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Die Salzburger Festspiele

Misstöne bei den Salzburger Festspielen

17. August 2026 , Salzburg
Annette Freitag
Salzburg
Salzburger Festspiele: Gedränge in lauen Sommernächten (Foto ©andreas-kolarik)

«Was für ein Affentheater», hat sich Sven Hartberger gesagt, als die Gerüchte um den Rauswurf von Markus Hinterhäuser als Intendant der Salzburger Festspiele immer höhere Wellen schlugen.

Sven Hartberger weiss, von was er schreibt: Er ist ehemaliger Intendant des Klangforums Wien, Kulturmanager und Autor. Akribisch hat Hartberger dieses Trauerspiel um Intrigen und Verträge, um Verleumdung, Dichtung und Wahrheit und um verletzte Eitelkeiten auf verschiedenen Seiten aufgezeichnet und als Büchlein herausgegeben. Der Titel: «Das Salzburger Grosse Affentheater – Vom Ende der Ära Markus Hinterhäuser». Der Titel ist angelehnt an «Das Salzburger grosse Welttheater» von Hugo von Hofmannsthal, einem der Mitbegründer der Salzburger Festspiele. Sven Hartberger kennt sich aus in der Materie und unter den Beteiligten. Kein Wunder, dass die erste Auflage des Büchleins im Handumdrehen vergriffen war und nun schon die zweite Auflage erscheint.

Während sich bei den Salzburger Festspielen seit über hundert Jahren die besten und prominentesten Künstlerinnen und Künstler auf den verschiedenen Bühnen präsentieren, steht diesen Sommer eine ganz andere, unglaubliche Geschichte im Mittelpunkt des Interesses und ist DAS Gesprächsthema weit über Salzburg hinaus: der Rausschmiss Markus Hinterhäusers, des höchst erfolgreichen und charismatischen Intendanten der Salzburger Festspiele. Dies geschah Ende März Knall auf Fall. Seither ist die Gerüchteküche am Brodeln. Insbesondere, seit die Festspiele wieder auf den verschiedenen Bühnen höchst erfolgreich stattfinden, und zwar noch bis 30. August.

Offiziell wird Markus Hinterhäuser als Begründung für seinen Rausschmiss «mangelndes Wohlverhalten» zur Last gelegt, was immer das heissen soll.

Markus Hinterhäuser
Um ihn dreht sich alles: der geschasste bisherige Intendant Markus Hinterhäuser (Foto©sf-neumayr)

Die Vorgeschichte

Vorausgegangen war die abrupte Entlassung von Marina Davydova, der Schauspielchefin der Salzburger Festspiele. Vorgeworfen wurde ihr die – möglicherweise unerlaubte – Beteiligung an einem anderen Festival. Davydova ihrerseits beklagt jähzorniges Verhalten Hinterhäusers ihr gegenüber. Immer wieder habe er sie angeschrien. 

Das Kuratorium der Salzburger Festspiele verlangte nach dem Abgang Davydovas eine Ausschreibung und Hearings für die Nachfolge. Hinterhäuser sprach dagegen bereits von seiner Wunschkandidatin Karin Bergmann, die zuvor schon eine Zeitlang das Wiener Burgtheater geleitet hatte, also durchaus einschlägige Erfahrung mitbrachte. Bergmann hatte sich allerdings nicht in Salzburg beworben und folglich auch kein Hearing absolviert. Hinterhäuser engagierte sie dennoch.

Inzwischen – und nach der Entlassung Hinterhäusers – ist Karin Bergmann nicht nur für das Schauspiel zuständig, sondern interimistisch sogar zur künstlerischen Leiterin der Festspiele ernannt worden. «Ich übernehme diese Aufgabe mit grossem Respekt vor der Verantwortung und mit grosser Anerkennung für die künstlerische Leistung von Markus Hinterhäuser», schreibt sie über ihre Ernennung und fügt mit einer gewissen Verwunderung bei: «Nun trage ich auch für mich selbst überraschend Verantwortung für die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele.» 

Fast schon nebenher fanden die Proben zu den diesjährigen Festspielen statt, dann die festliche Eröffnung und das Publikum strömte wie jedes Jahr nach Salzburg. Denn das Programm, das Markus Hinterhäuser auch für diese Saison zusammengestellt hatte, war nur vom Feinsten. Internationale Spitzenkünstler geben sich sozusagen die Klinke in die Hand. Markus Hinterhäuser, der seit zehn Jahren die Festspiele als Intendant leitete, hat auch in diesem Jahr künstlerisch und finanziell höchst erfolgreich gearbeitet.

