vučić trotz der monatelangen Proteste gegen ihn in Teilen der Bevölkerung noch immer grosses Vertrauen geniesst.
Die ersten Hinweise auf das Wahlergebnis werden nach Schliessung der Wahllokale erwartet; die offiziellen Ergebnisse werden für Montag erwartet.