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Iran

Proteste wieder aufgeflammt

23. Februar 2026
Reinhard Schulze
Proteste Iran
Bild: Videostill aus Guardian News, 22.2.2026

Nach der äusserst brutalen Niederschlagung der landesweiten Protestbewegung durch das Regime im Januar schien im Iran bislang eine gespenstische Friedhofsruhe zu herrschen. Seit drei Tagen gibt es wieder Berichte über Demonstrationen an Hochschulen.

Seit dem 21. Februar 2026, dem Beginn des neuen Semesters nach einer etwa einmonatigen Schliessung der Universitäten aufgrund der blutigen landesweiten Proteste im Januar, haben studentische Demonstrationen in Iran wieder an Fahrt aufgenommen. Diese Proteste finden hauptsächlich in Teheran und anderen Städten wie Mashhad statt und dienen vor allem dem Gedenken an die Tausenden von Opfern, die bei der Niederschlagung der Januar-Unruhen durch Sicherheitskräfte getötet wurden. 

Berichten zufolge haben sich die Proteste auf mindestens sieben Universitäten ausgeweitet, darunter die Sharif University of Technology, die Amirkabir University, die University of Tehran, die Shahid Beheshti University, die Iran University of Science and Technology, die Khajeh Nasir University und die Ferdowsi University in Mashhad. Die Demonstranten boykottieren teilweise Vorlesungen, organisieren Sit-ins und rufen Slogans wie «Khamenei ist ein Mörder, seine Herrschaft ist illegitim!», «Dies ist das Jahr des Blutes, Seyed Ali (Khamenei) wird gestürzt!» oder Forderungen nach der Rückkehr der Pahlavi-Monarchie, wie «Dies ist der finale Kampf, Pahlavi kommt zurück!».

Zusammenstösse mit Milizen und Sicherheitskräften

Die Proteste haben zu Auseinandersetzungen mit regimetreuen Gruppen wie den Basij-Milizen und Sicherheitskräften geführt, die in einigen Fällen in die Universitätsgelände eingedrungen sind, um Demonstranten zu verhaften oder zu verletzen. Videos und Augenzeugenberichte zeigen Szenen von Zusammenstössen, bei denen Steine geworfen wurden und Studenten als «Schande» (bi sharaf) beschimpft wurden. 

Bis zum 23. Februar 2026 haben die Proteste an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen angehalten. Es kursieren Berichte über eine dritte Protestwelle an Orten wie der Al-Zahra University in Teheran. Die iranische Staatsmedien bagatellisieren die Ereignisse und sprechen von «individuellen Vorfällen» oder «falschen Studenten», die von aussen gesteuert seien. Oppositionelle und internationale Beobachter hingegen sprechen von einer breiten Anti-Regime-Bewegung.

Schwierige Berichterstattung

Bisher gibt es keine Hinweise auf eine Eskalation zu landesweiten Massenprotesten wie im Januar, aber die Universitäten bleiben ein Hotspot für Dissens. Die Berichterstattung zu diesen Protesten ist insgesamt als mässig bis hoch zuverlässig einzustufen, abhängig von der Quelle. Westliche Medien wie BBC, New York Times, Reuters und NPR bieten verifizierte Videos und Augenzeugenberichte, die unabhängig geprüft wurden. Sie repräsentieren eine breite Palette von Perspektiven, einschliesslich offizieller iranischer Aussagen. Diese Quellen sind tendenziell neutral, aber sie könnten aufgrund begrenzten Zugangs zu Iran (z. B. durch Internet-Blackouts) auf Social-Media-Inhalte und Exil-Iraner angewiesen sein, was zu einer leichten Schlagseite gegen das Regime führen könnte.

Oppositionelle oder exilbasierte Medien wie Iran International, NCR-Iran oder Social-Media-Posts von Aktivisten (z. B. auf X) tendieren zu Übertreibungen von Umfang und Intensität der Proteste, um den Widerstand zu betonen. Sie sind daher weniger neutral. Iranische Staatsmedien wie Fars oder IRNA leugnen oder minimieren die Ereignisse und sprechen von «ausländischer Einmischung», was ihre Zuverlässigkeit stark einschränkt.

Die Übereinstimmung mehrerer unabhängiger Quellen (inklusive geolokalisierter Videos) stärkt die Glaubwürdigkeit der Kernfakten – wie Ort, Zeit und Slogans der Proteste. Allerdings fehlen präzise Zahlen zu Teilnehmern oder Verhafteten, da der Iran die Berichterstattung rigoros einschränkt. Insgesamt sind die Berichte fundiert, aber deren Interpretationen (von der einen Seite als «neue Revolution», von der anderen als «isolierte Vorfälle») sollten kritisch betrachtet werden.

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