Intendant und Künstler

Neben seiner Tätigkeit als Intendant war Markus Hinterhäuser auch als Pianist bei den Festspielen tätig und findet sich ein paarmal im Programm. Wird er diesen Sommer da auftreten? Die Frage stellte sich natürlich nach dem grossen Knatsch. Darf er da überhaupt auftreten? Will er da auftreten? Fragen über Fragen schon vor Beginn der Festspiele. Inzwischen wissen wir: Ja, er wollte und er konnte auftreten und das Publikum spendete ihm demonstrativ Applaus. Sein letztes Konzert war «Visions de l’Amen» von Olivier Messiaen, ein pianistischer Kraftakt für zwei Klaviere, den er zusammen mit Igor Levit stemmte. Langanhaltender Jubel und Applaus, eine Demonstration des Publikums, die Hinterhäuser bestimmt in tiefster Seele gutgetan hat.

Affentheater

Noch während der Festspiele – und mitten in der hitzigen Diskussion pro und kontra Hinterhäuser – lag in den Buchhandlungen bereits Sven Hartbergers Büchlein über das «Affentheater» auf und war natürlich DER Renner, insbesondere in Salzburg. 

Hartbergers Beweggründe: «Zur Arbeit an dem Buch habe ich mich wegen des überheblichen Umgangs von Karoline Edtstadler und Bernhard Auinger mit den Protesten von KünstlerInnen und SponsorInnen entschlossen». Karoline Esstadler ist die Landeshauptfrau in Salzburg, Bernhard Auinger ist Bürgermeister der Stadt Salzburg. Beide gehören zum Kuratorium der Festspiele, den Hauptakteuren in diesem Drama um die Absetzung Hinterhäusers.

Sven Hartberger hat gründlich recherchiert, wer in welche Machenschaften verstrickt ist und wie es überhaupt zu diesem Eklat hat kommen können. «Ich war mit allen ProtagonistInnen des Buchs – wenn man alle involvierten Personen so nennen kann – während der Recherche und auch danach in ständiger Verbindung. Auf Seiten des Kuratoriums ist diese Verbindung einseitig geblieben.» Selbst Reaktionen des Kuratoriums, wie ‘kein Kommentar, keine Bühne bieten, alles völlig aus der Luft gegriffen’ oder Ähnliches, seien ihm nur über die Medien bekannt geworden, so Hartberger. Ein gewisses Verständnis für Hartbergers Recherchier-Arbeit über den Rauswurf von Markus Hinterhäuser hat zumindest Karin Bergmann gezeigt, also jene Frau, die Markus Hinterhäuser ohne deren Bewerbung und ohne ein Hearing zur neuen Schauspielchefin machen wollte, nachdem er die bisherige Marina Davydova entlassen hatte. «Für das Direktorium hat Karin Bergmann in einem ORF-Interview bemerkt, dass sie verstehe, dass ich mich um Aufklärung bemühe», so Hartberger.

Und der inzwischen geschasste Intendant selbst? «Markus Hinterhäuser begegne ich natürlich laufend bei den Festspielen», so Hartberger. «Ich habe verstanden, dass auch er mit meinem Bemühen einverstanden ist.»

Hartberger und Hinterhäuser kennen sich schon länger. Und im Vorwort des Buches betont Hartberger, dass ihn «eine rund fünfundzwanzigjährige, durchaus wechselhafte und keineswegs immer friktionsfreie Arbeitsbeziehung mit Markus Hinterhäuser verbinde. Aus dem sehr allmählich gewachsenen gegenseitigen Respekt ist imLauf der Zeit ein freundschaftliches Einvernehmen entstanden, das zu einer späten Freundschaft vielleicht noch reifen kann – oder auch nicht.»

Wie weiter?

Eines ist jedenfalls sicher: Auf das Kuratorium werden grosse Herausforderungen zukommen. Die Bewerbungsfrist für die Nachfolge von Markus Hinterhäuser ist inzwischen bereits abgelaufen, 21 Interessenten sollen sich gemeldet haben. Zur Findungskommission gehört unter anderen auch Franz Welser-Möst, der einige Jahre Generalmusikdirektor am Zürcher Opernhaus war. Bei der Suche nach dem neuen Intendanten – oder der Intendantin – «kann es auch Überraschungen geben», erklärte Franz Welser-Möst gegenüber den Salzburger Nachrichten. «Wir suchen nicht Namen, sondern Ideen und Visionen», so Welser-Möst, der in der Vergangenheit auch selbst als möglicher Intendant der Salzburger Festspiele gehandelt wurde. Erschwert wird die Suche auch durch den Umstand, dass die Festspiele mitten in den Vorbereitungen für umfangreiche Umbauten im Festspielbezirk stecken.

Zu guter Letzt stellt sich auch die Frage, was all diese Turbulenzen kosten. Sven Hartberger vermutet Kosten und Abfindungen in Millionenhöhe und beantragt «Offenlegung der Gesamtkosten wegen überwiegenden öffentlichen Interesses». Das Landesverwaltungsgericht liess inzwischen verlauten, «dass das Informationsbegehren des Antragstellers berechtigt ist».

Es ist eine Geschichte mit Fortsetzung.

Sven Hartberger: Das Salzburger Grosse Affentheater. Verlag Tres Mundos

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