Francis Poulenc (1899-1963) war unter den französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts eine der schillerndsten Figuren. Im Jahr 1936 wandte sich Poulenc nach dem Tod eines Freundes dem katholischen Glauben zu. Seine Werke, die ich hier bespreche, sind die Früchte dieser «Konversion»: Ein Gloria und ein Stabat mater.
Poulenc schrieb einmal, er habe den Glauben eines Landpfarrers. Die Nachwelt sagte von ihm, er sei ein Mönch und ein Lausbub gewesen. Jedenfalls war er jemand, der den Ernst des Lebens ebenso brauchte wie Scherz und Frivolität.
Das Gloria entstand 1959, das Stabat mater bereits etwas früher 1950. Beide sind wunderbare Zeugnisse für seinen Lebensernst und von überstandenen Lebenskrisen. Überliefert ist auch seine Einschätzung. Das Gloria sei «eine grosse Chorsymphonie», das Stabat mater dagegen fast ein »a capella Chor».
Nach der Vollendung eines weiteren Werkes namens «Sept Répons» schrieb Poulenc: «Zusammen mit dem Gloria und dem Stabat mater habe ich, glaube ich, drei gute geistliche Werke. Könnten sie mir doch einige Tage vom Fegefeuer ersparen, sofern ich gerade noch der Hölle entgehe.»
In Sachen Religion blieb er mit seinem Naturell als Schalk bis in seine letzten Tage treu. Ich höre diese ernst-heitere Musik immer wieder und kann nicht genug davon bekommen.
Meine Empfehlung ist die 1989 erschienene Aufnahme bei DGG mit der Sopranistin Kathleen Battle, dem Tanglewood Festival Chorus und dem Boston Symphony Orchestra unter Seiji Ozawa.