Die erste Runde der amerikanisch-iranischen Gespräche auf dem Bürgenstock verlief «positiv» und «konstruktiv». Dies erklärten die Vermittler Katar und Pakistan. Als erster hatte am Sonntag Vizepräsident JD Vance von «Fortschritten» gesprochen. Zuvor war es zu einem Eklat gekommen. Trump drohte, er werde Iran, das «fucking country», auslöschen, wenn Teheran die Meerenge von Hormuz nicht öffne. Daraufhin suspendierte der iranische Chefdelegierte Mohammad Bagher Ghalibaf die Gespräche.
Hinter den Kulissen wurde jedoch bis in die Morgenstunden des Montags weiterverhandelt. Weitere Beratungen auf Arbeitsebene sollen folgen.
Kämpfe zwischen Israel und der von Iran unterstützten Hisbollah waren ein zentrales Hindernis für eine Einigung. Teheran bestand darauf, dass die tödlichen israelischen Angriffe eingestellt werden müssen. Man einige sich auf die Einrichtung einer «Kontaktstelle», um das Thema anzugehen.
An den Verhandlungen auf dem Bürgenstock nahmen auf amerikanischer Seite neben JD Vance der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teil. Die iranische Delegation besteht neben Mohammad Bagher Ghalibaf aus Aussenminister Abbas Araghchi und dem Wirtschaftsexperten Hossein Ghorbanzadeh.
Iran hatte die Meerenge wieder geschlossen, weil Israel trotz der vereinbarten Waffenruhe weiterhin den Libanon bombardiert. Während Vance auf dem Bürgenstock eine eher optimistische Lagebeurteilung abgegeben hatte, platzte Trumps vehemente Drohung dazwischen.
Iran müsse verhindern, dass die von Teheran finanzierte Hisbollah «im Libanon weiterhin Probleme verursacht». Wenn Iran das nicht tue, würden die USA das Land weiterhin hart angreifen. Dem Sender Fox News sagte Trump am Sonntag, er habe Iran wegen der Strasse von Hormuz eine dringende Warnung übermittelt: «Wenn ihr sie schliesst, habt ihr kein Land mehr. Ihr werdet nicht einmal mehr in euer fucking Land zurückkehren können.» («You close it and you won’t have a country. You won’t even make it back to your fucking country.»)
Mohammad Bagher Ghalibaf prangerte die «Verzweiflung» der Vereinigten Staaten an. «Kommt ihnen denn nie der Gedanke, dass sie heute nicht so verzweifelt wären, wenn ihre Drohungen tatsächlich gewirkt hätten?», schrieb Ghalibaf am Sonntagabend auf X. Er warnte zudem, dass das iranische Militär bereit sei, bei Bedarf zu reagieren.
«Wir nehmen die Drohungen der Amerikaner überhaupt nicht ernst», fuhr er fort. «Sie sollten besser auf ihre Worte achten. Unsere Streitkräfte sind bereit, ihnen auf andere Weise eine Antwort zu geben. Egal, wie viel sie reden – wir sind es, die handeln.»
Hossein Ghorbanzadeh, Wirtschaftsexperte der iranischen Delegation, erklärte, die Verhandlungen hätten sich in erster Linie auf die Umsetzung eines Memorandums sowie auf die Schaffung der Grundlagen für Gespräche über weitere Bestimmungen des Abkommens konzentriert.
Laut Ghorbanzadeh konzentrieren sich diese Grundlagen auf fünf Hauptpunkte: «Beendigung des Krieges an allen Fronten, Aufhebung der Belagerung, Wiederöffnung der Meerenge, vorübergehende Befreiung von Sanktionen für Öl und dessen Derivate sowie Freigabe der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte.»
Ghorbanzadeh fügte hinzu, dass andere Bestimmungen des Memorandums erst dann in die Umsetzungsphase übergehen würden, wenn die Frage der Beendigung des Krieges im Libanon geklärt sei.