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Wow!

Sprachakrobatik [87]

27. Juni 2013
Journal21
Wow! Ein auf Umwegen importierter Anglizismus

Von der Front der Anglizismen-Invasion in das Reich der schönen deutschen Sprache kann leider immer noch keine Entwarnung gemeldet werden. Zu den hierzulande besonders inflationär sich ausbreitenden angelsächsischen Kurzwörtern (von den berühmt berüchtigten four letter words wollen wir hier gar nicht reden) zählt der Ausruf „Wow!“ Ausgesprochen wird der Ausdruck bekanntlich als „Wau!“. Und wer einmal im Gespräch mit jüngeren und älteren Mitmenschen darauf zu achten beginnt, wie häufig da der staunende oder anerkennende Ausruf „Wow“ artikuliert wird, der wird diesem Invasions-Befund sicher zustimmen.

Bis vor kurzem neigte ich der Ansicht zu, dass die Ausbreitung des angelsächsischen „Wow“-Virus sich hauptsächlich auf den mündlichen Sprachgebrauch beschränke. Aber auch im schriftlichen Deutsch ist das „Wow“-Wort schon ziemlich kräftig im Schwange. Das beweist eine kurze Suchanfrage etwa im „Spiegel“-Archiv. Auch in der bei umgangssprachlichen Wort-Integrationen eher zurückhaltenden NZZ findet man ausreichend Belege für die Durchschlagskraft von „Wow“.

Wenn das so weitergeht, ist nicht auszuschliessen, dass in absehbarer Zeit das immer noch gängige „toll!“ mengenmässig vom angelsächsischen Konkurrenz-Ausdruck „Wow!“ überholt wird.

In einem Internet-Forum stellt jemand die Frage, weshalb man eigentlich „Wow“ sage, wenn man etwas gut finde oder bewundere und nicht „Miau“ oder „IA“. Die Frage beruht offenbar auf einem Missverständnis. Der Ausruf „Wow“ hat etymologisch nämlich nichts mit dem Hundelaut „Wau!“ zu tun. Er stammt laut Auskunft von „Wiktionary“ vielmehr aus dem Schottischen und ist schon beim schottischen Dichter Robert Burns belegt. Wahrscheinlich ist er aus einer Kontraktion des Ausrufs „I vow!“ (ich gelobe!) entstanden. Von dort ist „wow!“ dann nach Amerika ausgewandert, hat dort Wurzeln geschlagen und ist später wieder nach Europa zurückgekehrt. Also handelt es sich beim „Wow“-Vormarsch im deutschen Sprachraum nicht um einen reinen Amerika-Import. Möglicherweise trägt das für den einen oder andern Sprachpuristen zur Beruhigung bei.

R. M.

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