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USA-Grönland-Dänemark

Trumps Obsession mit Grönland

7. Januar 2026
Rudolf Hermann
Rudolf Hermann
Grönland
Idylle bei Nuuk (Keystone/EPA/Mads Claus Rasmussen)

Donald Trump will um jeden Preis «Grönland bekommen» und hält sich dafür explizit die militärische Option offen. Doch die USA können schon heute alles haben, was ihnen bei Grönland nach offizieller Darstellung wichtig ist: sicherheitspolitischen Einfluss und Zugriff auf strategische Rohstoffe. Sind also noch verdeckte Motive im Spiel?

Grönland als Bastion gegen russische und chinesische Machtgelüste in der Arktis, und Grönland als Lieferant von Rohstoffen, die für den modernen High-Tech-Sektor und insbesondere den Rüstungsbereich unerlässlich sind: Das sind für das Weisse Haus die Gründe, weshalb man die riesige arktische Insel von Dänemark «übernehmen» will. Den ersten Versuch dazu startete Trump schon 2019 während seiner ersten Amtszeit, doch mit dem von ihm angestrebten «Immobilien-Deal» blitzte er zu seinem Missvergnügen in Kopenhagen ab. Seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt bearbeitet er das Feld nun mit schärferem Werkzeug: Schon wiederholt, letztmals zu Beginn dieser Woche, brachte er den Einsatz militärischer Mittel ins Spiel. Im Licht der kurz zuvor gestarteten US-Intervention in Venezuela haben diese Worte eine bedrohliche Dimension erhalten.  

Das sicherheitspolitische Interesse der USA an Grönland ist legitim. Nicht nur liegt die Insel in einem Gebiet, das von russischen Interkontinentalraketen bei einem allfälligen Angriff auf die amerikanische Ostküste überflogen würde, sondern Grönland ist auch ein Sprungbrett für die Nordpolregion, in der Russland zunehmend militärisch aktiv ist und wo auch China seine Ambitionen angemeldet hat.  

Auch wenn es um Grönlands Reichtum an Seltenen Erden und anderen strategischen Metallen geht, sind Washingtons Begehrlichkeiten verständlich. Die Verfügbarkeit solcher Materialien ist insbesondere für die Rüstungsindustrie wichtig. Weil Peking für viele von ihnen eine dominante Weltmarktposition innehat, ist der Aufbau von Wertschöpfungsketten, die von China unabhängig sind, essenziell – sowohl für die USA als auch etwa die Europäische Union. 

Schon jetzt keine Hindernisse 

Weder für den sicherheitspolitischen Sektor noch für die Rohstoffe müssen die USA jedoch Grönland «besitzen». Mit dem Dänischen Königreich, von dem Grönland als weitgehend autonomes Territorium Teil ist, besteht seit über sieben Jahrzehnten ein bilaterales Verteidigungsabkommen, das wiederholt ausgebaut wurde. Zudem ist Dänemark ein Allianzpartner der USA im Rahmen der Nato. Die USA unterhalten im Norden Grönlands mit der Pituffik Space Base (vormals Thule Air Base) eine wichtige Militärbasis. Und wenn sie wollten, könnten sie auf Grönland wohl auch weitere Stützpunkte haben. 

Bei den strategischen Rohstoffen wiederum steht amerikanischen Firmen nichts im Weg, in Grönland Explorations- und Förderlizenzen zu beantragen. Tatsächlich ist CRML, ein in New York kotiertes Bergbauunternehmen, dabei, in Südgrönland ein bedeutendes Vorkommen Seltener Erden zu erschliessen. Anders als bei einigen anderen amerikanischen Unternehmen aus dem Rohstoffsektor stieg der Staat bei CRML jedoch nicht als Aktionär ein, was ein deutliches Signal für die Bedeutung des Projektes gewesen wäre. 

