Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Iran

Ist Ghalibaf tatsächlich der starke Mann?

24. März 2026
Ali Sadrzadeh
Mohammed Bagher Ghalibaf
Mohammed Bagher Ghalibaf, 2023 (Bild: Hamed Malekpour, Wikimedia CC BY-SA 4.0)

Trump hat behauptet, mit Iran würden konstruktive Verhandlungen geführt. Dies sei für ihn der Grund gewesen, das Ultimatum zurückzuziehen. Doch wer ist der angebliche Verhandlungspartner? Der Mann, den Trump offensichtlich meint, ist eine zwielichtige Figur.

Er stehe in Kontakt mit einem «hochrangigen Mann», einer der «angesehensten Personen» des Landes, sagte Donald Trump gestern Nachmittag, bevor er an Bord der Air Force One ging. 

Es ist einfach beängstigend, ja gefährlich, wie ahnungslos der mächtigste Mann dieser Welt ist. Er meinte offenbar Mohammad Bagher Ghalibaf, der im ganzen Land, selbst unter den Islamisten, keinen guten Ruf geniesst. Als Man mit tausend Gesichtern ist er im Volksmund bekannt. Er hat zahlreiche Titel und Bezeichnungen: Kommandant der Revolutionsgarden, Pilot, Universitätsprofessor, Sicherheitsexperte, Parlamentspräsident usw. Selbst in den iranischen Medien ist sein Name mit vielen grossen und kleinen Korruptionsaffären verbunden. 

Karriere bei den Revolutionsgarden

Ghalibaf stammt wie Ali Khamenei aus Maschhad. Darin liegt der eigentliche Schlüssel seines Aufstiegs. Bei der Revolution war er 17 Jahre alt, schloss er sich zunächst der Basij, den Paramilitärs, und sehr schnell dann der Revolutionsgarde an. Studium oder Beruf kamen damals nicht in Frage, denn es begann der achtjährige Krieg mit dem Irak. Und er ging an die Front. Später führte er seinen Krieg gegen die Kurden, die für Autonomie kämpften. 

Bei den Garden machte Ghalibaf schnell Kariere. Schon als Jugendlicher kannte er Ali Khamenei, wich nie von seiner Seite, wurde schliesslich einer seiner treusten Männer für heikle Momenten. Er ist auch mit dem Sohn Mojtaba, dem jetzigen Führer, befreundet. Auch seine jetzige Stellung als Parlamentspräsident verdankt er dem alten Khamenei. 

Man nennt ihn auch den ewigen Präsidentschaftskandidaten, der sich zuweilen als Mann der Moderne präsentierte, der die iranische Nation wieder gross machen wolle. Er war acht Jahre Polizeichef des Landes. Aus dieser Zeit stammt seine berühmt gewordene «Zangentaktik», mit der er die grossen Studentenproteste von 1999 brutal niederschlug. Dass er jetzt als Mann der Zukunft gehandelt wird, hängt mit dem Tod des Chefstrategen Ali Larijani zusammen.

Ghalibaf ist kein Prinzipienreiter, sondern fähig zu vielen Kompromissen – allerding nur dann, wenn sie seine Stellung innerhalb des Systems nicht zu sehr gefährden. Doch er ist kein guter Redner; er wird deshalb Schwierigkeiten haben, schmerzliche Zugeständnisse, die er sicherlich machen will und muss, öffentlich zu rechtfertigen.  

Nachricht über Verhandlungen: ein Blindgänger

Und diese Hindernisse tauchten sofort nach Trumps Ankündigung auf. Die Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden gehört, widmete dem Thema sofort einen ziemlich langen Artikel unter dem vielsagenden Titel: «Trumps verbale Bombe auf politische Infrastruktur.» Weil Trump unfähig sei, sein Ultimatum zur Öffnung der Strasse von Hormus durchzusetzen, habe er eine «verbale Zeitbombe» gezündet, um Verwirrung zu stiften. Diese Bombe über eine angeblich heimliche Verhandlung sei aber ein Blindgänger. Denn nicht nur Ghalibaf selbst, sondern auch anderen Organe des Landes hätten inzwischen vehement dementiert. 

In einem solchen Klima der Verwirrung löst ein Dementi das Problem nicht. Im Gegenteil, es tauchen neue Fragen auf. Was, wenn Ghalibaf lügt und es doch Verhandlungen gibt? Was, wenn es jemand anderes ist, der mit den Amerikanern spricht? Selbst wenn jemand innerhalb des Regimes tatsächlich verhandelt: Hat diese Person auch die Macht, im Inneren eine mit den USA getroffene Vereinbarung durchzusetzen? Werden die iranischen Kommandeure, die momentan nach Belieben feuern, auf den Verhandler hören?

Letzte Artikel

Die Verliererin heisst: Giorgia Meloni

Heiner Hug 23. März 2026

Ende Feuer – und alle Fragen offen

Erich Gysling 23. März 2026

Kampf dem Trumpismus – auch in der Schweiz

Daniel Woker 23. März 2026

Ein Krieg wie jener in Gaza

Ignaz Staub 23. März 2026

Ein Stimmungstest für die Präsidentenwahlen? Eher nicht

Hans Woller 23. März 2026

Weitere Schlappe für die SPD

22. März 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Leserbrief schreiben
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.