Die am Donnerstag von Trump angekündigte russische Angriffspause gegen ukrainische Städte ist bisher nicht eingehalten worden. Aus mehreren grossen Städten wie Kiew und Charkiw wurden in der Nacht auf den Samstag neue Drohnen- und Raketeneinschläge gemeldet.
Gemäss Berichten verschiedener Medien und grosser Nachrichtenagenturen wie AP oder Reuters ist es in der Nacht auf den Samstag in mehreren ukrainischen Regionen und Städten zu russischen Luftangriffen gekommen. In der Region Charkiw ist bei einer Drohnen-Attacke mindestens eine Zivilistin getötet worden. Auch im Raum der Hauptstadt Kiew ist durch solche Angriffe eine Person ums Leben gekommen. Drohnenangriffe wurden weiter aus Odessa, Donezk, Dnipropetrowsk und Cherson gemeldet.
Neue Gesprächsrunde in Abu Dhabi
Nach Angaben der lokalen Behörden gab es aber in dieser Nacht keine neuen Angriffe auf ukrainische Energieanlagen, die in den Tagen und Wochen zuvor die Strom- und Wasserversorgung für Hunderttausende von Bewohnern in den grossen Städten zerstört oder ausser Betrieb gesetzt hatten.
US-Präsident Trump hatte am Donnerstag erklärt, dass ihm der Kremlchef Putin auf seine Bitte hin zugesagt habe, die intensiven russischen Luftangriffe gegen ukrainische Städte wegen der extrem kalten Temperaturen für eine Woche einzustellen. In Moskau wurde diese Ankündigung zunächst nicht bestätigt. Putin selber hat sich zu diesem Thema bisher überhaupt nicht geäussert.
Erst am Freitag bestätige der Kremlsprecher Peskow das von Trump vorgebrachte Anliegen. Indirekt dementierte er aber Trumps Aussage von einer einwöchigen Feuerpause gegen ukrainische Städte. Peskow sagte, die russischen Angriffe würden bis zum Sonntag, dem 1. Februar ausgesetzt. An diesem Tag soll in Abu Dhabi eine neue Gesprächsrunde zwischen russischen und ukrainischen Vertretern im Beisein von Abgesandten aus Washington stattfinden. Der einwöchige russische Angriffsverzicht, den Trump vollmundig in Aussicht gestellt hat, würde damit gemäss dieser Moskauer Darstellung auf gerade mal zwei Tage zusammenschrumpfen.
Eine Trumpsche PR-Aktion
Damit ist klar geworden, dass es sich bei dieser angeblichen Feuerpause nicht um einen seriös und verbindlich ausgehandelten Unterbruch der seit Wochen andauernden russischen Angriffswelle gegen ukrainische Städte handelt. Diese Episode entpuppt sich inzwischen in erster Linie als eine weitere PR-Aktion des «Friedensvermittlers» Trump, bei der der Kreml nur rhetorisch halbwegs mitspielt, um dem Mann im Weissen Haus die Laune nicht zu verderben.
Wenn Trump als Vermittler im Ukraine-Krieg wirkliche Fortschritte in Richtung Frieden zustande bringen will, wird er gegenüber dem Kriegsherrn Putin ganz andere Druckmittel zum Einsatz bringen müssen, als er sie bisher benützt hat.