Wenn die USA schon jetzt in punkto Grönland alles haben können, was ihnen wichtig zu sein scheint – was steht dann hinter dem nachgerade obsessiven Bemühen, die Insel den Dänen aus den Händen zu winden? Für manche Beobachter liegt ein möglicher Grund in Trumps Eitelkeit. Einerseits der verletzten Eitelkeit nach der Abfuhr für seinen geplanten «Immobilien-Deal» von 2019, was Trump damals mit der verärgerten Absage eines Besuchs bei der dänischen Königin quittierte. Und andrerseits der Eitelkeit, als Präsident in die Geschichte einzugehen, der Amerika nicht nur «wieder gross machte», sondern sogar noch vergrösserte. 

Andere sehen die Ursache im Denken in Hemisphären und Einflusszonen, das keine andere Möglichkeit zulasse als direkte Kontrolle. Doch das Argument, Grönland «übernehmen» zu müssen, um Russland und China in der Arktis und im Nordatlantik etwas entgegensetzen zu können, ist kurzsichtig. Die Kontrolle des Verkehrs durch die GIUK-Lücke, ein strategisch wichtiges Meeresgebiet, das von Grönland über Island und die Färöer nach Schottland reicht und das von russischen Kriegsschiffen und U-Booten auf dem Weg an die US-Ostküste durchfahren werden müsste, ist eine komplexe Aufgabe, an der mehrere Nato-Staaten beteiligt sind. Reisst Trump Grönland an sich, brüskiert er damit den Nato-Partner Dänemark und untergräbt das gegenseitige Vertrauen innerhalb der Allianz, wenn er sie nicht gleich ganz vernichtet. Damit riskiert er auch den Erfahrungsaustausch mit anderen nordischen Staaten, von deren extensiven Kompetenzen betreffend Operationen in der Hocharktis die USA profitieren könnten. 

«Nukes» in Nuuk? 

Nicht zuletzt gibt es zwei praktische Gründe, die hinter Trumps Grönland-Ambitionen stehen könnten: Uranproduktion und die Stationierung von Atomwaffen. Die Förderung radioaktiver Mineralien ist in Grönland seit 2021 aus Natur- und Umweltschutzgründen verboten. Man befürchtete die langfristige Schädigung von Siedlungen durch Minenabfälle. 

Mit diesem Entscheid verzichtet die Insel bewusst auf enorme Geldquellen, die ihr für die angestrebte Unabhängigkeit von Dänemark eigentlich zupass gekommen wären. Das riesige Seltenerd-Projekt Kuannersuit/Kvanefjeld in Südgrönland unweit des Städtchens Narsaq wurde gestoppt, weil als Nebenprodukt Uran angefallen wäre, auch wenn man auf bewusste Uranförderung verzichtet hätte.  

Ob eine zukünftige Regierung das Verbot wieder umstossen wird, ist unsicher. Hätten die USA Interesse an den Seltenen Erden und/oder dem Uran von Kvanefjeld, müssten sie also direkte Kontrolle ausüben oder eine ihnen genehme Regierung installieren können. 

Ähnlich verhält es sich mit der Stationierung von Kernwaffen auf der Insel. Das hatten die USA schon einmal vor, und zwar in den 1960er Jahren. Damals wurde hoch im Norden Camp Century installiert, eine Forschungsstation für den grönländischen Eisschild. Was geheim gehalten wurde: Mit den Forschungen sollte ermittelt werden, ob sich im Eisschild Kavernen für Interkontinentalraketen einrichten liessen, verteilt auf einer Fläche des Vierfachen der Schweiz und verbunden durch Tunnel zur unbemerkten Rotation der Raketen. Die Forschungen ergaben, dass der Gletscher sich zu stark bewegte und das Projekt deshalb nicht plausibel war.  

Während Camp Century eine legale Einrichtung war, hätte die Stationierung von Atomwaffen dem dänisch-amerikanischen Verteidigungsabkommen eigentlich widersprochen (auch wenn aus deklassifizierten Dokumenten hervorgeht, dass es eine stillschweigende Tolerierung im Zusammenhang mit der Thule Air Base gab). Auch heute wäre es eine heikle Angelegenheit. Hätten die USA wieder solche Pläne, müssten sie Grönland dafür «übernehmen» können. Bei der lokalen Bevölkerung käme das kaum gut an. 

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